"Fridays for Future"-Proteste in Russland | Bildquelle: Katja Kusnezowa

Klimaprotest in Moskau In den Wald verbannt

Stand: 16.03.2019 10:39 Uhr

Die "Fridays for Future"-Bewegung hat erstmals in Moskau protestiert. Doch zu der Demo in einem abgelegenen Park kamen nur gut 40 Teilnehmer. Dabei hätte der Klimawandel gerade in Russland schwere Folgen.

Von Demian von Osten, ARD-Studio Moskau

Metalldetektoren stehen wie Tore am Eingang zum "Hyde Park", einem eingezäunten Versammlungsgelände im Sokolniki-Park, einer großen Park- und Freizeitanlage außerhalb des Moskauer Zentrums. Es ist kurz vor 19 Uhr, und noch lässt der Sicherheitsmann niemanden rein. Etwa 40 Schüler und Studenten sind bei minus 1 Grad durch den dunklen Park hierher marschiert. Ihre Plakate sind noch eingerollt, auspacken dürfen sie die erst, nachdem die Polizei mit dem Organisator gesprochen hat. Doch der kommt leicht verspätet.

Lisa Niginskaja | Bildquelle: Demian von Osten
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"Man muss etwas tun", sagt Lisa Niginskaja.

"Jene Demonstrationen, die man im Zentrum aus irgendwelchen Gründen nicht haben will, die erlaubt man nur hier in diesem Park, denn hier ist drumherum nichts und niemand sieht uns", sagt die 16-jährige Lisa Niginskaja etwas resigniert.

Polizisten überprüfen die Taschen der Teilnehmer am Eingang, dann dürfen die Schüler und Studenten auf den grell beleuchteten Platz.

Über Klimawandel lustig gemacht

Auf Lisas selbst gemaltem Plakat steht: "Wir hinterlassen Spuren in Form von Bergen von Müll" - eine Anspielung auf giftige Mülldeponien, die in Russland die Menschen vergangenes Jahr auf die Straße getrieben hatten. Sie will sich gegen den Klimawandel einsetzen. "Man muss etwas tun, die Regierungen verschiedener Staaten auf der ganzen Welt müssen sich zusammenschließen", ist Lisa überzeugt.

Der 22-jährige Juri Jerimjan ist eingetroffen, er hat die Demonstration angemeldet: "Die Russen sind nicht sehr daran gewöhnt, ihre Meinung öffentlich kundzutun", versucht er sich das geringe Interesse zu erklären. Zusammen mit anderen Umweltinteressierten einer Gewerkschaft hat er von der Aktion "Fridays for Future" erfahren und beschlossen, auch Russland müsse dabei sein. "Es gibt in Russland so viele Versuche, sich über das Thema Klimawandel lustig zu machen und es nicht wirklich ernst zu nehmen", findet Jerimjan.

Permafrostböden tauen

Dabei ist es nicht so, dass Russland nicht unter den Folgen des Klimawandels leiden würde. Permafrostböden im Norden des Landes sind schon jetzt nicht mehr ganzjährig gefroren. Untersuchungen des Alfred-Wegener-Instituts haben gezeigt, dass sich der Boden in Sibirien bereits um ein Grad erwärmt hat. Die Folge: Uraltes Pflanzenmaterial, das seit Millionen Jahren gefroren ist, könnte sich zersetzen und weitere klimaschädliche Gase freigeben.

Tundra bei Chersky in Sibirien | Bildquelle: AP
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Der Temperaturanstieg auch in der Tundra - wie hier bei Chersky- alarmiert die Forscher weltweit.

"Das Thema Klima gewinnt auch in Russland immer mehr an Bedeutung", erklärt Konstantin Famin, der Medienkoordinator von Greenpeace Russland. "Auch wenn eine weit verbreitete Meinung bei uns noch ist, dass dann bei uns Bananen gedeihen würden und in Moskau ein tropisches Klima herrsche." Doch tatsächlich bedeute der Klimawandel wenig Gutes für das Land. Das Klima werde rauer und es würde mehr Regen geben, sagt Famin. Veränderungen seien schon im vergangenen Moskauer Sommer zu spüren gewesen. Auch die frühen Waldbrände im Osten des riesigen Landes dieses Jahr werden dem Klimawandel zugerechnet.

Kaum Unterricht in Ökologie

Juri Jerimjan, Organisator | Bildquelle: Demian von Osten
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Russland müsse bei "Fridays for Future" dabei sein, sagt Organisator Jerimjan.

Die Gefahren, die beim Klimawandel in den russischen Permafrostgebieten lauern, sind Ljubow Samilowa durchaus bewusst. Die junge Studentin ist 19 und zum Studium aus St. Petersburg nach Moskau gezogen. "In der Schule haben wir aber keinen richtigen Unterricht in Ökologie", beklagt sie. Auch andere Schüler finden, dass ihnen in den russischen Schulen wenig zu Umweltthemen beigebracht wurde.

Organisator Juri Jerimjan bittet alle mit Plaketen, sich in einer Reihe aufzustellen. Auch wenn sie wenige sind - auf einem Foto wollen sie der Welt zeigen, dass auch in Russland die "Fridays for Future"-Bewegung angekommen sei. Sie planen schon die nächste Demonstration. Und dann - so hoffen sie - würden auch mehr Teilnehmer kommen.

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Über dieses Thema berichteten am 15. März 2019 die tagesschau um 20:00 Uhr und die tagesthemen um 21:45 Uhr.

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