Ein Mitglied der von Haftar kommandierten Armee | Bildquelle: REUTERS

Libyen-Konflikt Angst vor Eskalation in Tripolis

Stand: 07.04.2019 18:17 Uhr

Während Haftars Truppen Erfolge melden, haben Anhänger der Regierung in Tripolis eine Gegenoffensive angekündigt. Einheimische beginnen mit Hamsterkäufen, Ausländer werden in Sicherheit gebracht.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Er ist dafür bekannt, ruhig und zurückhaltend aufzutreten, ja, bescheiden - so ganz anders als die meisten führenden Politiker im Nahen Osten und in Nordafrika: Libyens Regierungschef Fayez al-Sarraj. Und selbst der Angriff seines Hauptgegners Chalifa Haftar scheint ihn nicht aus der Ruhe zu bringen, obwohl Sarraj in einer Fernsehansprache klare Worte wählte.

"Wir hatten unsere Hände zum Frieden ausgestreckt", sagte er. "Aber dem Angriff der Kräfte Haftars, seiner Kriegserklärung gegen unsere Hauptstadt sowie seinem Putsch-Versuch gegen den Präsidentschaftsrat wird mit Entschlossenheit und Stärke begegnet. Wir haben den libyschen Streit- und Sicherheitskräften Befehle erteilt - den generellen Befehl, der Bedrohung derer, die destabilisieren wollen und Zivilisten einschüchtern, zu begegnen."

Erfolg von Haftars Marsch unklar

Seit 2011 Diktator Muammar al-Gaddafi mit westlicher Hilfe gestürzt wurde, kämpfen Hunderte Milizen und Gangsterbanden um Einfluss. Immer wieder wechseln Allianzen und Fronten. Selbst in der Hauptstadt Tripolis im Westen Libyens sind mehr als zwei Dutzend Milizen aktiv; manche stehen zur international anerkannten Regierung von Fajis al-Sarraj, andere nicht. Im Osten Libyens versucht eine Gegenregierung, ihre Interessen durchzusetzen. Mit ihr verbunden: General Chalifa Haftar.

In den vergangenen Monaten haben seine Kräfte auch Landesteile im Süden unter ihre Kontrolle gebracht. Am Donnerstag erteilte Haftar seinen Einheiten den Befehl, auf Tripolis zu marschieren. "Schießt nur auf die, die Waffen tragen, die schießen und Blut vergießen", sagte er. "Diejenigen, die ihre Waffen niederlegen, die zuhause bleiben, und diejenigen, die die weiße Flagge hissen, sind sicher."

Wie erfolgreich Haftars Marsch auf Tripolis ist, ist unklar. Einer seiner Militärsprecher verkündete bereits einen großen Zwischensieg: "Der Flughafen von Tripolis ist unter voller Kontrolle. Der Flughafen und die Straße zu ihm sind unter voller Kontrolle (unserer) Streitkräfte."

Viele libysche Milizen nutzen umgebaute Fahrzeuge. | Bildquelle: AFP
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Viele libysche Milizen nutzen umgebaute Fahrzeuge. Dieses auffällige Gefährt verfügt über zusätzliche Panzerung und ein Maschinengewehr - vermutlich russischer oder osteuropäischer Bauart - auf dem Dach.

Geplante Konferenz der UN

Doch Haftars Leute, die mittlerweile von weiteren Einheiten aus dem Osten Unterstützung erhalten sollen, stoßen auf Gegenwehr: Regierungstreue haben am Nachmittag einen Gegenangriff befohlen. Die Reaktion: Einheimische in Tripolis begannen mit Hamsterkäufen, Ausländer werden in Sicherheit gebracht.

Haftars Angriff ist auch ein Angriff auf die Konferenz, die in den kommenden Tagen im libyschen Ghadames stattfinden soll - ausgerichtet von den Vereinten Nationen und mit dem Ziel, mit allen wichtigen Fraktionen nach politischen Lösungen für die innerlibyschen Probleme zu suchen.

Noch halten die UN an dem geplanten Treffen fest. "Wir werden nicht aufhören, Tag und Nacht zu arbeiten, die Kämpfe beizulegen, Eskalation zu verhindern und eine internationale Haltung zu finden, die diesen Anspruch unterstützt", sagte der Libyen-Sondergesandte, Ghassan Salame.

Die internationale Staatengemeinschaft mag nach außen geschlossen wirken, wenn es um Libyen geht. Doch in Wirklichkeit gibt es viel zu viele äußere Kräfte, die ihre Interessen in Libyen durchsetzen wollen. Kräfte im Nahen Osten und in Nordafrika, aber auch in Europa.

Libyen: Vormarsch gegen Regierung in Tripolis
Björn Blaschke, ARD Kairo
07.04.2019 17:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. April 2019 um 17:09 Uhr.

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