Der saudi-arabische König Salman spricht mit seinem Sohn Mohammed | Bildquelle: AP

Fall Khashoggi in Saudi-Arabien Der Palast wittert eine Verschwörung

Stand: 21.11.2018 16:24 Uhr

Der Kronprinz soll Khashoggis Mord angeordnet haben? Eine These, die das saudische Königshaus zurückweist und eine Verschwörung sieht. Doch intern wächst offenbar der Widerstand gegen den Thronfolger.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

König Salman bin Abd al-Aziz, der greise 82-jährige Monarch von Saudi-Arabien, äußerte sich zur Khashoggi-Affäre bislang nicht direkt. Aber er reist derzeit durchs Land und zeigt sich dabei - demonstrativ - mit Kronprinz Mohammed bin Salman an seiner Seite.

Das Fernsehen Saudi-Arabiens präsentiert Bilder davon in Dauerschleife. Ihre Botschaft lautet: Der König steht unbeirrt zu seinem Nachfolger. Laut Medienberichten soll zwar der US-Geheimdienst glauben, dass der Kronprinz die Ermordung Khashoggis angeordnet hat - aber der König preist ihn trotzdem.

"Wir sind stolz auf unsere Justiz"

In einer Rede lobt er seine Reformpläne. Und er lobt die Arbeit der Justizbehörden des Landes. "Unser Königreich basiert auf den islamischen Prinzipien von Gerechtigkeit und Gleichheit. Wir sind stolz auf die Leistungen unserer Justiz und der Staatsanwaltschaft."

Das soll heißen: Aufklärung naht, die Schuldigen an dem Khashoggi-Mord würden hart bestraft. Zu den Verdächtigen gehört nach offiziellem Bekunden auf keinen Fall der Kronprinz. Diese Haltung wird in den Medien des Landes mit Verschwörungstheorien untermauert.

Hinter den Vorwürfen stecke eine bösartige Kampagne gegen das Königreich, heißt es in einem Fernsehbeitrag. Die US-Medien machten Stimmung gegen Saudi-Arabien, um Präsident Donald Trump zu schaden. Sie würden Kronprinz bin Salman beschuldigen, um das historische Bündnis zwischen den USA und dem Königshaus zu zerstören, damit Trump darüber stolpere. Der Mordfall Khashoggi sei nur Mittel zum Zweck. 

In anderen Medienberichten wird behauptet, hinter der Verschwörung steckten wahlweise die Türkei, die Muslimbruderschaft, Israel oder auch einflussreiche Homosexuelle aus dem Westen.

Der Journalist Khashoggi spricht im September 2018 während einer Nahost-Konferenz | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der saudische Journalist Khashoggi wurde Anfang Oktober im Konsulat in Istanbul getötet.

Widerstand gegen Thronfolger wächst

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unterdessen, dass im Königshaus angesichts der Khashoggi-Mordaffäre der Widerstand gegen den Kronprinzen wächst. Die Agentur beruft sich auf nicht namentlich genannte Quellen aus dem Umfeld der Königsfamilie.

Dutzende Prinzen und Cousins seien für eine Änderung der Thronfolge. Sie sprächen mit anderen Familienmitgliedern über die Option, dass nach dem Tod des Königs sein Bruder den Thron übernehmen könne. Der 76-jährige Prinz Ahmed bin Abdulaziz hätte die Unterstützung der Familie und des Sicherheitsapparats. Solange der König lebt, werde es eine Palastrevolte aber nicht geben.

Die Khashoggi-Mordaffäre in Saudi-Arabien
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
21.11.2018 15:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2018 um 18:32 Uhr.

Darstellung: