Rekrutierung von Soldaten in Hadrut in Aserbaidschan. Die Stadt ist von Armenien besetzt. | Bildquelle: AP

Konflikt um Bergkarabach Vermittlung nicht erwünscht

Stand: 01.10.2020 18:44 Uhr

Im Konflikt um Bergkarabach wächst der internationale Druck auf die verfeindeten Nachbarn Armenien und Aserbaidschan. Einen Aufruf der USA, Russlands und Frankreichs zur Waffenruhe wiesen Aserbaidschan und die Türkei zurück.

Es ist eine ungewöhnliche Einheit, die sich angesichts des eskalierenden Konflikts in Bergkarabach gebildet hat: Die Präsidenten Russlands, der USA und Frankreichs verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die militärische Gewalt in der Kaukasus-Region. Alle drei forderten von Armenien und Aserbaidschan die sofortige Einstellung der Kämpfe und die Einhaltung der Waffenruhe.

Unterzeichnet wurde der Appell von US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Staatsoberhaupt Emmanuel Macron und Kremlchef Wladimir Putin. Die drei Staatschefs forderten die beiden verfeindeten Nachbarn auf, diplomatische Verhandlungen unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufzunehmen. Für eine Waffenruhe dürften keine Vorbedingungen gestellt werden. Russland, Frankreich und die USA stehen der sogenannten OSZE-Minsk-Gruppe vor, die im Konflikt zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken vermittelt. Auch Armenien und Aserbaidschan gehören der OSZE an.

Türkei lehnt Vermittlung ab

Aus der Türkei, die Aserbaidschan als Verbündeten unterstützt, kam umgehend Kritik. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Bemühungen als "nicht akzeptabel". Armenien sei ein "Banditenstaat", der sich aus Bergkarabach zurückziehen müsse. Das sei Voraussetzung für einen bleibenden Frieden. Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev hatte zuvor bereits erklärt, die Militäraktion bis zu einem Rückzug Armeniens fortzusetzen. Erst dann werde es eine Waffenruhe geben. Aufrufe zum Dialog seien sinnlos.

Seit Jahrzehnten immer wieder Kämpfe

Den Konflikt zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken gibt es bereits seit Jahrzehnten. Bergkarabach, wo rund 145.000 Menschen leben, wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eigentlich eine Waffenruhe. Die Türkei steht auf der Seite Aserbaidschans. Armenien sieht Russland als Schutzmacht.

Bei den am Wochenende neu aufgeflammten Gefechten wurden bislang mehr als 120 Menschen auf armenischer Seite getötet - in der Mehrzahl Soldaten. Bei einem Angriff auf die Stadt Martuni in Bergkarabach soll es vier Tote gegeben haben. Nach Angaben aus Aserbaidschan starben 19 Zivilisten, 55 wurden verletzt. Angaben zu getöteten Soldaten gab es von dort nicht. Zudem wurden in Martuni zwei französische Journalisten der Zeitung "Le Monde" bei einem Beschuss verletzt. Frankreich will die beiden nun mit einem Flugzeug mit medizinischer Ausstattung nach Hause holen.

Berichte über aus dem Ausland eingeschleuste Söldner

Kremlchef Putin alarmierte angesichts der Gefahr ausländischer Söldner in Bergkarabach seinen Sicherheitsrat. Zuvor hatte das russische Außenministerium auf bewaffnete Kämpfer aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen hingewiesen und deren sofortigen Abzug gefordert. Nach französischen Informationen sind Dschihadisten aus Syrien über die Türkei nach Bergkarabach gelangt. Das sei "eine sehr ernste Sache", sagte Staatschef Macron.

Armenien sprach von 4000 militanten Islamisten, die die Türkei aus dem Norden Syriens in den Südkaukasus gebracht habe. Aserbaidschan wiederum behauptete, es seien ethnische Armenier aus Syrien und anderen Staaten des Nahen Ostens im Einsatz bei den Kämpfen. Beweise für die gegenseitigen Vorwürfe gibt es bislang nicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Oktober 2020 um 21:00 Uhr.

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