Der türkisches Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht im Präsidentenpalast | Bildquelle: dpa

Erdogan kritisiert Riad Wo ist die Leiche Khashoggis?

Stand: 26.10.2018 14:07 Uhr

Noch gibt es keine Spur von der Leiche des getöteten Journalisten Khashoggi. Präsident Erdogan will die Täter vor ein türkisches Gericht stellen. Inzwischen fordert die Staatsanwaltschaft von Riad die Auslieferung der 18 Verdächtigen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will den Verbleib der Leiche des Journalisten Jamal Khashoggi aufklären. Die Saudis, die ihn töteten, müssten verraten, wo die sterblichen Überreste seien, sagte Erdogan.

"Es ist klar, dass er getötet wurde, aber wo ist er? Sie müssen die Leiche zeigen", sagte Erdogan in einer Ansprache vor Führungskräften seiner Partei. Die Regierung in Riad müsse die Identität des "örtlichen Mitarbeiters" offenlegen, der den Leichnam nach der Tat übernommen habe.

Staatsanwalt reist nach Istanbul

Erdogan kündigte zudem an, dass ein leitender Staatsanwalt aus Saudi-Arabien in Istanbul Vertreter türkischer Ermittlungsbehörden treffen werde. Die Türkei verfüge über mehr Informationen in dem Fall als sie bislang freigegeben habe. Diese Informationen würden veröffentlicht, kündigte er an.

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft will eine Auslieferung der 18 in Saudi-Arabien festgenommenen Verdächtigen verlangen. Entsprechende Dokumente seien vorbereitet worden, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Der saudische Journalist und Aktivist Jamal Khashoggi auf einer Pressekonferenz 2014. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo
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Der saudische Journalist und Aktivist Jamal Khashoggi auf einer Pressekonferenz 2014 - er wurde im Konsulat Saudi-Arabiens getötet.

Tötung eingeräumt

Türkische Regierungsbeamte gehen davon aus, dass der Kritiker von Kronprinz Mohammed bin Salman von eigens angereisten saudischen Agenten ermordet wurde. Nach etlichen Dementis räumte das Königreich zuletzt dessen Tötung ein, sprach aber zugleich von einer aus dem Ruder gelaufenen Befragung.

Am Donnerstag erklärte dann die saudi-arabische Staatsanwaltschaft, dass die Beweise auf eine vorsätzliche Tat hindeuteten. Kanzlerin Angela Merkel forderte daraufhin Saudi-Arabien zur raschen Aufklärung des Tathergangs auf. Dies müsse transparent und glaubhaft erfolgen, verlangte sie nach Angaben der Bundesregierung in einem Telefonat mit dem saudischen König Salman.

Stopp von Waffenexporten gefordert

Die österreichische EU-Ratspräsidentschaft sprach sich für einen europaweiten Stopp von Waffenexporten in das Königreich aus.

In der Zeitung "Die Welt" sagte Österreichs Außenministerin Karin Kneissl, die Tötung Khashoggis sei "zutiefst erschütternd" und "ein beispielloser Rechtsbruch". "Es ist aber nur der Gipfel des Horrors." Sie kritisierte insbesondere den Jemen-Krieg und das Vorgehen Saudi-Arabiens gegen das Emirat Katar. "Vor allem der schreckliche Krieg im Jemen und die Katar-Krise sollten uns Anlass sein, als Europäische Union gegenüber Saudi-Arabien endlich gemeinsam zu handeln", sagte Kneissl.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Oktober 2018 um 14:45 Uhr.

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