Ein Mann steht am Rande eines überfluteten Gebietes in Gatineau, Kanada. | Bildquelle: REUTERS

Überschwemmung in Kanada Das Wasser steigt und steigt

Stand: 28.04.2019 18:25 Uhr

Im Osten Kanadas bereiten sich die Menschen auf eine Rekordflut vor. In mehreren Provinzen stehen bereits Tausende Häuser unter Wasser. In Montreal brach ein Deich.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Rund 6000 Menschen mussten in einem Vorort der Großstadt Montreal ihre Häuser räumen. Manche hätten nur Minuten gehabt, ein paar persönliche Gegenstände zu greifen, um dann so schnell wie möglich ihre Wohnungen zu verlassen, so Daniel Thibaudeau von der Polizei. Die meisten habe die Warnung beim Abendessen erreicht: Ein 50 Meter langer Abschnitt eines natürlichen Deiches war gebrochen. Auch am Morgen gingen die Evakuierungen weiter.

Überschwemmungen in Kanada | Bildquelle: ANDRE PICHETTE/EPA-EFE/REX
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Tausende Menschen rund um Montreal mussten die Region verlassen.

Anwohner David Tremblay sagte dem Sender CBC, weder er noch sein Vater könnten sich an solche Bilder erinnern. Seit 1970 lebten sie am Seeufer des "Lake of Two Mountains". Frühjahrshochwasser sei nichts Ungewöhnliches, solche Wasserstände aber schon. In besonders schlimm betroffenen Gebieten stieg das Wasser um bis zu zwei Meter, es schwappt an Erdgeschossfenster heran, hat Autos erfasst. Der Premier der Provinz Quebec warnte die Bürger vor weiteren "schwierigen Tagen". Sie bräuchten Mut, so Francois Legault.

Rekordhochwasser von 2017 übertroffen

Seit Tagen kämpft Kanada mit starken Regenfällen. Hinzu kommt die Schneeschmelze. Das könnte die Pegelstände des Ottawa-Flusses und des Sankt-Lorenz-Stroms noch höher steigen lassen als während des letzten großen Hochwassers im Jahr 2017 - eine Flut, die als Jahrhundert-Katastrophe galt. Mit den Pegel-Höchstständen wird erst Montag oder Dienstag gerechnet.

Montreal ruft Notstand aus

Nach Kanadas Hauptstadt Ottawa hat neben kleineren Orten zuletzt auch die Großstadt Montreal den Notstand ausgerufen, um Hilfe besser koordinieren zu können. Die Regierung setzt Hunderte Soldaten ein, um Sandsäcke zu füllen und Deiche zu schützen. Premier Justin Trudeau kam nach Constance Bay im Westen von Ottawa, um dort Freiwillige zu unterstützen. Bislang gibt es keine Berichte von Verletzten oder Vermissten.

Notstand in Kanadas Hauptstadt - Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen
Kai Clement, ARD New York
26.04.2019 20:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. April 2019 um 20:00 Uhr.

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