Einheiten arbeiten an der Suche nach dem zweijährigen Julen, der in einen Brunnenschacht gestürzt sein soll.  | Bildquelle: dpa

Vermisster Julen Helfer nähern sich Brunnenschacht

Stand: 25.01.2019 17:10 Uhr

Rettungskräfte im spanischen Totalán suchen weiter nach Julen, einem zweijährigen Kind, das in einem 100 Meter tiefen Bohrloch stecken soll. Sie sind nur noch Zentimeter vom Unglücksschacht entfernt.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Polizeisprecher Jorge Martin formuliert am Mittag den Satz, der die Arbeiten an den Rettungsschächten mit all ihren Problemen auf den Punkt bringt: "Der Berg befiehlt uns, wie wir zu arbeiten haben, er gibt den Rhythmus für die Helfer vor."

Der Berg mit dem Bohrloch, in dem sich der zweijährige Julen befinden soll, besteht aus ganz unterschiedlichen Materialien. Als die Rettungsteams den vertikalen Rettungstunnel bohrten, hatten sie es zunächst mit vergleichsweise weichem Schieferstein zu tun.

Die Arbeiten gingen gut voran. Doch bald schon stießen die Teams auf Quarzkristalle, ihre Riesenbohrmaschine kam nicht mehr weiter. Der Bau des Tunnels dauerte nicht 15 Stunden wie geplant, sondern 55, erklärte der Sprecher: "Dieses extrem harte Material, auf das wir beim Vertikaltunnel trafen, haben wir nun auch beim Bau des Horizontaltunnels vorgefunden, der uns zu Julen führen soll."

Spezielle Bergretter sind in 70 Metern Tiefe im Einsatz: Sie gruben zunächst mit Schaufeln und Spitzhacken am Horizontaltunnel, der den vertikalen Rettungstunnel mit dem Schacht verbinden soll, in dem Julen vermutet wird.

Rettungsarbeiten in Málaga | Bildquelle: DANIEL PEREZ/EPA-EFE/REX
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Die vorgesehenen Rettungsröhren passen nicht in den neuen Schacht.

Gestein musste gesprengt werden

Doch bald war klar: Manuell geht es nicht weiter. Drei Sprengungen folgten, um das Gestein zu zerkleinern. Und damit auch drei Verzögerungen der Arbeiten: Denn es entstand Staub, der aus dem Schacht abgesaugt werden musste. Für jede Sprengung benötigten die Helfer rund zwei Stunden.

Das Team schließt es nicht aus, noch mehr Fels wegsprengen zu müssen - ein Polizeihubschrauber flog deshalb am Mittag nach Sevilla, um zusätzlichen Sprengstoff zu holen. Gehen die Arbeiten im Tempo wie bisher weiter, wäre der Verbindungsgang in der kommenden Nacht fertig.

Optimismus schwindet

"Wir sind weiterhin sehr optimistisch, den Ort zu finden, an dem sich Julen aufhält", sagte Polizeisprecher Martin. Auch die Eltern des Zweijährigen glauben weiterhin daran, dass das Kind lebend aus dem Schacht geholt werden kann. Ein Cousin des Vaters hat quasi die Rolle des Pressesprechers übernommen und sagte wartenden Journalisten: "Wir hoffen auf das größte Wunder, das es gibt. Dass der Junge da rauskommt."

Doch die Wahrscheinlichkeit dafür sinkt von Stunde zu Stunde. Während an den ersten Tagen nach dem Verschwinden von Julen noch Ärzte spanischen Medien sagten, Kleinkinder könnten in solchen Extremsituationen enorme Überlebenskräfte entwickeln, hört man solche Expertenmeinungen jetzt nicht mehr. Allen ist bewusst, dass ein zweijähriges Kind kaum zwölf Tage ohne Essen und Trinken in einem engen, dunklen Schacht überleben kann.

Bohrloch-Drama in Südspanien: Helfer nur noch Zentimeter vom Unglücksschacht entfernt
Oliver Neuroth, ARD Madrid
25.01.2019 16:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 25. Januar 2019 um 16:37 Uhr.

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