Brett Kavanaugh | Bildquelle: AP

Vorwürfe gegen Kavanaugh Mehr Spielraum für das FBI

Stand: 02.10.2018 09:40 Uhr

Wen darf das FBI bei seiner Kavanaugh-Untersuchung befragen? Zu wenige Personen, meinten Kritiker. Jetzt hat das Weiße Haus das Mandat für die Ermittler offenbar ausgeweitet. Unterdessen gibt es einen neuen Vorwurf.

Das Weiße Haus hat dem FBI bei der Untersuchung der Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen den Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh laut einem Medienbericht mehr Spielraum gewährt. Die Ermittler dürften nun jede Person befragen, die sie für ihre Arbeit für relevant hielten, teilte ein Insider der Nachrichtenagentur AP mit. Für die Ausweitung stellte das Weiße Haus demnach aber die Bedingung, das FBI müsse seine Arbeit bis Freitag zu Ende bringen.

Die neue Richtlinie für die FBI-Untersuchungen soll nicht nur skeptische Demokraten beschwichtigen, sondern auch Wackelkandidaten unter Republikanern von der Fairness überzeugen. Mit der Frist bis Freitag will das Weiße Haus zugleich gewährleisten, dass sich die Hintergrundprüfungen nicht wochenlang hinziehen. Beamte erklärten schon, ein Abschluss bis Freitag sei möglich.

Präsident Donald Trump hatte zuvor auf einer Pressekonferenz gesagt, er wolle, dass das FBI umfassend ermittele. Ihn störe es "überhaupt nicht", wenn die Agenten den Vorwürfen aller drei Frauen gegen Kavanaugh nachgingen. "Das Einzige, das ich will, ist Tempo", ergänzte er.

Protest gegen Kavanaugh in New York | Bildquelle: PETER FOLEY/EPA-EFE/REX/Shutters
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Der Fall Kavanaugh wird in der USA heftig diskutiert. Hier eine Demonstration von Gegnern seiner Nominierung.

Senat muss Kavanaugh zustimmen

Der Senat müsste einer Berufung Kavanaughs zustimmen. Schon in knapp einem Monat stehen Kongresswahlen an, bei denen sich die Mehrheitsverhältnisse in der Kammer zugunsten der Demokraten verschieben könnten. Sie könnten Trumps Wunschkandidaten dann noch verhindern. Schon jetzt haben die Republikaner im Senat nur eine knappe Mehrheit von 51 der 100 Sitze. Vor diesem Hintergrund drang ihr Mehrheitsführer Mitch McConnell auf ein Votum noch in dieser Woche. Den Demokraten warf er vor, die Berufung zu verschleppen.

Mehrere Frauen werfen Kavanaugh vor, Anfang der 1980er-Jahre sexuell übergriffig gewesen zu sein. Der als erzkonservativ geltende Jurist hat dies zurückgewiesen. Das FBI nahm Hintergrundchecks zum Kandidaten auf Geheiß Trumps erneut auf, nachdem die republikanischen Senatorinnen Lisa Murkowski, Susan Collins und ihr Kollege Jeff Flake den Bestätigungsprozess gestoppt hatten: Sie machten ihre Zustimmung zur Personalie Kavanaugh von zusätzlichen Untersuchungen der Vorwürfe gegen den Kandidaten abhängig.

Mehrere Weggefährten befragt

FBI-Agenten haben bisher etliche Weggefährten aus Kavanaughs Schul- und Universitätszeit befragt, darunter dessen Jugendfreund Mark Judge. Dieser spielt eine zentrale Rolle in den Schilderungen von Christine Blasey Ford, die Kavanaugh versuchte Vergewaltigung auf einer Party in den frühen 80er-Jahren vorwirft. Judge sei mit ihm Raum gewesen, als ein betrunkener Kavanaugh sexuell übergriffig geworden sei, sagte Ford aus. Judge bestätigte dies nicht. Laut seiner Anwältin ist die Befragung aber nicht abgeschlossen. Details nannte sie nicht.

Ein weiterer vom FBI befragter Zeuge war "P.J." Smith, der laut Ford in jener Partynacht im unteren Stockwerk des Hauses gewesen sein soll, also nicht in der Nähe des mutmaßlichen Geschehens. Sein Anwalt sagte, sein Mandant wisse nichts von dieser Feier oder von Vorwürfen unangemessenen Verhaltens gegen Kavanaugh. Auch mit Leland Keyser, die laut Ford ebenfalls auf der Party gewesen sein soll, sprachen die Ermittler. Details nannte Keysers Anwalt indes nicht.

Ein weitere früherer Studienfreund sagte hingegen, Kavanaugh habe vor dem Senat über seinen früheren Alkoholkonsum gelogen. Chad Ludington, Professor an der North Carolina State University, warf ihm vor, betrunken aggressiv gewesen zu sein.

Kavanaugh hatte vergangene Woche bei einer Anhörung vor dem Justizausschuss auch ein Alkoholproblem bestritten. Er räumte nur ein, auf Partys in den 1980er-Jahren zu viel Bier getrunken zu haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2018 um 08:26 Uhr.

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