Klimadoppel
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Klimadoppel 2080 - so heiß wird es in Ihrer Stadt

Stand: 14.11.2018 10:26 Uhr

Die Weltklimakonferenz berät über die Erderwärmung. Das Problem drängt: In Frankfurt könnte es 2080 so heiß werden wie in Malawi. Hier können Sie testen, wie heiß es an Ihrem Ort werden könnte.

Die weltweite Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen - darauf hatten sich die Staaten schon bei der Klimakonferenz 2015 in Paris festgelegt. Jetzt beraten Vertreter aus mehr als 190 Staaten bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz, wie das genau geschehen soll.

Doch selbst wenn die Begrenzung auf 1,8 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter gelingen sollte, rechnen Wissenschaftler mit spürbaren Folgen. Modellrechnungen zufolge könnte es beispielsweise in Hamburg in gut 60 Jahren dann so warm werden wie bislang in Mokhotlong, einem Ort in Lesotho im südlichen Afrika. Und in München entspräche die Tageshöchsttemperatur im wärmsten Monat dann der aktuellen im kirgisischen Karakol.

Und sollte das Zwei-Grad-Ziel nicht erreicht werden, sondern eine globale Erwärmung von etwa 4,2 Grad Celsius eintreten, wären die Auswirkungen dementsprechend gravierender. In München hätte man dann im Jahr 2080 beispielsweise an bestimmten Tagen Temperaturen wie jetzt in Curepipe auf Mauritius.

Finden Sie das Klimadoppel Ihres Ortes

Doch probieren Sie selbst aus, wie heiß es im Jahr 2080 bei Ihnen werden könnte - und finden Sie das Klimadoppel Ihres Ortes! Per Eingabe im Suchfeld oder über die Karte können Sie Ihre Stadt finden - und zwischen den beiden Szenarien - 1,8 Grad und 4,2 Grad - auswählen.

Dem Klimadoppel-Szenario liegen Daten des Weltklimarates IPCC zugrunde. Auf dieser Grundlage haben Forscher Prognosen künftiger Temperaturentwicklungen angestellt. Es handelt sich dabei natürlich um Rechenmodelle. Die konkreten Veränderungen in der Zukunft können davon abweichen.

Auf der Basis der Klimamodelle wurde für alle deutschen Städte und Gemeinden sowie viele weitere Städte auf der ganzen Welt jeweils ein Referenzort ermittelt: Dort ist die heutige Temperatur vergleichbar mit dem, was den Berechnungen zufolge hierzulande im Jahr 2080 Realität werden könnte.

Die genaue Berechnungsbasis ist jeweils der für den Zeitraum 2060 bis 2080 prognostizierte wärmste Monat an dem jeweiligen Ort mit den höchsten durchschnittlichen Tagestemperaturen. Umgekehrt wurde die gleiche Rechnung für den Zeitraum von 1960 bis 1990 durchgeführt.

Wie warm war es vor knapp 70 Jahren - und wie warm wird es in 80 Jahren? Auch wenn vom Zwei-Grad-Ziel die Rede ist: Nicht überall wird sich die Erde gleichmäßig erhitzen. Denn viele Faktoren beeinflussen das regionale Klima. Das zeigt auch der Blick auf die Daten seit 1950.

An einigen Orten wird sich die Erwärmung den Prognosen zufolge daher stärker auswirken - insbesondere in den Polarregionen. An anderen wird die Temperatur nicht ganz so massiv steigen.

Lassen Sie sich deshalb hier anzeigen, wieviel wärmer es an Ihrem Ort durchschnittlich wird. Dabei können Sie zwischen zwei Szenarien auswählen: der Begrenzung der Erderwärmung auf "deutlich unter zwei Grad", wie sie 2015 in Paris vereinbart wurde, oder einem globalen Anstieg von 4,2 Grad.

Ein Temperaturanstieg von zwei oder vier Grad Celsius klingt nach einer recht kleinen Änderung - hat aber immense Auswirkungen.

Was diese Änderung für die durchschnittliche Jahresmaximaltemperatur bedeutet, können Sie in der Karte ablesen. Suchen Sie sich hier die Jahresmaximaltemperatur Ihres Ortes heraus - und wählen Sie wieder zwischen den Szenarien einer globalen Erhitzung von knapp zwei oder mehr als vier Grad Celsius.

Die Karte beruht dabei auf täglichen Daten von NASA NEX - beobachtet seit 1950, berechnet seit 2006.

Ein weltweiter Temperaturanstieg wird sich den wissenschaftlichen Modellen zufolge auch darauf auswirken, wie oft und wie viel es regnen, schneien oder hageln wird.

Hier können Sie sich zeigen lassen, wie sich die Jahresniederschlagsmenge an Ihrem Ort schon seit 1950 verändert hat und noch verändern wird - je nachdem, ob sich die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen lässt oder gar rund vier Grad erreichen wird.

Auch der Niederschlagsmenge liegen Daten von NASA NEX zugrunde.

Wenn sich die Temperatur verändert und es insgesamt zu einer Erwärmung der Erde kommt, wirkt sich das auch im Alltag aus: So wird die Zahl der Heiztage in Europa den Berechnungen zufolge insgesamt abnehmen.

Wie hoch die Außentemperatur sein muss, damit ein Tag als Heiztag gilt, ist dabei schon jetzt durch eine Industrierichtlinie festgelegt: Eine Tagesdurchschnittstemperatur von 15 Grad Celsius gilt dabei als Grenze.

Sehen Sie hier, an wie vielen Tagen pro Jahr nach dieser Definition die Heizung zum Beispiel im Jahr 2100 noch laufen wird - und sehen Sie sich den Unterschied an zwischen dem Szenario einer Erderwärmung um 1,8 Grad und dem einer Erwärmung um 4,2 Grad.

Wenn die durchschnittliche Temperatur an einem Tag über 18,3 Grad Celsius liegt, gilt der Tag schon heute nach der offiziellen Industrierichtlinie als Kühltag - also als ein Tag, an dem es Grund gäbe, eine Klimaanlage einzuschalten.

In München war dies beispielsweise bislang nach den vorliegenden Zahlen an 47 Tagen pro Jahr so. Sollte die globale Temperatur nun um 4,2 Grad steigen, wäre das an immerhin 117 Tagen der Fall.

Testen Sie hier, wie sich die die verschiedenen Szenarien der Erderwärmung auf die Anzahl der Kühltage an Ihrem Ort auswirken würden.

Auch für Pflanzen und nicht zuletzt die Landwirtschaft rechnen Wissenschaftler mit Veränderungen, wenn die Temperatur auf der Erde steigen sollte. Bei einer Temperatur von unter fünf Grad Celsius stellen Pflanzen ihren Wuchs ein. Daher wird eine Tagesdurchschnittstemperatur von mindestens fünf Grad als Basis verwendet für die Definition sogenannter Vegetationstage.

Sehen Sie hier, wie sich die Zahl der Vegetationstage an einem Ort Ihrer Wahl bis zum Jahr 2100 verändern wird, wenn die globale Temperatur um knapp zwei Grad oder um rund vier Grad steigen sollte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. November 2018 um 18:40 Uhr.