Felicien Kabuga | Bildquelle: REUTERS

Völkermord in Ruanda Festnahme nach mehr als 20 Jahren Flucht

Stand: 16.05.2020 16:50 Uhr

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war er auf der Flucht - nun ist der wegen des Völkermordes in Ruanda gesuchte Unternehmer Kabuga bei Paris gefasst worden. Ihm wird vorgeworfen, den Genozid im Jahr 1994 mitfinanziert zu haben.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Völkermord in Ruanda ist einer der mutmaßlichen Hauptverantwortlichen gefasst: Der 85-jährige Félicien Kabuga wurde in der Nähe von Paris verhaftet, wie die französische Staatsanwaltschaft und die Polizei mitteilten. Der Unternehmer lebte unter falschem Namen und war mehr als zwei Jahrzehnte lang auf der Flucht. Er soll den Völkermord mitfinanziert haben und galt als einer der meistgesuchten Männer der Welt.

1997 hatte das UN-Tribunal Anklage gegen Kabuga erhoben und einen Haftbefehl ausgestellt. Ihm werden unter anderem die direkte Beteiligung am Völkermord vorgeworfen, außerdem Verfolgung und Vernichtung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die USA hatten auf ihn ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Aufrufe zu Morden

Kabuga hatte die Interahamwe-Miliz aufgebaut, die bei dem Genozid 1994 für einen Großteil der Morde an mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu verantwortlich war. Als Leiter des in den Völkermord verstrickten Radio- und TV-Senders RTLM ließ er zu Morden an Tutsi aufrufen. Auch stand er einem Fonds zur nationalen Verteidigung vor, der Gelder für die Finanzierung der berüchtigten Interahamwe-Miliz beschaffte. Er soll auch große Mengen an Macheten importiert haben, mit denen später Massaker verübt wurden.

Seine Festnahme sei das Ergebnis einer umfangreichen Operation mit mehreren Durchsuchungen gewesen, so das UN-Tribunal. "Die Verhaftung von Félicien Kabuga ist eine Mahnung, dass jene, die für Völkermord verantwortlich sind, auch 26 Jahre nach den Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden können", sagte Chefankläger Serge Brammertz. Kabuga soll in Kürze von Frankreich an das Tribunal im tansanischen Arusha überstellt werden, wo ihm der Prozess gemacht wird.

Ein von Interpol veröffentlichtes Foto von Félicien Kabuga auf einem Bildschirm | Bildquelle: HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstock
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Ein Bild des gesuchten Kabuga auf einer Seite von Interpol. 1997 hatte das UN-Tribunal Anklage erhoben.

"Ein Meilenstein"

Die Gesellschaft für bedrohte Völker bezeichnete die Festnahme Kabugas als einen Meilenstein. "Es ist beschämend, dass es 26 Jahre gedauert hat, Félicien Kabuga zu fassen", sagte Direktor Ulrich Delius. "Aber für die Angehörigen der Opfer des Völkermords ist es wichtig, dass er noch zur Rechenschaft gezogen wird." Er hoffe, dass Kabuga trotz seines hohen Alters noch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werde. Dies sei im Kampf gegen die Straflosigkeit bei Völkermord ein wichtiges Signal an heutige Täter.

Das UN-Tribunal für Ruanda wurde 1994 vom Sicherheitsrat gegründet, um die Hauptverantwortlichen des Genozids verfolgen zu können. Seit der Eröffnung des Gerichts wurden 93 Personen angeklagt. Nach der Verhaftung Kabugas sind noch sieben Männer auf der Flucht. Das Tribunal besitzt selbst keine Polizeikräfte und ist deshalb auf die Mitarbeit von Staaten angewiesen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Mai 2020 um 14:00 Uhr.

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