Der neue Regierungschef des Libanon, Mustafa Adib | AP

Neuer Premier im Libanon Von Berlin nach Beirut

Stand: 31.08.2020 14:09 Uhr

Nach der Explosion in Beirut haben sich die politischen Blöcke im Libanon auf einen neuen Premier geeinigt. Mustafa Adib, der bisherige Botschafter des Libanon in Berlin, soll eine neue Regierung bilden.

Libanons Botschafter in Deutschland soll neuer Ministerpräsident in Beirut werden. Darauf einigten sich die wichtigsten politischen Blöcke des Landes. Staatschef Michel Aoun habe den 48-jährigen Mustafa Adib mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt, teilte ein Sprecher des Präsidentenpalastes mit. Adib erklärte, er wolle sobald wie möglich eine neue Regierung bilden.

Der Diplomat gilt als Konsenskandidat. Führende sunnitische, schiitische, christliche und drusische Politiker hatten im Vorfeld ihre Unterstützung für den studierten Juristen und Politikwissenschaftler erklärt. Auch die einflussreiche Hisbollah kündigte bereits am Sonntag ihre Unterstützung für Adib an.

Korruption und Misswirtschaft

Für den Libanon ist es der zweite Regierungswechsel innerhalb eines Jahres. Der bisherige Ministerpräsident Hassan Diab, der das Amt selbst erst im Frühjahr übernommen hatte, war nach der Explosion in Beirut Anfang des Monats zurückgetreten. Sein Vorgänger Saad al-Hariri hatte im vergangenen Oktober nach Massenprotesten seinen Rücktritt erklärt.

Das Land am Mittelmeer leidet seit Monaten unter einer schweren Wirtschaftskrise, die viele Libanesen in die Armut getrieben hat. Die Corona-Pandemie und die schweren Explosionen haben die Lage weiter verschärft. Bei zahlreichen Massenprotesten fordern Demonstranten grundlegende politische Reformen. Sie werfen der politischen Elite des Landes unter anderem Korruption und Selbstbereicherung vor. Ebenfalls in der Kritik: Das ethnisch-religiös dominierte politische System.

Die höchsten Staatsämter werden im Libanon nach einem jahrzehntealten Proporzsystem unter den größten Konfessionen verteilt. Der Präsident muss immer Christ, der Premier Sunnit und der Parlamentschef Schiit sein. Die Demonstranten sehen darin eine der Ursachen für die grassierende Korruption und Misswirtschaft im Land.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. August 2020 um 14:00 Uhr.