Gemeinschaft Kommune | Bildquelle: ARD-Studio Washington

Älteste Kommune der USA "Eine bessere Welt im Kleinformat"

Stand: 01.10.2018 06:53 Uhr

Seit 51 Jahren schaffen sich rund hundert Gleichgesinnte in der Kommune "Twin Oaks" in den USA eine bessere Welt. Doch das Kommunendasein verlangt Verzicht und hat wenig mit Tagträumerei zu tun.

Von Verena Bünten, ARD-Studio Washington

Vom Frühjahr bis in den Herbst geht Adder barfüßig durch sein Paradies. Es ist das weitläufige Areal einer früheren Tabakfarm mit 120 Hektar Land. Adder läuft auf gewundenen Pfaden an selbst gebauten Holzhäusern, der Kindergruppe, dem Kuhstall, den Gemüsefeldern und der Tofu-Fabrik vorbei.

"Twin Oaks" heißt die Gemeinschaft, für die Adder sein früheres Leben zurückgelassen hat. Seit acht Jahren ist der studierte Mathematiker ein "Twin Oaker" und hat hier eine Familie gegründet: "Wir bauen eine bessere Welt im Kleinformat", sagt er. "Und weil die so ein schöner Ort zum Leben ist, bleiben wir alle hier hängen."

MOMA-Reporter: 50 Jahre Hippiebewegung
morgenmagazin, 01.10.2018, Verena Bünten, ARD Washington

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Gegenentwurf zur Außenwelt

Wie eine verzweigte Großfamilie leben 96 Erwachsene und 15 Kinder in "Twin Oaks" zusammen - in acht Gemeinschaftshäusern. Größer soll die Kommune nicht werden, es gibt eine Warteliste für Nachrücker. Wer hier einzieht, der muss persönlichen Besitz zurücklassen. Oberstes Prinzip ist: Alle sind gleich - wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, in manchmal langwierigen mündlichen und schriftlichen Diskussionen.

Es ist ein Gegenentwurf zur Außenwelt: Während in Trumps Amerika die Spaltung in politische Lager voranschreitet, rücken sie in der Kommune eng zusammen. "Viele, die gerade jetzt zu uns kommen, sagen, dass sie eine Alternative suchen", erzählt Gemeinschaftsmitglied Valerie. "Wir haben, was sie wollen: ein Leben, in dem es um Werte geht."

Lernen von den Älteren

"Wir haben es besser als andere, viel Platz zum Spielen", sagt der zwölfjährige Zadig. Er geht nachmittags mit sieben anderen Schulkindern bei Lehrer Adder in die Gemeinschaftsschule. "Was es braucht, um ein guter Kommunarde zu werden, lernt er von seinen Eltern und uns allen. Ich kümmere mich um den Schulstoff, falls er die Kommune später einmal verlassen will", sagt Adder.

Die neunjährige Anya geht lieber auf eine reguläre US-Grundschule: "Ich will mehr Freunde", sagt sie und wundert sich, dass sich die Mädchen draußen mehr um ihr Aussehen sorgen.

Zwergenschule | Bildquelle: ARD-Studio Washington
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Anya, Zadig und Sam in den Räumen der Zwergschule.

Adder | Bildquelle: ARD-Studio Washington
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Lehrer Adder glaubt an ein erfülltes Leben durch radikales Teilen.

42 Stunden Gemeinschaftsarbeit pro Woche

Gegründet wurde die Gemeinschaft vor 51 Jahren. Andere Hippie-Kommunen sind schon längst nicht mehr da, "Twin Oaks" aber hat überdauert. Das Geheimnis: "Es ist unser System, die Arbeit gerecht zu verteilen", sagt Sabine aus Deutschland, die seit zwölf Jahren hier lebt. "Viele Hippie-Kommunen der 1960er-Jahre sind daran gescheitert, dass zu viele Leute gekommen sind, um abzuhängen und zu kiffen."

Hippies wollen sie in "Twin Oaks" nicht heißen, das klingt nach Klischee und nach Party. Die Kommune setzt auf Arbeit: Sabine knüpft draußen im Garten stabile Hängematten - eine der vielen Einnahmequellen der Gemeinschaft. 42 Stunden pro Woche muss jeder Kommunarde hier arbeiten - in der Tofu-Produktion, der Gemeinschaftsküche oder der Kinderbetreuung. Als Gegenleistung gibt es Essen, Wohnen, Kleidung und Gesundheitsversorgung. Und 100 Dollar Taschengeld im Monat.

Utopia als Dorf

Pro Person erwirtschaftet die Kommune ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 7000 Dollar. Im Amerika außerhalb der Kommune wären sie damit obdachlos. Doch in "Twin Oaks" gibt es dafür ländlichen Luxus mit selbst angebautem Bio-Essen, Car-Sharing und Schwimmteich.

Keenan | Bildquelle: ARD-Studio Washington
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Keenan lebt seit 35 Jahren in "Twin Oaks" - und will hier sterben.

Sabine aus Köln | Bildquelle: ARD-Studio Washington
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Sabine aus Köln ist seit zwölf Jahren da. Sie knüpft Hängematten.

"Es ist wichtig, die Rechnungen bezahlen zu können“, sagt Gemeinschaftsmitglied Keenan, der im früheren Leben Wirtschaft studiert hat. "Wir leben gerne hier draußen zusammen im Wald, aber wir treffen auch harte Entscheidungen, um unser Einkommen und Überleben als Kommune zu sichern." Keenan ist nach 35 Jahren in der Gemeinschaft einer der Dorfältesten. Seine beiden Kinder sind in "Twin Oaks" geboren und er hat auch vor, hier zu sterben. Es gibt Hospizräume und das Versprechen, das niemand alleine sterben muss. Auf dem gemeinschaftseigenen Friedhof hat sich Keenan schon seinen Platz unter einem Baum ausgesucht.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 01. Oktober 2018 um 06:43 Uhr.

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