Dampf und Rauch steigt aus dem RWE-Braunkohle Kraftwerk Neurath II. | Bildquelle: dpa

Klimaschutzindex 2019 Deutscher Klimaschutz nur Mittelmaß

Stand: 10.12.2018 10:30 Uhr

Der Klimaschutzindex misst Fortschritte der Staaten bei der Umsetzung des Pariser Abkommens. Deutschland rutschte diesmal weiter ab. Das liegt unter anderem an der Braunkohle.

Von Lorenz Beckhardt, WDR

"Es mangelt nicht an Bekenntnissen zum Pariser Klimaabkommen, sondern am politischem Willen zur Umsetzung", sagt Jan Burck, einer der Autoren des Klimaschutzindex 2019. Der heute auf der Klimakonferenz in Kattowitz vorgestellte Bericht bewertet den Klimaschutz von 56 Staaten, die zusammen für 90 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich sind. Er ist ein Maß dafür, wie weit die Länder bei der Erfüllung ihrer nationalen Verpflichtungen zum Pariser Klimaabkommen vorangekommen sind.

Deutschland rutscht ab

Deutschland hat im Vergleich zum Vorjahr fünf Plätze verloren und liegt nun auf Rang 27. Für das einstige Klima-Musterland ist das ein ernüchterndes Ergebnis. Als Hauptgrund nennen die Autoren die seit Jahren kaum noch sinkenden CO2-Emissionen, die zuletzt sogar wieder angestiegen sind. Zudem sei die Bundesrepublik "einer der größten Verbraucher von Braunkohle", wohingegen sich die Investitionen in erneuerbare Energieträger verringert hätten. Schließlich drohe Deutschland, "den Anschluss an Zukunftsmärkte zu verlieren", weil es an einer Strategie für einen "CO2-freien Verkehrssektor" mangele.

Der Bericht zeigt auch Wege auf, wie Deutschland das Pariser Abkommen erfüllen könnte. Die Energiewende müsse vorangetrieben werden durch den Umbau der Stromnetze und den Aufbau von Energiespeichern. Die erneuerbaren Energien sollten zügig ausgebaut werden und der Kohleaustieg müsse sozialverträglich bis spätestens 2030 vollzogen sein. Zudem brauche Deutschland einen Umstieg auf Elektromobilität mit Strom aus erneuerbaren Energien - gepaart mit einem wirksamen CO2-Preis auf die private Nutzung der Erdatmosphäre. "Deutschland braucht einen Mix von Instrumenten - aber ohne einen Preis für den CO2-Ausstoß in allen Sektoren" werde es nicht gehen, meint Burck.

Ein Windrad steht auf einem von Nebel überzogenen Feld. | Bildquelle: dpa
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Die erneuerbaren Energien, wie Windenergie sollten zügig ausgebaut werden, fordern die Autoren der Studie.

Kein Land liegt auf Kurs

Die ersten drei Plätze des Klimaschutzindex bleiben wie in den Vorjahren unbesetzt, weil derzeit kein Land die Bedingungen des Pariser Abkommens erfüllt. Auf Platz 4 liegt Schweden wegen seiner Aufforstungen, mit denen der Atmosphäre CO2 entzogen wurde, wegen der stark sinkenden Treibhausgasemissionen und eines hohen Anteils an erneuerbaren Energien.

Dahinter folgt Marokko mit einem schnellen Wachstum bei den Erneuerbaren, niedrigen Emissionen und ambitionierten Klimazielen. Unter den mit "gut" bewerteten Akteuren rangiert auch die EU. Die Autoren loben die europäische Klimapolitik und hoffen, dass Europa noch mehr als bisher die internationale Gemeinschaft beim Klimaschutz antreiben werde.

Die USA weit abgeschlagen

Acht Staaten aus den G20 befinden sich unter den als "sehr schlecht" bewerteten, darunter die USA und Saudi-Arabien auf den letzten beiden Plätzen. Die USA sind um drei Plätze zurückgefallen, weil sie unter Präsident Donald Trump als einziges Land der Welt das Pariser Abkommen verlassen haben, während ihre Emissionen und der Energieverbrauch steigen. Dass es auf der Ebene der US-Bundesstaaten und Städte große Anstrengungen im Klimaschutz gibt, erkennen die Autoren an, betonen aber, dass das noch nicht zu messbaren Ergebnissen geführt habe.

Wer hat was wie bewertet?

Der Klimaschutzindex wird seit 2005 jährlich während des jeweiligen UN-Klimagipfels veröffentlicht, herausgegeben von Germanwatch, dem New Climate Institute und dem Climate Action Network. Bewertet werden die Bereiche Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, erneuerbare Energieträger und Klimaschutz, jeweils nach aktuellem Zustand, Trend und dem Verhältnis zu den Vorgaben des Pariser Abkommens. Die nationale Klimapolitik wird von Experten aus dem jeweiligen Land bewertet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Dezember 2018 um 11:00 Uhr.

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