Liu Xia bei ihrer Ankunft am Flughafen Helsinki. | Bildquelle: AFP

Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xia auf dem Weg nach Deutschland

Stand: 10.07.2018 15:31 Uhr

China hat die unter Hausarrest stehende Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ausreisen lassen. Nach einer Zwischenlandung in Helsinki wird Liu Xia noch heute in Berlin erwartet.

Nach acht Jahren unter Hausarrest ist der Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo die Ausreise erlaubt worden. Chinas Außenmisterium bestätigte, dass die 57-jährige Liu Xia für eine medizinische Behandlung nach Deutschland reise.

Lius jüngerer Bruder Liu Hui berichtete, seine Schwester habe das Land an Bord einer Maschine der finnischen Fluggesellschaft Finnair verlassen. Am frühen Nachmittag traf sie zunächst am Flughafen der finnischen Hauptstadt Helsinki ein. Die dort entstandenen Fotos waren die ersten seit ihrer Entlassung aus dem Hausarrest. Auf einem Foto ist zu sehen, wie Liu ihre Arme ausbreitet und strahlend lächelt.

Nach Angaben des unabhängigen chinesischen Zentrums der Schriftstellervereinigung PEN wird Liu Xia am frühen Abend in Berlin erwartet.

Der Bruder Liu Hui teilte über das soziale Netzwerk WeChat mit, dass seine Schwester "ein neues Leben beginnt". Auch der Bürgerrechtsanwalt Mo Shaoping, der mit Liu Hui gesprochen hatte, bestätigte die Angaben des Bruders.

Liu Xia nach acht Jahren frei
tagesschau 17:00 Uhr, 10.07.2018, Michael Storfner, ARD Peking

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Einen Tag nach deutsch-chinesischen Konsultationen

Die Freilassung erfolgte nur einen Tag nach dem Besuch des chinesischen Ministerpräsident Li Keqiang zu deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin. Bundeskanzlern Angela Merkel hatte sich wiederholt für die Freilassung und Ausreise von Liu Xia eingesetzt. Die Künstlerin, Fotografin und Dichterin leidet unter schweren Depressionen, wie ihre Freunde berichteten.

Die Ausreise erfolgte darüber hinaus nur drei Tage vor dem ersten Jahrestag des Todes von Liu Xiaobo, der am 13. Juli 2017 in Haft an Leberkrebs gestorben war.

Liu Xia, Schriftstellerin, Künstlerin und Witwe des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, im Juli bei Vorbereitungen für die Seebestattung ihres Mannes. | Bildquelle: AFP
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Liu Xia im Juli vergangenen Jahres bei Vorbereitungen für die Seebestattung ihres Mannes Liu Xiaobo.

Da ihr Bruder Liu Hui nicht mit ausreisen durfte, ist Liu Xia auch nach ihrer Ausreise aber nicht wirklich frei. Nach Angaben ihrer Freunde wird Liu Hui als "Geisel" zurückgehalten. Die Staatssicherheit wolle Liu Xia damit auch im Ausland zum Schweigen bringen, sagte der Bürgerrechtler Hu Jia. Die Botschaft laute: "Dein Bruder ist hier. Du bist wie ein Flugdrache an der Schnur. Die Grenzen deiner freien Meinungsäußerung sind in den Händen anderer", formuliert Hu Jia die Drohung dahinter.

Nie als Bürgerrechtlerin aktiv

Ob die Künstlerin tatsächlich politisch aktiv werden will, ist allerdings offen - nicht nur wegen ihres Gesundheitszustandes, sondern auch, weil Liu Xia nie als Bürgerrechtlerin aktiv war. Durch ihre Heirat mit Liu Xiaobo geriet sie ins Fadenkreuz der Staatssicherheit.

Nicht nur Freunde, sondern auch Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen waren in "tiefer Sorge" über ihren psychischen Zustand. "Wir sind beunruhigt von Berichten über die Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Liu Xia", hatten die UN-Ermittler im Kampf gegen zwangsweises Verschwinden und willkürliche Inhaftierungen sowie der Sonderberichterstatter zur Lage von Menschenrechtsverteidigern erst vergangene Woche in Genf mitgeteilt.

Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus | Bildquelle: AP
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Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Jahr 2017 im Krankenhaus. Das Nobelkomitee verlieh Liu Xiaobo 2010 als erstem Chinesen den Friedensnobelpreis.

Depressionen und Herzprobleme

Nach Angaben ihres Freundes Liao Yiwu sind ihre Depressionen so schlimm, dass sie auch schon mal bewusstlos zusammenbricht oder unter Herzproblemen und anderen Symptomen leidet. Sie nehme starke Medikamente dagegen, die aber Halluzinationen auslösten.

Ihr Mann Liu Xiaobo war 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er war 2008 Mitverfasser der "Charta 08", in der ein "freier, demokratischer und verfassungsmäßiger Staat" gefordert wird.

Vordenker und Vorkämpfer für Demokratie

Das Nobelkomitee verlieh Liu Xiaobo 2010 als erstem Chinesen den Friedensnobelpreis für "seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China". Seine Freunde erinnern Liu Xiaobo als großen Vordenker und sanften Vorkämpfer für Demokratie.

Freunde aus China sowie der Sänger und frühere ostdeutsche Dissident Wolf Biermann und die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller organisieren am Todestag am Freitag eine Gedenkfeier in der Berliner Gethsemane-Kirche, um an das Leben und Werk Liu Xiaobos zu erinnern.

China lässt Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ausreisen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
10.07.2018 08:09 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 10. Juli 2018 die tagesschau um 08:00 Uhr sowie um 08:30 Uhr und NDR Info um 08:38 Uhr.

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