Ein Mann geht in Lianyungang über eine Straße, die von Smog eingehüllt ist | Bildquelle: AFP

Chinas neue Rolle Vom Klimakiller zum Klimaschützer?

Stand: 15.06.2018 13:20 Uhr

Obwohl China der weltweit größte Klimasünder ist, sieht das Land sich selbst als neue Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel. Bei Klimakonferenzen spielt China inzwischen eine konstruktive Rolle.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Ab Samstag findet in Berlin der Petersberger Klimadialog statt, eine Konferenz auf Ministerebene. China ist zuletzt bei den internationalen Klimaschutzverhandlungen immer wichtiger geworden, spielt eine konstruktive Rolle. Trotzdem stößt kein Land der Welt mehr CO2 aus. Dreckige Kohle ist in China immer noch der mit Abstand wichtigste Energieträger, China weiter der größte Klimasünder. Aber die Regierung in Peking treibt den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv voran, kein Land investiert mehr in Windenergie und Photovoltaik als China.

Wo steht China im Klimaschutz?

China sieht sich selbst gerne als neue Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel. Seit der Weltklimakonferenz 2015 in Paris tritt das Land tatsächlich nicht mehr als Klimaschutz-Verhinderer auf, schon damals trug China das Abkommen mit. In Bonn 2017 spielte China dann eine deutlich konstruktivere Rolle als in den Konferenzen zuvor - auch wenn die Rhetorik von Staats- und Parteichef Xi Jinping immer noch besser funktioniert als die tatsächliche Praxis im Kampf gegen die Erderwärmung.

Shanghai im Smog | Bildquelle: AFP
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Chinas Führung hat erkannt, dass Umweltprobleme die Entwicklung des Landes massiv bremsen.

"China hat bemerkenswerte Fortschritte auf dem Weg zu einer ökologischen Zivilisation gemacht" so Xi. "Wir sind führend in der internationalen Kooperation beim Klimaschutz. Wir tragen als wichtige Nation viel dazu bei, eine globale, ökologische Gemeinschaft zu schaffen."

Weltweit wird immer noch rund die Hälfte aller Kohle in China verbrannt. Aber der absolute Kohleverbrauch ist in den vergangenen vier Jahren gesunken. Die Ziele sind klar formuliert: Der Anteil nicht fossiler Energie soll von heute rund 13 Prozent auf rund 20 Prozent im Jahr 2030 ansteigen - auch, weil China im eigenen Land die negativen Folgen des Klimawandels zu spüren bekommt, sagt Li Shuo, Klimaschutzexperte von Greenpeace Ostasien in Peking.

"Der Klimawandel ist spürbar"

"Es gibt schmelzende Eisberge und Gletscher im Westen Chinas", so Li. "Wenn die Wasservorräte dort zurückgehen, hat das Auswirkungen auf die ganze Wasserversorgung und Wassersicherheit in China. Im Osten Chinas, in der hoch entwickelten Industrieregion, haben wir Probleme mit Extrem-Wetter Phänomenen. Taifune, Trockenheit oder besonders in Südchina auch Hochwasser. Der Klimawandel ist spürbar. Und das war ein Hauptgrund für China, sich im Kampf gegen den Klimawandel mehr zu engagieren."

Es gibt zahlreiche schmutzige und veraltete Industriebetriebe in China, die zuletzt geschlossen wurden. Kohlekraftwerke oder auch Schwerindustrie. Der Druck der chinesischen Regierung auf die Industrie ist groß, bessere Effizienztechnologie und moderne Filteranlagen einzusetzen. Die Provinzen ziehen jedoch längst nicht immer so mit, wie Peking das gerne hätte.

Blick auf die Pingjing Solaranlage in der Provinz Guizhou. Dahinter ist die Dahaizi Windkraftanlage zu sehen. | Bildquelle: picture alliance / XinHua/dpa
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China investiert wie kaum ein anderes Land in erneuerbare Energien. Als größter Klimasünder müsste das Land aber noch mehr tun.

Zu wenig und zu langsam

China investiert aber wie kaum ein anderes Land in erneuerbare Energien, sagt Greenpeace-Experte Li. "China ist der größte Investor, Hersteller und Entwickler im Bereich erneuerbare Energien", erklärt Li. "Besonders in der Solar- und Windenergie. Die jährlichen Solar-Installationen in China sind größer als im Rest der Welt zusammen."

Anfang des Jahres kündigte die Führung in Peking an, bis 2020 rund 310 Milliarden Euro für erneuerbare Energien auszugeben. Aber es gibt auch Probleme: Windanlagen werden oft nicht ans Netz angeschlossen, weil der Netzausbau nicht hinterher kommt.

Der absolute Ausstoß von schädlichen Klimagasen soll in China erst ab 2030 sinken. China war damit zwar das erste Schwellenland, das sich dazu bekannt hat, zu einem bestimmten Zeitpunkt den absoluten Ausstoß herunterzufahren. Trotzdem sagen Kritiker: zu wenig und zu langsam. Gerade China als größter Klimasünder müsse noch mehr tun.

Lieber Paulus als Saulus: Klimaschutz in China
Axel Dorloff, ARD Peking
15.06.2018 11:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 15. Juni 2018 um 13:25 Uhr.

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