Flüchtlinge und ein Polizeiauto im Flüchtlingslager in Calais | Bildquelle: AFP

Ausschreitungen in Calais "Wir haben Kriegsszenen gesehen"

Stand: 02.02.2018 14:04 Uhr

Die schweren Ausschreitungen im Flüchtlingslager von Calais haben für Entsetzen gesorgt. Frankreichs Innenminister sprach von einem "nie gekannten Ausmaß" der Gewalt. Wie konnte es dazu kommen?

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Loane Torondelle arbeitet für eine Hilfsorganisation in Calais. Der junge Mann kennt schwierige Situationen nur zu gut. Doch diese Eskalation hat selbst ihm zugesetzt. "Wir haben Kriegsszenen gesehen. Ich verstehe das nicht. Wirklich nicht", erzählte Torondelle im Fernsehsender BFMTV.

Der Streit hatte offenbar bei einer Essensausgabe Donnerstagnachmittag begonnen. Rund hundert eritreische Migranten und 30 Afghanen lieferten sich eine heftige Schlägerei. Als die Polizei dazwischen ging, brach die Gewalt kurz darauf fünf Kilometer weiter noch brutaler aus. Videos zeigen mit Stangen und Steinen bewaffnete Migranten, die aufeinander losgehen. Später fallen sogar Schüsse.

Schwere Auseinandersetzungen zwischen Migranten in Calais
tagesschau 20:00 Uhr, 02.02.2018

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Innenminister: "Wir werden Maßnahmen ergreifen"

Frankreichs Innenminister Gérard Collomb begibt sich noch in der Nacht an den Ort des Geschehens: "Heute wird hier das Recht des Stärkeren mit Schusswaffen durchgesetzt. Das ist außerordentlich schwerwiegend. Wir müssen und werden in den kommenden Wochen Maßnahmen ergreifen, dieses Problem zu lösen."

Der Innenminister begann auch gleich mit Schuldzuweisungen: Schleppernetzwerke heizten die Gewalt an. Die Hilfsorganisationen spielten ihnen etwa mit ihren unkontrollierten Essensausgaben in die Hände, weil sie so Migranten in die Camps nach Calais lockten: "Ich appelliere an die Vernunft der Unterstützer: Es darf keine wilde Organisation außerhalb des Gesetzes geben."

Verantwortung auch auf staatlicher Seite

Christian Salomé, Präsident der Hilfsorganisation L'Auberge des Migrants, sah am Morgen im Radiosender France Info die Verantwortung dagegen auch auf staatlicher Seite: "Die Gewalt hat schon zwei Tage früher begonnen, als morgens Polizisten die Migranten aus ihren Zelten vertrieben haben. Viele mussten mit ansehen, wie ihr ganzes Hab und Gut zerstört wurde. Dadurch haben die Spannungen, hat die Gewalt begonnen."

Wer auch immer Schuld trägt - die Bilanz ist verheerend: 22 Migranten wurden verletzt, davon mehrere durch Schüsse, vier schwebten in Lebensgefahr. Mehr als Tausend Polizisten waren im Einsatz, auch von ihnen wurden zwei verletzt. Mindestens ein afghanischer Schlepper wurde laut Behörden als Schütze identifiziert und wird gesucht.

Natacha Bouchart, die Bürgermeisterin von Calais, forderte, alle Migranten, die sich an Gewaltaktionen beteiligt hätten, sofort aus Calais zu entfernen. "Wir können so etwas nicht länger dulden. Es reicht. Wir können diese Migranten sich nicht länger untereinander bekämpfen lassen."

"Kriegsszenen" - schwere Kämpfe unter Migranten im "Dschungel" von Calais
Marcel Wagner, ARD Paris
02.02.2018 13:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Februar 2018 um 14:00 Uhr.

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