Ein ausgebranntes Auto nach einem Angriff der US-Armee nahe der Bagram Air Base nördlich von Kabul. | Bildquelle: AP

Afghanistan Schwere Kämpfe trotz Annäherung

Stand: 10.04.2019 11:20 Uhr

Im Afghanistan-Konflikt gibt es möglicherweise Fortschritte. Die Taliban akzeptierten die Teilnahme von Regierungsvertretern aus Kabul bei Gesprächen in Katar. Dennoch gehen die Kämpfe im Land weiter.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Die schweren Kämpfe zwischen den afghanischen Streitkräften und den Taliban in der Provinz Badghis, waren der Aufmacher in den Abendnachrichten des afghanischen Fernsehens. Denn obwohl die nächste Verhandlungsrunde zwischen den Taliban und den USA in der katarischen Hauptstadt Doha vorbereitet wird - möglicherweise sogar erstmals unter Beteiligung der afghanischen Regierung -, gibt es im Norden Afghanistans seit Tagen heftige Gefechte.

Wenn die Provinz Badghis falle, dann habe das schwere Konsequenzen, sagte der frühere stellvertretende Innenminister, Mirza Mohammad Yarmand, dem Fernsehsender TOLO News. "Die Stadt Bala Murghab ist ein strategisch wichtiger Punkt", sagte Yarmand. "Wenn die afghanischen Streitkräfte dort die Kontrolle nicht zurückerobern, dann hat das negative Auswirkungen auf die Nachbarprovinzen, Herat im Westen und Faryab im Norden."

Dutzende Tote und Verletzte auf beiden Seiten

Seit Tagen wird ein Armeestützpunkt in der Provinz Badghis von den Taliban belagert. Medienberichten zufolge sollen dort rund 600 Sicherheitskräfte eingeschlossen sein. Ihre Vorräte an Munition, Nahrungsmitteln und Wasser gingen zur Neige, heißt es. Auf beiden Seiten habe es Dutzende Tote und Verletzte gegeben.

Während von Seiten des afghanischen Verteidigungsministeriums die Tapferkeit der Soldaten hervorgehoben wird, sagte der Kommandeur der afghanischen Streitkräfte in Badghis, Mohammad Ibrahim Fazly, man habe sich aus Rücksicht auf die Zivilisten in der Region zunächst zurückgezogen. "Da waren viele Zivilisten rund um das Gebiet des Stützpunktes", so Fazly. Er habe vermeiden wollen, dass sie zu Schaden kommen.

Enttäuschung über korrupte Lokalpolitiker

Die Regierung in Kabul habe in der Region den Rückhalt in der Bevölkerung weitgehend verloren, sagte der Provinzrat, Mohammed Naser Naseri, dem Fernsehsender TOLO News. Der Bezirk gilt als einer der ärmsten und rückständigsten Afghanistans. Die Taliban profitierten von der Enttäuschung über korrupte Lokalpolitiker und Menschenrechtsverletzungen durch lokale Milizen.

Die Leute, die dort in der Verwaltung oder in der Polizeiführung eingesetzt wurden, seien Drogenschmuggler, Diebe und andere Kriminelle, sagte Naseri. "Die haben keine guten Beziehungen zur lokalen Bevölkerung."

Ein afghanischer Soldat am Anschlagsort nahe der Bagram Air Base nördlich von Kabul. | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX
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Ein afghanischer Soldat am Anschlagsort nahe der Bagram Air Base nördlich von Kabul. Ein Selbstmordattentäter hatte einen Sprengsatz gezündet.

Drei US-Soldaten getötet

Auch in anderen Regionen haben die Taliban in den vergangenen Tagen Armeestützpunkte und Konvois angegriffen. So starben Montagabend drei US-Soldaten in der Nähe des US-Stützpunktes Bagram, nördlich von Kabul. Ein Selbstmordattentäter habe einen Sprengsatz in der Nähe ihres Fahrzeuges gezündet, sagte ein Augenzeuge einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters: "Der Selbstmordattentäter fuhr mit seinem Fahrzeug an mir vorbei, und dann fuhr er in eines der amerikanischen Militärfahrzeuge rein und sprengte sich in die Luft."

Für die Gespräche mit den Taliban in Doha stellte die Regierung in Kabul mittlerweile offenbar eine Delegation zusammen. Die Taliban, die sich bisher geweigert hatten, mit der afghanischen Regierung zu sprechen, sind nun nach eigenen Angaben dazu bereit, die Abgesandten aus Kabul bei einer sogenannten innerafghanischen Konferenz Mitte April in Katar zu akzeptieren.

Kämpfe mit Taliban trotz Verhandlungen in Doha
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi, zzt. Kabul
10.04.2019 10:17 Uhr

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