Eine Replik des ur-Kilos in Sevres, nahe Paris | Bildquelle: AP

Konferenz in Versailles Das Kilo bekommt ein Update

Stand: 16.11.2018 14:00 Uhr

In Versailles wurde heute Geschichte geschrieben - zumindest in der Wissenschaft. Denn das Kilogramm wurde neu definiert. Notwendig wurde der Schritt, weil das bislang verwendete Urkilogramm an Masse verliert.

Es ist ein bisschen wie die Neuvermessung der Welt: Auf der Generalkonferenz für Maß und Gewicht in Versailles haben Experten aus 60 Staaten über ein neues Einheitensystem abgestimmt. Ampere (Stromstärke), Mol (chemische Stoffmenge) und Kelvin (Temperatur) wurden neu definiert - und eine Maßeinheit, die uns tagtäglich begleitet: das Kilogramm.

Das Urkilogramm ist ein golfballgroßer Zylinder aus Platin und Iridium und trägt den Namen "Grand K". Seit 1889 ruht er im Tresor eines Schlosses bei Paris. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass es für alle Zeiten als Vergleichskörper zum Eichen von Waagen verwendet werden kann. Aber das hat nicht funktioniert.

Hat das Kilo ein Problem, haben es die anderen auch

Denn "Grand K" wurde mit der Zeit immer leichter. Vermutlich wurde beim Gießen des Zylinders auch Gas in das Metall mit eingeschlossen, das dann mit der Zeit aus dem Metallklotz entwich. Kurz und gut: Feste Vergleichskörper, wie das Urkilogramm oder das ebenfalls aus Platin gegossene Urmeter, haben sich für heutige, hochgenaue Eichzwecke als ziemlich ungeeignet erwiesen, weil sie zu instabil sind.

Und "hat das Kilogramm ein Problem, haben es die anderen Einheiten automatisch auch", beschreibt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) das Dilemma. In der Wissenschaft des Vermessens, die weder beim Nanometer (Millionstel Millimeter) noch bei der Femtosekunde (Millionstel einer Milliardstel Sekunde) aufhört, sind Schwankungen ein unhaltbarer Zustand für die Forscher.

Deshalb hat das Internationale Büro für Maß und Gewicht "Grand K" und seine sechs offiziellen Kopien nun in den Ruhestand geschickt. Die neue Festlegung besagt, dass ein Kilogramm künftig der Masse einer bestimmten Anzahl von Siliziumatomen entspricht. Denn es ist mittlerweile sehr viele präziser, Atome zu zählen, als über alle Zeiten unveränderliche Klötze aus Metall zu gießen.

Für die Allgemeinheit bleibt alles beim Alten

Beim Urmeter hatte man bereits vor mehr als 30 Jahren Konsequenzen gezogen, den Metallstab aussortiert und stattdessen festgelegt, dass ein Meter einer bestimmten Anzahl von Lichtwellenlängen entsprechen soll. Und nun wurde das Urkilo überflüssig.

Für die Allgemeinheit wird diese Änderung keine wahrnehmbaren Folgen haben. Auf der Körperwaage im Bad bleibt ein Kilogramm gleich schwer und auch im Supermarkt bekommt man nicht mehr oder weniger für sein Geld. Wissenschaftler sehen die Neudefinition des Kilos aber als wichtigen Schritt in die moderne Zeit.

Denn damit ist nach 35 Jahren das sogenannte SI-Einheitensystem komplett umgestellt auf neue Definitionen, die vielleicht wirklich für alle Zeiten gültig sein könnten, weil sie auf Naturkonstanten beruhen, die als unveränderlich gelten. Die Neuregelungen treten am 20. Mai 2019 in Kraft.

Mit Informationen von Uwe Gradwohl, SWR Wissen

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2018 um 14:00 Uhr.

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