Flüchtlinge auf der Diciotti | Bildquelle: AP

UN-Bericht zu "Diciotti"-Migranten Spuren der Folter

Stand: 30.08.2018 21:08 Uhr

Die UN berichten von erschütternden Erzählungen der "Diciotti"-Migranten: Manche seien in Libyen ein Jahr in einem unterirdischen Lager festgehalten worden. Säuglinge seien dort gestorben.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Die Berichte, die das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen von den Migranten der "Diciotti" gesammelt hat, sind erschütternd. Einige von ihnen wurden offenbar etwa ein Jahr lang von einem Schlepper in einem unterirdischen Lager in Libyen gefangen gehalten, sagte die Sprecherin des UNHCR in Rom nach Gesprächen mit den Migranten.

In dem Lager seien in der Zeit auch 16 Kinder geboren worden, die aber alle nach ein paar Monaten gestorben seien. Frauen seien dort vergewaltigt, Männer und Frauen gefoltert worden, um von ihren Familien mehr Geld zu erpressen.

Die Diciotti hat im Hafen von Catania angelegt. | Bildquelle: ORIETTA SCARDINO/EPA-EFE/REX/Shu
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Tagelang hatten die Flüchtlinge auf der "Diciotti" im Hafen von Catania ausgeharrt.

Viele Gerettete traumatisiert

Die Migranten waren auf dem Mittelmeer von dem Schiff "Diciotti" der italienischen Küstenwache gerettet worden. Danach hatten sie erst tagelang auf See und dann im Hafen von Catania ausgeharrt, weil Italiens Regierung sie nicht an Land lassen wollte.

Innenminister Matteo Salvini hatte wörtlich gesagt: Die Kinder könnten von Bord, aber 20-, 30-jährige Schöne, Robuste und Geimpfte nicht. Er hatte die Migranten wiederholt als Illegale bezeichnet. Viele der 190 Geretteten waren traumatisiert und trugen Spuren der Folter.

Ermittlungen wegen Freiheitsberaubung

Inzwischen hat Italien die Migranten an Land gelassen. Irland und Albanien hatten erklärt, einige von ihnen aufzunehmen, die übrigen werden jetzt in Einrichtungen der katholischen Kirche versorgt.

Gegen Italiens Innenminister wird inzwischen unter anderem wegen Freiheitsberaubung ermittelt. Auch in Italien dürfen Personen höchstens 48 Stunden ohne richterliche Anordnung festgehalten werden. Auch in Italien haben Migranten das Recht, einen Asylantrag zu stellen.

Migranten der Diciotti berichten von unmenschlichen Zuständen in Libyen
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
30.08.2018 20:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. August 2018 um 16:52 Uhr.

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