Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP

Verschwundener Journalist Saudi-Arabien bestätigt Tod Khashoggis

Stand: 20.10.2018 11:40 Uhr

Seit dem 2. Oktober fehlt von ihm jede Spur: Der Journalist Khashoggi war zuletzt im saudischen Konsulat in Istanbul gesehen worden. Nun hat Saudi-Arabien den Tod des Mannes eingeräumt. Es seien 18 Menschen festgenommen worden.

Mehr als zwei Wochen nach dem Verschwinden von Jamal Khashoggi hat Saudi-Arabien den Tod des Mannes eingeräumt. Der Journalist sei bei einer Schlägerei im Generalkonsulat ums Leben gekommen, berichtet die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA. Der Auseinandersetzung sei ein Streit über die Frage vorausgegangen, ob er bereit wäre, nach Saudi-Arabien zurückzukehren.

Es seien 18 Verdächtige festgenommen worden, alle saudische Staatsbürger, heißt es in dem Bericht weiter. Sie hätten versucht zu vertuschen, was geschehen sei, und würden vor saudischen Gerichten zur Verantwortung gezogen. Das saudische Königshaus bedauere, was geschehen sei. SPA zufolge gab es auch bereits zwei Entlassungen: der bisher für Kronprinz Mohammed bin Salmans Medienangelegenheiten zuständige Saud bin Abdullah al-Kahtani sowie der Vizechef des Geheimdienstes, Ahmed al-Asiri. Al-Asiri gilt als enger Vertrauter von Kronprinz Mohammed Bin Salman, der im Zentrum der internationalen Kritik steht. US-Medien hatten bereits darüber spekuliert, dass der Vize-Geheimdienstchef als Sündenbock herhalten müsse.

Die staatliche Nachrichtenagentur berichtet zudem, dass König Salman die Einrichtung eines Ausschusses unter der Leitung des Kronprinzen angeordnet habe, der den Geheimdienst des Landes umbauen und dessen "Befugnisse genau" festlegen soll, berichteten Staatsmedien.

Viele Spuren, keine Leiche

Der eigentlich im US-Exil lebende Khashoggi wollte im Konsulat Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen und ist seitdem verschwunden. Bilder von Überwachungskameras zeigen, wie er das Gebäude betritt. Später verließen mehrere Fahrzeuge das Konsulat - darin könnte nach Vermutung türkischer Ermittler die Leiche abtransportiert worden sein. Das Konsulat wurde von türkischen Polizisten durchsucht. Gestern hatte die türkische Staatsanwaltschaft Angestellte des saudischen Konsulats als Zeugen vorgeladen.

Ermittler begannen damit, einen Wald nördlich von Istanbul und Gebäude in der Stadt Yalova am Marmarameer südlich von Istanbul zu durchsuchen. Sie vermuten, dass die Leiche Khashoggis dorthin gebracht wurde.

Verhaltene Reaktion Washingtons

Das Eingeständnis Saudi-Arabiens kommt kurz nachdem die US-Regierung den Druck erhöht und Konsequenzen angedroht hatte, sollte das Königshaus hinter dem Tod des Journalisten stehen. Die US-Regierung zeigte sich in einer ersten Reaktion "betrübt" über die Nachricht von Khashoggis Tod. Regierungssprecherin Sarah Sanders sagte, Washington nehme die Nachricht zur Kenntnis und werde weiterhin die "internationalen Untersuchungen dieses tragischen Vorfalls genau verfolgen". Sie sprach den Angehörigen des Journalisten, der unter anderem für die "Washington Post" geschrieben hatte, das Beileid der Regierung aus.

Inzwischen äußerte sich US-Präsident Donald Trump persönlich. Er halte die Version Saudi-Arabiens vom Tod Khashoggis für glaubwürdig, sagte er am Rande eines Termins in Arizona. Allerdings sei es noch früh, "wir haben unsere Überprüfung oder Ermittlung noch nicht beendet." Es handele sich aber um einen "sehr wichtigen ersten Schritt". Er wolle zudem mit Kronprinz Mohammed bin Salman sprechen. Saudi-Arabien sei ein großartiger Verbündeter, so Trump, doch was geschehen sei, sei inakzeptabel.

Der republikanische US-Senator Lindsay Graham meldete dagegen Zweifel an der Darstellung an. "Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass ich der neuen saudischen Schilderung zum Tod Herrn Khashoggis skeptisch gegenüberstehe", teilte Graham auf Twitter mit. Der US-Kongressabgeordnete Eric Swalwell forderte Saudi-Arabien auf, den Verbleib der Leiche Khashoggis aufzuklären.

Saudi-Arabien räumt Tod von Khashoggi ein
Mark Kleber, ARD Kairo
20.10.2018 09:50 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2018 um 02:55 Uhr.

Darstellung: