Menschen im Kongo halten sich an den Händen.

Weltspiegel-Reportage Unkraut jäten gegen die Politik

Stand: 09.12.2018 03:09 Uhr

Im Kongo wird in zwei Wochen ein neuer Präsident gewählt. Aktivisten und Musiker im Land protestieren kreativ gegen Korruption und Misswirtschaft.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Ein Tonstudio irgendwo in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo. Es ist winzig klein, hat Graffiti an den Wänden und es riecht nach Schweiß. Es ist kein schöner Ort. Aber Bob Elvis lässt sich von all dem nicht stören. In der zwei Quadratmeter großen Box rappt er immer wieder seinen Text - gegen die politische Klasse. "Ein großer Teil der Kinder unserer Eliten lebt in Europa. Ihre Frauen leben dort", sagt er. "Aber wir sind hier. Wenn du hier krank bist, zum Krankenhaus gehst und kein Geld hast, behandeln sie dich nicht."

Rappen gegen den Präsidenten

Bob Elvis hatte Anfang 2018 einen Song gegen den amtierenden Präsidenten Joseph Kabila geschrieben. "Dégage!" - "Zieh Leine!" heißt das Lied. Er forderte Kabila auf, endlich das Amt des Präsidenten aufzugeben. Denn Kabila hatte seine Amtszeit immer wieder verlängert - entgegen der kongolesischen Verfassung. Schon vor zwei Jahren hätte ein neuer Präsident gewählt werden müssen.

Nicht nur Elvis hatte protestiert, viele Bürger und Aktivisten im Kongo gingen immer wieder auf die Straße. Sie forderten den Präsidenten auf, endlich eine Wahl zu organisieren und dabei selbst nicht noch einmal anzutreten, da er die zwei Amtszeiten, die laut Verfassung möglich sind, bereits absolviert hatte. Im Sommer entschied Joseph Kabila dann: Am 23.12. wird gewählt und er tritt nicht mehr an. Ein großer Erfolg, findet Elvis.

Rap für eine andere Politik - Aktivisten und Musiker engagieren sich im Kongo
weltspiegel, 06.12.2018, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Was die Regierung nicht hören will

Doch der Kampf sei noch lange nicht vorbei, sagt er. "Wir leben in einem Land, in dem du nicht das Gegenteil von dem sagen darfst, was die Autoritäten denken", sagt er. "Was die Regierung sagt, ist das Evangelium. Aber wir sagen unsere Meinung, damit alle Bürger es verstehen können, und die Autoritäten erinnert werden: Wir sind alle Kongolesen. Wir haben die gleichen Rechte wie sie." Die Eliten des Landes kümmerten sich um ihren Reichtum und nicht um die Rechte der Bürger.

Protestieren kann gefährlich sein

Er traut sich im Moment nicht mehr auf die Straße. Im August war er für ein paar Tage entführt worden. Wer es war, ist unklar. Protestieren, das kann gefährlich sein im Kongo. Laut Human Rights Watch haben Sicherheitskräfte bei größtenteils friedlichen politischen Demonstrationen in den vergangenen drei Jahren fast 300 Menschen getötet. Und immer wieder werden Bürger festgenommen. Junge politische Aktivisten sitzen seit Monaten im Gefängnis.

Doch ihre Freunde machen weiter. An diesem Samstag in Kinshasa mit einer erstmal überraschenden Aktion. Die junge Bürgerrechtsbewegung "Lucha", übersetzt "Kampf für Veränderung" jätet Unkraut am Straßenrand. Aber warum? "Wir zeigen so dem Staat, dass wir da sind", sagt Eunice Etaka. "Der Staat macht seine Arbeit nicht und wir wollen, dass die Leute das auch sehen. Seht her! Die Autoritäten müssen die Stadt säubern, aber sie machen es nicht."

Bürgerrechtsbewegung "Lucha" im Kongo
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Auch eine Form des Protests: Die Bürgerrechtsbewegung "Lucha" jätet Unkraut am Straßenrand, denn "der Staat macht seine Arbeit nicht".

Immer wieder Repressionen

Es klingt erstmal harmlos, aber das ist es nicht. Die Aktivisten setzen sich für die Umwelt und für die Rechte der Bürger im Kongo ein. Bei Demonstrationen oder Aktionen werden sie auch festgenommen und geschlagen. "Einmal hat eine Polizistin mir richtig mit ihrem Knüppel auf den Rücken geschlagen. Das hat mich so aufgeregt", sagt Etaka. "Ich hab sie gefragt: Warum machst Du das? Das tut zu weh mit deinem Knüppel. Aber sie hat darauf bestanden zwei, drei, vier Mal zuzuschlagen. Es ging mir sehr schlecht."

Bei der Wahl im Dezember tritt Kabila selbst zwar nicht mehr an, er hat aber einen Kandidaten benannt. Es ist Emmanuel Ramazani Shadary, der ehemalige Innenminister. "Diese Entscheidung zeigt, dass Kabila beabsichtigt, eine große Menge an Macht hinter den Kulissen zu behalten", sagt Richard Moncrieff von der International Crisis Group. "Als ehemaliger Präsident wird er Senator auf Lebenszeit werden und er führt weiterhin die größte politische Partei des Landes an, die Volkspartei für Wiederaufbau und Demokratie (PPRD)." Viele befürchten, deshalb werde sich im Kongo nichts verändern.

Kritiker bemängeln Ablauf der Wahlen

Die Stimmung im Land ist angespannt. Die Opposition, die katholische Kirche und auch viele Aktivisten ermahnen die Nationale unabhängige Wahlkommission (CENI) immer wieder, transparente und glaubwürdige Wahlen durchzuführen. In der Kritik steht der Einsatz von elektronischen Wahlmaschinen und ein Wählerregister, das zu viele Wähler enthalten soll.

Die Kommission und die Regierung haben internationale Hilfe bei der Durchführung der Wahlen abgelehnt. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Wahl am 23. Dezember stattfinden wird - trotz der Auseinandersetzungen um die Maschinen und das Register", sagt Moncrieff. "Und auch wenn es in vielen Regionen des Landes derzeit nicht sicher ist, wie in Tanganyika, den beiden Kivu-Provinzen im Osten des Landes oder in der Kasai-Region."

Eunice Etaka
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Eunice Etaka verteilt Handzettel im "Kampf für Veränderung". Übersetzt heißt so ihre Bürgerrechtsbewegung "Lucha".

Reiches Land, arme Menschen

Der Kongo ist reich an Rohstoffen. Aufgrund von Korruption und Misswirtschaft ist die Bevölkerung aber trotzdem arm. Rund viereinhalb Millionen Menschen sind vor Kriegen und bewaffneten Konflikten innerhalb des Landes auf der Flucht. Die Sicherheit im Land sei eines der wichtigsten Themen nach der Wahl. "Die meisten Bürger glauben nicht, dass Kinshasa oder ihre regionalen Regierungen in der Lage sind, ihre Sicherheit zu garantieren. Der neue Präsident muss diese Wahrnehmung verändern und gegen die Rebellengruppen vorgehen. Dazu gehört ein neuer Anlauf, Polizei und Armee zu reformieren, sagt Moncrieff.

Trotz all der Kritik an der Wahl hofft Rapper Elvis, dass möglichst viele Kongolesen am 23. Dezember ihre Stimme abgeben. "Das Ziel ist, zur Wahl zu gehen und jemanden auszusuchen. Und wir Bürger müssen denjenigen dann kontrollieren", sagt er. "Ich weiß nicht, ob es klappt, aber ich glaube daran, weil wir für Veränderung kämpfen." Es kann lang dauern, aber das sei es ihm wert, damit wenigstens die nächste Generation einmal in einem anderen Kongo leben werden.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 09. Dezember 2018 um 19:30 Uhr.

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