Soldaten in Kamerun | Bildquelle: AFP

Kamerun wird Turnier entzogen Zu unsicher für den Africa Cup

Stand: 01.12.2018 15:18 Uhr

Kamerun darf den Africa Cup 2019 doch nicht ausrichten. Der Stadionbau ist im Verzug und im Westen des Landes tobt ein blutiger Konflikt. Es wäre ein Fußballturnier praktisch im Krieg.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Ahmad Ahamd, der Präsident der Afrikanischen Fußballkonföderation CAF machte es kurz: "Wir haben entschieden, Kamerun die Ausrichtung der Afrika-Cups 2019 zu entziehen", verkündete er. Jede andere Entscheidung wäre auch einigermaßen erstaunlich gewesen. Die Notbremse der CAF kommt wahrlich in letzter Minute.

Als sich die Nachricht in Kamerun verbreitete, hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. Zu viele Menschen dort hatten schon länger den Eindruck, dass der Bau der Stadien, der Straßen und der Hotels für den Afrika Cup 2019 nicht rasch genug voran kamen.

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Blutiger Aufstand

Fast noch mehr Einfluss auf die Entscheidung des Afrikanischen Fußballverbandes dürfte aber die Sicherheitslage gehabt haben. Im Südwesten Kameruns sollten auch Spiele des Afrika Cups ausgetragen werden, in der Stadt Limbé. Seit vielen Monaten tobt aber im Südwesten ein erbitterter bewaffneter Konflikt. Die englischsprachigen Kameruner dort fühlen sich von der Zentralregierung seit Jahrzehnten benachteiligt.

Ahmad Ahmad | Bildquelle: picture alliance / AA
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Ahmad Ahmad muss nun schnell eine neue Spielstätte finden.

Als vor zwei Jahren Proteste begannen, schlug die Regierung hart zurück - es gab Tote und viele Verletzte. Mittlerweile ist der Konflikt eskaliert, es gibt fast täglich Tote, hinzu kommen Entführungen. Deshalb reagieren die Menschen auf der Straße in Kameruns Wirtschaftsmetropole Douala keineswegs überrascht auf die Nachricht, dass Kamerun das Turnier jetzt entzogen wurde: "Wer hätte denn im Stadion von Limbé spielen sollen - praktisch im Krieg!", sagt ein Mensch. "Das wäre doch eine Schande geworden für Kamerun." Und ein anderer meint: "Das ist nicht überraschend. Vielleicht sollte man erstmal unsere lokalen Probleme lösen."

Chaos fällt auf Präsidenten zurück

Lokale Probleme - daran mangelt es nicht. Kamerun steckt in einer schweren Wirtschaftskrise und baut dennoch zwei neue Fußballstadien. Kostenpunkt: 500 Millionen Dollar. Immer wieder hatten der greise Präsident Paul Biya und seine Helfer versichert, es werde alles rechtzeitig fertig für den Afrika Cup 2019. Wenn der 86-jährige Präsident - der seit 36 Jahren an der Macht ist - noch einen Rest Glaubwürdigkeit gehabt haben sollte im eigenen Land, ist auch dieser Rest jetzt verschwunden.

Fußballspieler aus Kamerun halten den gewonnenen Afrika Cup 2017 | Bildquelle: AP
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2017 hatte Kamerun das Turnier gewonnen.

CAF-Präsident Ahmad versuchte dennoch, den Menschen im Kamerun auf unbestimmte Weise Mut zu machen: "Die CAF wird sich bemühen, Kamerun zu unterstützen", sagte Ahamd Ahmad, "damit das Land sich gut darauf vorbereiten kann, einen Afrika Cup auszurichten." In welchem Jahr - das sagte der CAF-Präsident vorsichtshalber nicht.

Neuer Austragungsort gesucht

Er und die anderen Funktionäre des Afrikanischen Fußballverbandes müssen jetzt schleunigst einen neuen Gastgeber für den Afrika Cup im kommenden Sommer finden. Das soll bis zum 31. Dezember erledigt werden. Angesichts dieser extrem knappen Zeitspanne müsste es ein Land sein, in dem die notwendige Infrastruktur schon steht.

Das gilt in Afrika im Prinzip nur für zwei Staaten: Südafrika, das die Fußball-WM 2010 ausgerichtet hatte, und Marokko, das gerade zum fünften Mal mit einer Bewerbung für eine Weltmeisterschaft gescheitert ist. Ob einer von beiden bereit ist, so kurzfristig einzuspringen, ist allerdings völlig unklar.

Kamerun ist raus als Afrika-Cup-Veranstalter
J. Borchers, ARD Rabat
01.12.2018 14:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 01. Dezember 2018 um 13:47 Uhr.

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