Ein türkischer Polizist patrouliert außerhalb der Residenz des saudischen Generalkonsuls Al-Otaibi, in der türkische Behörden eine Durchsuchung durchführten. | Bildquelle: dpa

Fall Khashoggi Türkische Polizei hat Konsul-Villa durchsucht

Stand: 18.10.2018 04:16 Uhr

Später als geplant hat die türkische Polizei die Residenz des saudischen Konsuls durchsucht. Angesichts immer neuer Details über Khashoggis mutmaßlichen Tod betonen die USA, man wolle Untersuchungsergebnisse abwarten.

Nach der Inspektion des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul hat die türkische Polizei nun auch den Wohnsitz des saudischen Konsuls Mohammed al-Otaibi durchsucht, um Erkenntnisse im Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi zu gewinnen.

Ein Dutzend Polizisten und Staatsanwälte betrat am Nachmittag das Gebäude - einen Tag, nachdem türkische Medien bereits über die bevorstehende Durchsuchung berichtet hatten. Der Zugriff hatte sich verzögert, da Saudi-Arabien seine Zustimmung zunächst nicht erteilt hatte, erklärte Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Die Familie des Konsuls habe sich noch in der Villa aufgehalten - al-Otaibi selbst war bereits am Dienstag nach Riad abgereist.

Cavusoglu betonte, die Türkei habe ihn nicht ausgewiesen, warf ihm jedoch zugleich "respektloses Verhalten" nach dem Verschwinden Khashoggis vor.

Inzwischen ist die Durchsuchung beendet.

Türkische Berichte über Folter und Tötung Khashoggis

Der regierungskritische saudische Journalist hatte am 2. Oktober das Konsulat in Istanbul betreten und wird seitdem vermisst. US-amerikanische und türkische Medien berichteten seitdem über immer neue Details über Khashoggis angebliche Tötung im Konsulat.

Die türkische Zeitung "Yeni Safak" meldete unter Berufung auf eine angebliche Audioaufnahme von dem Geschehen, saudi-arabische Agenten hätten dem regierungskritischen Journalisten während eines Verhörs die Finger abgeschnitten und ihn später enthauptet.

Auf der Aufnahme soll zu hören sein, wie der Konsul al-Otabi sagt: "Macht das draußen, ihr werdet mir Probleme bereiten." Daraufhin habe ihm ein Mann erwidert: "Wenn du leben willst, wenn du nach Saudi-Arabien zurückkehrst, sei still." Al-Otaibi verließ am Dienstag Istanbul in Richtung Riad. Das regierungsnahe türkische Blatt "Yeni Safak" erklärte nicht, woher die Audioaufnahme stammte oder wie es daran gekommen ist.

Die Internetseite "Middle East Eye" berichtete, dass der Todeskampf von Khashoggi sieben Minuten gedauert haben soll. Der Autor des entsprechenden Berichtes bezog sich auf eine türkische Quelle, die die Audioaufnahme gehört haben soll. Kashoggi soll zunächst geschrien haben, bis ihm eine Substanz injiziert worden sei.

Türkische Sicherheitsdienste haben wiederholt regierungsfreundliche Medien des Landes benutzt, um Details zu dem Fall an die Öffentlichkeit zu geben und den Druck auf Saudi-Arabien zu erhöhen. Saudi-Arabien weist die Vorwürfe zurück.

Die beiden Außenmister der USA und der Türkei, Mike Pompeo, links, und Mevlut Cavusoglu | Bildquelle: TURKISH FOREIGN MINISTRY PRESS O
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Die beiden Außenmister der USA und der Türkei, Mike Pompeo, links, und Mevlut Cavusoglu. Die Ermittlungen gingen weiter, sagte Cavusoglu.

Trump: Ergebnisse wohl bis Ende der Woche

Die USA sind in den Fall involviert, da Khashoggi aus Angst vor politischer Verfolgung dorthin übergesiedelt war und unter anderem für die "Washington Post" schrieb. US-Außenminister Mike Pompeo war Anfang der Woche nach Riad geflogen, um im Gespräch mit dem saudischen Königshaus Klarheit über den Fall zu erlangen.

Anschließend besuchte Pompeo die türkische Hauptstadt Ankara. Er plädierte dafür, zunächst eine "eingehende, vollständige und transparente Untersuchung" abzuwarten, wie sie von Riad zugesagt worden sei. "Ich denke, dass es vernünftig ist, ihnen diese Gelegenheit zu geben, und dann werden wir alle urteilen können", sagte er.

US-Präsident Donald Trump rechnet mit baldigen Ergebnissen: Man werde vermutlich bis zum Ende der Woche wissen, was mit Khashoggi passiert sei, sagte er in Washington.

Einen diplomatischen Bruch mit dem US-Verbündeten Saudi-Arabien will er jedoch offenbar vermeiden. Im Interview mit dem Fernsehsender Fow Business sagte Trump, Saudi-Arabien werde als Partner im Kampf gegen den Terrorismus und im Vorgehen gegen den Iran gebraucht. Zudem hob er erneut die wirtschaftliche Bedeutung des Königreichs als Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter hervor.

Riad hat in den USA Rüstungsgüter im Umfang von 110 Milliarden Dollar (umgerechnet 95 Milliarden Euro) bestellt - Sanktionen, die zu einer Reduzierung des Auftrags führen könnten, will Trump laut eigenem Bekunden vermeiden.

Verena Bünten, ARD Washington, zum Umgang der USA mit Saudi-Arabien
Morgenmagazin, 18.10.2018

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Oktober 2018 um 20:00 Uhr.

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