Flaggenappell in einer Schule in Kuba | Bildquelle: REUTERS

Präsidentenwahl in Kuba Das Ende der Castro-Ära

Stand: 18.04.2018 10:49 Uhr

In Kuba bricht eine neue Ära an: Die Nationalversammlung wählt einen neuen Staatsratsvorsitzenden und zugleich Präsidenten. Dabei trübt die neue Eiszeit im US-Verhältnis die Stimmung.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-City

Die Chance für den großen Abschied auf internationaler Bühne hat Raúl Castro vorbeiziehen lassen: Er fehlt auf dem Gruppenfoto der Staatschefs beim Amerika-Gipfel am vergangenen Wochenende. Der 86-jährige scheidende Staatschef des kommunistisch regierten Kuba schickte nur seinen Außenminister nach Lima.

Raul Castro mit Barack Obama
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Beim Amerika-Gipfel 2015 kam es zum historischen Handschlag zwischen Raúl Castro und Barack Obama.

US-Präsident Donald Trump blieb dem Treffen ebenfalls fern, deshalb konnte aus einem Händedruck beider Präsidenten nichts werden - so wie beim letzten Amerika-Gipfel 2015, als Castro und der damalige US-Präsident Barack Obama die Wiederaufnahme der Beziehungen nach jahrzehntelanger Eiszeit per historischem Händedruck besiegelten.

"Wir dürfen uns aber keine Illusionen machen. Uns trennt viel, und die Geschichte unserer beiden Länder war schwierig. Aber wir sind bereit, die Freundschaft zwischen unseren Völkern zu entwickeln. Wir sind bereit, über alles zu sprechen - mit Geduld", so Castro damals.

Auf Fidel folgte Raúl

Die Kubaner staunten über das Tempo, das ihr Staats- und Parteichef an den Tag legte: Schon im Sommer 2015 wehte am US-Botschaftsgebäude an der Uferpromenade von Havanna wieder die US-Flagge im Karibikwind. Wenige Monate darauf fuhr das Papamobil über die Insel, Papst Franziskus und Obama gaben sich die Klinke in die Hand. Den Soundtrack lieferten die Rolling Stones: "Satisfaction" live und umsonst in Havanna.

Raúl Castro vor der kubanischen Flagge | Bildquelle: REUTERS
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Als sich Fidel Castro krankheitsbedingt zurückzog, übergab er seine Ämter an seinen Bruder Raúl.

Dem Stimmungshoch aber folgte die Trauer: Im November 2016 starb Revolutionsführer Fidel Castro und ließ seinen Bruder Raúl allein mit der Macht. Im Staatsfernsehen verlas Raúl mit zitternder Stimme die Erklärung zum Tod seines geliebten Bruders. Fidel hatte sich schon 2006 krankheitsbedingt zurückgezogen, seine Posten als Präsident und Chef der kommunistischen Partei später an Raúl abgegeben.

Stimmung durch US-Beziehungen getrübt

Vorsichtig versuchte dieser, das erstarrte Wirtschaftssystem zu reformieren: Er erlaubte mehr selbstständige Arbeit, entließ Staatsbedienstete und förderte den Tourismus. Schließlich regierte er einen Staat, der seit dem Zusammenbruch des Ostblocks wirtschaftlich am Abgrund stand. Sozialistische Planwirtschaft und das US-Embargo hatten ihr Übriges getan.

Bitter für Raúl: Der Annäherungspolitik zwischen Kuba und den USA erteilte Trump eine Absage und nahm Castro damit das Schmuckstück seiner Regierungsbilanz. Schon vor fünf Jahren hatte Castro angekündigt, dass er 2018 abdanken werde. Wieder ein historischer Moment: Nach 60 Jahren wird kein Castro mehr regieren und auch niemand mehr, der die Revolution mitgemacht hat.

Jünger, aber nicht wirklich jung

Der Historiker Enrique López Oliva sieht große Veränderungen auf Kuba: "Der Generationenwechsel findet schon länger statt. Ein neues Zeitalter ist angebrochen, die wichtigsten Posten im Verwaltungsapparat sind bereits mit jungen Leuten besetzt, ebenso in der Partei und den Streitkräften." Die alten Generäle seien pensioniert und die neue Generation habe eine andere Mentalität. "Ich denke, früher oder später werden auch wir ein pluralistisches System haben. Es gibt allerdings immer noch Leute, die Angst davor haben."

Raúl Castro (r.) spricht mit den kubanischen Vize-Präsidenten, Miguel Diaz Canel. | Bildquelle: AFP
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Als Castros Nachfolger wird sein bisheriger Nachfolger, Migel Díaz Canel, gehandelt.

Diese neue Generation, die auch nicht mehr jung ist, kennt nichts anderes als die Revolution und das Leben im Einparteienstaat. Der wahrscheinliche neue Präsident, Raúls Vize Miguel Díaz Canel, wird in dieser Woche 58. Seine Entscheidungen wird der linientreue Funktionär nicht allein treffen, da Raúl Castro noch drei Jahre Chef der kommunistischen Partei bleiben will. Und die hat laut Parole immer Recht.

Kuba ohne Castro
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
18.04.2018 09:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. April 2018 um 09:50 Uhr und 11:38 Uhr.

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