Boris Johnson | REUTERS

Premier Johnson unter Druck Ermittlungen wegen Lockdown-Partys

Stand: 25.01.2022 13:40 Uhr

Die Londoner Polizei hat offizielle Ermittlungen wegen Partys am britischen Regierungssitz während des Lockdowns eingeleitet. Es gehe um "mögliche Verstöße gegen die Corona-Regeln". Der Druck auf Premier Johnson steigt.

In London ermittelt die Polizeibehörde Scotland Yard zu mehreren Lockdown-Partys im Amtssitz von Premier Boris Johnson und in anderen Regierungsgebäuden. "Ich kann bestätigen, dass die Metropolitan Police zu einer Reihe von Veranstaltungen im Zusammenhang mit potenziellen Verstößen gegen die Corona-Auflagen ermittelt", sagte Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick.

Johnson steht seit Wochen wegen Berichten über mutmaßlich illegale Partys in seinem Amtssitz massiv unter Druck. Immer wieder tauchen neue Berichte über Feiern auf. Erst am Montag berichtete der Sender ITV von einer Geburtstagsparty für Johnson mit bis zu 30 Teilnehmern.

Zuvor hatte Johnson im Parlament bereits den Besuch einer Gartenparty am 20. Mai 2020 eingestanden und um Entschuldigung gebeten. Damals waren wegen der Pandemie Treffen von mehr als zwei Menschen im Freien verboten. 

Opposition fordert Rücktritt

Für Johnson wird die Lage immer prekärer. Dennoch könnten die polizeilichen Ermittlungen kurzfristig einen positiven Nebeneffekt haben: Medienberichten zufolge soll die eigentlich in dieser Woche erwartete Veröffentlichung der Ergebnisse einer internen Untersuchung nun verschoben werden. Der Ausgang der Nachforschungen durch die Spitzenbeamtin Sue Gray zu den mutmaßlichen Lockdown-Partys gilt als möglicherweise entscheidend für Johnsons politische Zukunft.

Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei kritisierte die Regierung als "chaotisch und steuerlos" und forderte zum wiederholten Mal Johnsons Rücktritt. "Er muss gehen", bekräftigte Starmer. Johnson und seine Regierung wiesen Rücktrittsforderungen bislang zurück.

Tory-Abgeordnete fordern Misstrauensvotum

Auch in Johnsons eigener Partei werden die kritischen Stimmen immer lauter. In den vergangenen Tagen kamen Vorwürfe wegen Islamophobie in der Regierung und laschem Vorgehen gegen Betrug bei Corona-Hilfen hinzu.

Mehrere Tory-Abgeordnete haben sich bereits offen für ein Misstrauensvotum gegen den Regierungschef ausgesprochen. Insider halten ein solches Votum inzwischen für unausweichlich.

Johnson sieht sich dabei einer unübersichtlichen Koalition aus verschiedenen Lagern gegenüber. Sollten sich 54 Mitglieder seiner Fraktion im Unterhaus schriftlich für einen Wechsel aussprechen, käme es zum Misstrauensvotum.