Großbritanniens Premierminister Boris Johnson bei einer Pressekonferenz | AFP

Ausbreitung von Mutation Johnson hebt Lockerungen auf

Stand: 19.12.2020 18:55 Uhr

Wegen der raschen Ausbreitung einer Corona-Variante hebt Premier Johnson Lockerungen über Weihnachten in London und in Teilen Südenglands wieder auf. Laut dem Premier gibt es aber keine Beweise, dass die Mutation schwerere Verläufe auslöst.

Die britische Hauptstadt London und Teile Südenglands müssen wenige Tage vor Weihnachten wieder in einen Lockdown. Weil dort eine neue Variante des Coronavirus zu einer starken Zunahme der Neuinfektionen geführt habe, werde es ab Sonntag neue Ausgangsbeschränkungen und Ladenschließungen geben, kündigte Premier Boris Johnson an.

Bisher keine höhere Sterblichkeit

Die kürzlich entdeckte Variante VUI2020/12/01 sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form, sagte Johnson vor Journalisten in London. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien. "Es gibt immer noch viel, das wir nicht wissen. Aber es gibt keine Beweise, dass die neue Variante mehr oder schwerere Krankheitsverläufe auslöst", so der Premier. Auch eine höhere Sterblichkeit sei durch die Virus-Variante bisher nicht festgestellt worden.

Der oberste wissenschaftliche Regierungsberater Patrick Vallance betonte, dass im Dezember 60 Prozent der Neuinfektionen in London die neue Variante betroffen hätten. "Sie breitet sich rasch aus und ist dabei, die dominierende Variante zu werden", sagte er. Der Gesundheitsbeauftragte der britischen Regierung, Chris Whitty, teilte mit, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO informiert worden sei.

VUI2020/12/01 ist nicht die erste Mutation des Corona-Virus. Seit dem Auftreten mutierte Sars-CoV-2 geschätzt rund 4000 Mal. Bei der in England festgestellten Variante soll es sich um die dritte größere Mutation handeln, von der man vermutet, dass sie sich auf das Verhalten des Covid-Virus auswirkt.

Wieder Lockdown in London und Südostengland

Wegen der raschen Ausbreitung der Virus-Variante sagte Johnson die geplanten Lockerungen über die Weihnachtsfeiertage bis zum 30. Dezember ab. "Schweren Herzens muss ich ihnen sagen, dass wir mit Weihnachten nicht so weitermachen können wie geplant." London und andere Gebiete im Süden Englands befanden sich bereits bisher auf der höchsten Stufe des dreistufigen Warnsystems in England mit entsprechend abgestuften Beschränkungen. In der dritten Stufe waren etwa Treffen in Innenräumen untersagt, aber man durfte weiter zum Friseur oder in Fitnessstudios.

Stufe vier: Kein Treffen mit anderem Haushalt

Nun wurde eine vierte, noch höhere Stufe eingeführt, in der unter anderem alle nicht essenziellen Läden und Friseure ab Samstag nach Ladenschluss geschlossen werden. Die Maßnahmen entsprechen etwa jenen, die in Kraft waren, als ganz England im November im Lockdown war. Für Weihnachten bedeute das, dass in den Stufe-vier-Gebieten nicht erlaubt sei, einen anderen Haushalt zu treffen, sagte Johnson. Eng gesteckte Ausnahmen gibt es, wenn Treffen im Freien stattfinden.

Johnson: Weihnachten opfern für das Leben von Angehörigen

Ursprünglich war eigentlich eine sogenannte "Christmas Bubble" geplant, in der sich bis zu drei Haushalte über Weihnachten treffen können sollten, und zwar in den Tagen vom 23. bis zum 27. Dezember. Für den Rest des Englands wurde dieser Zeitraum nun auf einen Tag reduziert. Johnson sagte, er habe angesichts der Infektionszahlen keine andere Wahl gehabt. Weihnachten müsse geopfert werden, um das Leben von Angehörigen zu schützen. Verantwortlich für die hohen Zahlen war nach Ansicht von Experten eine neue Variante des Coronavirus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Dezember 2020 um 18:40 Uhr.