Musiker der Sambaschule Mangueira im Trem do Samba. | ARD

Rios Karneval und Corona "Samba hat überlebt, heute feiern wir"

Stand: 07.12.2021 11:10 Uhr

Kaum ein Land wurde von der Pandemie so hart getroffen wie Brasilien. Der Karneval fiel aus. Doch jetzt sind in Rio fast alle voll geimpft - und endlich kann der Samba-Zug wieder lostanzen.

Von Anne Herrberg, ARD-Hörfunkstudio Rio de Janeiro

Als der Samba - die Musik ehemaliger Sklaven - in Rio streng verboten war, da hielt Paulo da Portela sie am Leben. Heimlich trommelte der Musiker seine Freunde zum Samba im Zugabteil zusammen.

Anne Herrberg ARD-Studio Rio de Janeiro

Auf diese Zeit geht die Tradition des "Trem do Samba" zurück - Rios legendärer Samba-Zug, der vom Zentrum in die Vorstädte fährt. Vor 26 Jahren wurde er wiederbelebt, seitdem leitet er jedes Jahr im Dezember die Karnevalssaison am Zuckerhut ein - bis die Pandemie kam. Nun aber kehrt der Rhythmus zurück auf Rios Gleise.

Marquinhos Oswaldo Cruz, Tia Surica und Selminha Sorriso | ARD

Marquinhos Oswaldo Cruz (links) und Selminha Sorriso (rechts) freuen sich auf die Karnevalssaison. Bild: ARD

"Der Samba hat überlebt"

"Samba war schon immer ein Symbol für Widerstand", sagt Selminha Sorriso. Diesmal hätten sie gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen müssen: "Die Pandemie, das Virus hat uns viel genommen: schöne Momente, das Zusammensein, Freunde. Aber der Samba hat überlebt, heute feiern wir und blicken in die Zukunft."

Sie trägt die Fahne der Samba-Schule "Beija-Flor". Ein Mund-Nasen-Schutz verdeckt ihr berühmtes strahlendes Lächeln, das ihr den Künstlernamen verlieh. Dazu ist sie zweimal geimpft. So fordert es das Corona-Protokoll im diesjährigen Samba-Zug, der auch nur mit halber Besatzung unterwegs ist - gesungen wird trotzdem aus voller Kraft.   

Samba bedeute Freude und Leben, sagt Luiz Carlos, er ist 68 Jahre alt: "Wir haben Freunde verloren, viele Freunde, die Pandemie war schrecklich, nun sind wir glücklich, es scheint, dass es langsam wieder bergauf geht."

Mehr als 600.000 Corona-Tote

Kaum ein Land der Welt wurde so hart von der Pandemie getroffen wie Brasilien. Mehr als 600.000 Menschen sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Auch deswegen ist die Impfbereitschaft in Brasilien groß. In Rio sind mehr als 90 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft, die Inzidenzen sind niedrig. Und das trotz Präsident Jair Bolsonaro, der auf seinen Social-Media-Kanälen regelmäßig Fake-News übers Impfen verbreitet.

Sorge vor den ungeimpften Touristen 

"Deswegen sagen wir: Wissenschaft über alles. Wir setzen auf die Wissenschaft", betont Marquinho Oswaldo Cruz, der den "Trem do Samba" organisiert. Sorgen machten ihm Touristen, die ungeimpft kommen. "Wir hoffen, dass unsere Regierung strengere Auflagen für die Einreise einführt: Wer nach Brasilien möchte, soll sich impfen lassen."

Die Silvester-Feierlichkeiten strich Rios Bürgermeister. Wegen der Omikron-Variante wird es auch dieses Jahr kein Feuerwerk am berühmten Copacabana-Strand geben.

Nun ist bei Cruz die Sorge groß, dass eine erneute Welle auch den Karneval in Gefahr bringe: "Wir Karnevalisten und Samba-Liebhaber setzen große Hoffnung auf den Karneval." Die Menschen arbeiteten das ganze Jahr auf den Karneval hin. "Für uns ist das mehr als ein Fest. Der Karneval ist Teil der Seele dieser Stadt, er lässt sie aufblühen, auch finanziell. Der Karneval bringt Geld."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 07. Dezember 2021 um 05:36 Uhr in der Sendung "Studio 9".