Donald Trump trifft Kim Jong Un an der Grenze von Nord- und Südkorea. | Bildquelle: REUTERS

Kritik an Treffen mit Kim "Wir brauchen nicht nur schöne Fotos"

Stand: 01.07.2019 13:02 Uhr

Das Treffen von US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim sorgt in Washington für Gesprächsstoff. Vor allem mehrere demokratische US-Präsidentschaftsbewerber kritisieren die Begegnung.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Es waren ein paar Schritte für Donald Trump, ein paar Schritte in die Geschichtsbücher. Denn nun ist er der erste amtierende US-Präsident, der in Nordkorea war. David Gergen hat als Berater schon die früheren US-Präsidenten Ronald Reagan und Bill Clinton an die Grenze zwischen Nord- und Südkorea begleitet. Er erkennt den historischen Schritt an. "Es war eine Überraschung, und aus politischer Sicht hat Trump ein paar Punkte gemacht", sagt Gergen.

"Auf Symbolhaftigkeit ausgelegt"

Doch der Berater schränkt bei CNN auch gleich die Tragweite dieser Schritte ein. "Es ist ganz offensichtlich alles auf die Symbolhaftigkeit ausgelegt. Die Kommunikationsleute im Weißen Haus sind womöglich ganz verzückt darüber, aber die nationalen Sicherheitsberater würgen gleichzeitig. Das alles verspricht sehr viel, aber wir haben nichts Greifbares. Und die CIA ist überzeugt, dass Nordkorea nicht denuklearisieren will."

US-Präsident Donald Trump trifft den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong. | Bildquelle: AP
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US-Präsident Trump nennt das Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim legendär und historisch. Von Parteikollegen bekommt er Rückendeckung.

Trump lobt die gute Beziehung, die er mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un habe. Das aktuelle Treffen nannte er legendär und historisch. Von seinem Parteikollegen, dem republikanischen Senator Lindsey Graham, bekommt der US-Präsident im Interview mit CBS Rückendeckung: "Es schadet nicht, es zu versuchen. Sie haben noch keine Bombe explodieren lassen. Das Ziel ist es, eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu erreichen, die überprüfbar ist. Und wenn Trump meint, dass er es so schafft, dann sollten wir es versuchen."

Julian Castro | Bildquelle: AP
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Der Demokrat Julián Castro kritisiert Trump für das Treffen.

Heftige Kritik an Trumps Handschlag

Aus den Reihen der demokratischen Präsidentschaftsbewerber gibt es hingegen kräftig Gegenwind für Trumps Handschlag und das kurzfristig anberaumte Treffen. Der Demokrat Julián Castro kritisierte im Fernsehsender ABC, dass Trump ganz dünne Bretter bohre: "Es ist besorgniserregend, dass dieser Präsident aus einer Laune heraus ein Treffen anberaumt - ohne die notwendige Vorarbeit. Es sieht alles nach Show aus, und die Frage ist, welche Fortschritte sie machen. Gleichzeitig ist der Preis für die USA und unsere Verbündeten, dass er das Image eines Diktators aufpoliert und ihn damit stärkt."

Bernie Sandrs | Bildquelle: AFP
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Der US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders sagte, er habe kein Problem mit dem Treffen, aber es seien größere diplomatische Anstrengungen als Fototermine nötig.

"Fortschritte diplomatisch sehen"

Dass man sich mit dem nordkoreanischen Diktator trifft, findet auch der Demokrat Bernie Sanders - wie viele seiner Kollegen - nachvollziehbar. Aber er fragt vor allem danach, was unterm Strich bei dem Treffen rausgekommen ist. "Ich habe kein Problem damit, dass er sich mit Kim zusammensetzt. Aber wir müssen Fortschritte diplomatisch sehen. Wir brauchen nicht nur schöne neue Fotos."

Trump und Kim haben vereinbart, dass ihre Teams in den kommenden Wochen an die Arbeit gingen. Was dabei rauskommt, ist offen. Die Beobachter in den USA sind gespannt.

US-Reaktionen auf Trump-Kim-Treffen
Martina Buttler, ARD Washington
01.07.2019 09:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Info am 01. Juli 2019 um 11:35 Uhr.

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