Ein Kind aus Afghanistan hält in einem Flüchtlingslager Essen in die Kamera. | Bildquelle: HEDAYATULLAH AMID/EPA-EFE/REX

Studie von Save the Children Jedes sechste Kind lebt in Krisenregion

Stand: 13.02.2020 01:09 Uhr

415 Millionen Kinder weltweit leben in Konflikt- und Krisengebieten. Jungen und Mädchen waren der Organisation Save the Children zufolge von unterschiedlichen Kinderrechtsverletzungen betroffen.

Jedes sechste Kind weltweit wächst in einer Konfliktzone auf: Das belegt eine Studie der Kinderrechtsorganisation Save the Children, die von 415 Millionen betroffenen Kindern im Jahr 2018 berichtet. Wie aus dem Bericht "Krieg gegen Kinder" hervorgeht, hat sich die Anzahl der Jungen und Mädchen, die in Konflikt- und Krisengebieten leben, seit 1995 mehr als verdoppelt. Die Weltbevölkerung wuchs in diesem Zeitraum um rund 35 Prozent. Seit 2010 ist die Zahl der betroffenen Kinder um 37 Prozent gestiegen.

Im Jahr 2017 war die Situation noch schlimmer als im aktuellen Bericht: Damals lebte jedes fünfte Kind - also 420 Millionen - in einer Krisenregion.

Kinder in Konfliktgebieten Liste
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Kinder in Konfliktgebieten Liste

Fokus auf Geschlechterrollen

Der aktuelle Bericht von Save the Children legt den Fokus auf die Geschlechterrollen und untersucht, wie sich Kinderrechtsverletzungen auf Mädchen und Jungen unterschiedlich auswirken. So seien Jungen insgesamt stärker durch Streitkräfte oder bewaffnete Gruppen rekrutiert worden. Zudem werden sie den Auswertungen zufolge häufiger entführt. Von den 2500 Kindern, die bewaffnete Gruppen im Jahr 2018 entführt haben, seien 80 Prozent Jungen gewesen.

Mädchen hingegen wurden der Kinderrechtsorganisation zufolge viel häufiger vergewaltigt, zur Kinderheirat gezwungen oder waren anderen Formen sexuellen Missbrauchs ausgesetzt. Bei mindestens 87 Prozent der bestätigten Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder seien Mädchen betroffen gewesen, heißt es in dem Bericht.

Verstümmelungen in Afghanistan

Die Organisation stuft Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Irak, den Jemen, Mali, Nigeria, Somalia, den Südsudan, Syrien und die Zentralafrikanische Republik als die zehn für Kinder gefährlichsten Länder ein. Auf dem afrikanischen Kontinent sei die absolute Zahl der betroffenen Kinder mit 170 Millionen am höchsten - demnach lebte jedes vierte Kind dort in einem Konfliktgebiet.

Besonders gefährlich für Kinder sei Syrien gewesen. In Afghanistan habe es die meisten Kinder gegeben, die getötet oder verstümmelt wurden. In Somalia findet sich laut Save the Children die höchste Zahl an Kindern, denen sexuelle Gewalt angetan wurde.

Kinder in Konfliktgebieten
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Die zehn gefährlichsten Länder für Kinder

Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser

Save the Children veröffentlichte den Bericht anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz, die morgen beginnt. Die Organisation kritisierte, Kindern werde humanitäre Hilfe "systematisch verweigert". Die Welt schaue zu, wie extreme Gewalt gegen Kinder kontinuierlich zunehme. Im Jahr 2018 habe es laut Save the Children in 18 Ländern fast 1900 bestätigte Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sowie Besetzungen für militärische Zwecke gegeben - das sei ein Anstieg von 32 Prozent im Vergleich zu 2017, so der Bericht. Mehr als 12.000 Kinder wurden 2018 durch konfliktbedingte Gewalt getötet oder verletzt, so die Organisation.

"Die sinnlose Zerstörung des Lebens von Kindern wird weitergehen, wenn nicht alle Regierungen und Kriegsparteien jetzt handeln, um internationale Normen und Standards zu wahren und die Täter zur Verantwortung für ihre Verbrechen zu ziehen", sagte die Geschäftsführerin von Save the Children, Susanna Krüger. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz müssten Regierende zusammenarbeiten, damit sich dich Lage der Kinder weltweit verbessere.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Februar 2020 um 04:51 Uhr.

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