Carles Puigdemont | Bildquelle: dpa

Regionalpräsident in Katalonien Puigdemont verzichtet auf Amt

Stand: 10.05.2018 21:28 Uhr

Der katalanische Ex-Regionalpräsident Puigdemont verzichtet auf eine Wiederwahl. Als Nachfolger schlägt sein Bündnis den Abgeordneten Torra vor. Puigdemont macht damit den Weg zur Bildung einer Regierung frei.

Nach Monaten in der politischen Sackgasse zeichnet sich in Katalonien womöglich ein Ausweg ab. Der katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont verzichtete auf eine Wiederwahl in das Amt und schlug einen Nachfolger vor, der neu in der Politik ist: Der 55-jährige Abgeordnete Quim Torra solle in den nächsten Tagen zum Regionalpräsidenten gewählt werden, sagte Puigdemont in einem in Deutschland aufgezeichneten Video.

Neu in der Politik

Der 55-jährige Torra ist der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung stark verbunden. Anders als Puigdemont und andere Führungsfiguren der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung ist er aber ganz neu in der Politik. Torra kann im Prinzip mit einer Mehrheit im katalanischen Parlament rechnen, da er von Puigdemonts Mitte-rechts-Bündnis "Junts per Catalunya" (Zusammen für Katalonien) und der anderen großen Unabhängigkeitspartei Republikanische Linke (ERC) unterstützt wird.

Würde bis zum 22. Mai kein Regionalpräsident gewählt, dann müsste es in Katalonien zu Neuwahlen kommen - was viele Unabhängigkeitsbefürworter aus Angst vor einem Verlust ihrer Mehrheit im Parlament aber vermeiden wollen. In der Zwischenzeit steht die Region im Nordosten Spaniens weiter unter der Zwangsverwaltung der spanischen Zentralregierung.

Die Zentralregierung hatte Ende Oktober die direkte Kontrolle über Katalonien übernommen und die von Puigdemont geführte Regionalregierung ihres Amtes enthoben, nachdem das Parlament in Barcelona die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt hatte. Zahlreiche Anführer der Unabhängigkeitsbefürworter sitzen seither im Gefängnis oder sind wie Puigdemont im Exil. Die Regierung in Madrid wirft ihnen "Rebellion" vor und will sie verurteilt sehen. 

Keine Ernennung in Abwesenheit

Zuletzt hatte das spanische Verfassungsgericht am Mittwoch einen Antrag der Zentralregierung zur Entscheidung angenommen, ein vergangene Woche vom katalanischen Parlament verabschiedetes Gesetz aufzuheben. Dieses sollte die Ernennung des derzeit in Berlin lebenden Puigdemont in dessen Abwesenheit ermöglichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2018 um 21:00 Uhr in den Nachrichten.

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