Libyen | Bildquelle: dpa

Libyen-Konflikt Brüchige Waffenruhe

Stand: 12.01.2020 16:53 Uhr

Der libysche General Haftar hat zugesagt, sich an die von Russland und der Türkei vorgeschlagene Waffenruhe zu halten. Doch nun werfen sich Regierung und Milizenführer gegenseitig vor, die Vereinbarung zu missachten.

Seit kurz nach Mitternacht sollen die Waffen in Libyen schweigen. Nach Angaben der Konfliktparteien ist die Waffenruhe jedoch bereits mehrfach gebrochen worden. Milizenführer Chalifa Haftar und die international anerkannte Regierung in Tripolis werfen sich gegenseitig vor, sich nicht an die Vereinbarung zu halten.

Haftars Kämpfer hatten zugesagt, sich an die von der Türkei und Russland vorgeschlagene Waffenruhe halten. Ein Sprecher der "Libyschen Nationalarmee" (LNA) warnte die von den Vereinten Nationen unterstützten Regierungstruppen zugleich vor einer "harschen Antwort", sollten sie die Waffenruhe verletzen. In einer Erklärung der Regierung in Tripolis hieß es, bei weiteren Verstößen gegen die Vereinbarung werde mit großer Härte zurückgeschlagen.

Noch am Freitag hatte Haftar erklärt, die Offensive fortsetzen zu wollen und dies damit begründet, ein ziviler Staat könne nur errichtet werden, wenn die "terroristischen Gruppen" völlig zerstört würden.

Der libysche General  Chalifa Haftar (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS
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Die Truppen um General Haftar sind in die seit April tobenden Kämpfe verwickelt.

Appell von Erdogan und Putin

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, hatten die Waffenruhe angemahnt. Moskau unterstützt in dem Konflikt Haftar, Ankara die Regierung in Tripolis. Die Türkei hatte trotz internationaler Kritik beschlossen, eigene Truppen in das nordafrikanische Land zu schicken.

Konferenz in Berlin geplant

Die Vereinten Nationen begrüßten die Waffenruhe und riefen die Konfliktparteien auf, an dieser festzuhalten. In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. Im Laufe der Jahre nahmen dabei immer mehr ausländische Mächte Einfluss in dem an Rohstoffen reichen Land: Neben der Türkei stehen Katar und Italien auf der Seite der internationalen Regierung in Tripolis. Zu Haftar halten neben Russland auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Frankreich.

Deutschland bemüht sich seit Monaten um eine politische Lösung für den Konflikt. Mit einer internationalen Konferenz in Berlin wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Putin eine Friedenslösung erreichen. Russland werde die deutsche Initiative unterstützen, hatte der Kremlchef beim Treffen mit Merkel im Kreml in Moskau gesagt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2020 um 12:00 Uhr.

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