Strava-Heatmap von Kabul | Bildquelle: https://labs.strava.com/heatmap/

Fitness-App verrät Geodaten Joggen als Gefahr für Soldaten?

Stand: 30.01.2018 09:10 Uhr

Es sind zarte leuchtende Linien, die auf der Seite der Fitness-App Strava Laufrouten von Joggern darstellen. Auch in Konfliktgebieten. Nun wächst die Sorge, dass etwa Terroristen diese Daten nutzen könnten.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Sie laufen und radeln und legen unzählige Kilometer zurück: Millionen Menschen weltweit dokumentieren ihre Sportaktivitäten im Internet mithilfe von Fitness-Apps. Das US-Unternehmen Strava ist mit dieser Software-Idee groß geworden.

Als Grundfunktion stecke dahinter GPS, das jeder nutzt, erklärte Mitgründer und Geschäftsführer Mark Gainey im Dezember im Fernsehsender CNBC. Damit könne man verfolgen, wohin sich jemand mit welcher Geschwindigkeit bewege, wie weit und wie hoch er komme.

Strava versteht sich als soziales Netzwerk für Sportler. "In den vergangenen acht Jahren haben wir zwischen zehn und zwanzig Milliarden Aktivitäten erfasst. 83 Prozent unserer Mitglieder befinden sich außerhalb der USA. Man sieht Aktivitäten jeglicher Art auf jedem Kontinent, in jedem Land der Welt", sagte Gainey.

Heatmap der Fitness-App Strava | Bildquelle: AFP
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Vor allem die US-Küsten und Europa leuchten auf der Strava-Heatmap hell.

Heatmap im Netz

Die gesammelten Daten zeigt das kalifornische Softwareunternehmen in einer Online-Karte. Seit vergangenem Herbst ist diese sogenannte Heatmap - eine Wärmekarte - für jeden im Netz einsehbar. Beliebte Lauf- und Fahrradstrecken glühen gelb-weiß.

Die US-Küsten und Europa leuchten dabei hell - hier wird die Fitness-App oft genutzt. Weite Teile Afrikas, des Nahen Ostens und Vorderasiens bleiben dagegen schwarz. Doch ein australischer Student zoomte nah heran und entdeckte leuchtende Aktivitätslinien im dunklen Nichts.

Daten auch aus Konfliktgebieten

US-Medien sind in Alarmstimmung: Stravas Fitnessdaten enthüllen offenbar auch bisher unbekannte US-Militärbasen und Geheimdienstposten in Konfliktgebieten - in Afghanistan, im Irak und im Norden Syriens. Trainierende Soldaten mit funkenden Fitness-Armbanduhren oder dem Smartphone in der Tasche hinterlassen auch digitale Spuren.

US-Soldaten in Afghanistan | Bildquelle: picture alliance / Sgt. Justin U
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Kritiker der Fitness-App schlagen Alarm: Soldaten in Kriegsgebieten seien in Gefahr.

Tech-Journalist Zack Whittaker von ZDNET warnte im Fernsehsender NPR davor, dass etwa Terroristen diese Daten nun genau analysieren könnten. "Sie könnten Persönlichkeitsprofile all derjenigen erstellen, die sich in einer bestimmten Militärbasis aufhalten. Und auf Grundlage dieser Daten Anschläge planen."

Das Softwareunternehmen Strava wies in einer Stellungnahme hingegen auf die Privatfunktion ihrer App hin. Außerdem zeige die Wärmekarte nur von Nutzern öffentlich gepostete Bewegungsaktivitäten.

Fitness-Uhren gar nicht ausgeschaltet?

Noch viel problematischer für die Militärverantwortlichen könnten zarte Leuchtlinien auf der Wärmekarte sein, die zwischen vermeintlichen Stützpunkten erscheinen - offenbar häufig genutzte Verbindungsrouten. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Soldaten ihre Fitnessuhren im Dienst einfach angeschaltet lassen, so Sicherheitsexperte Tobias Schneider bei CNN: "Wenn sie den Stützpunkt verlassen, dann können wir Patrouillenrouten erkennen, aber auch Versorgungswege. Das sind potentielle Ziele für Rebellen."

Das Pentagon reagierte zugeknöpft. Zu den leuchtenden Linien in Syrien, Irak, Afghanistan oder Somalia wollte sich ein Sprecher nicht äußern. Das US-Verteidigungsministerium will die Nutzung sogenannter Fitness-Tracker nun genau prüfen. Den Soldaten werde empfohlen, die persönliche Nutzung öffentlicher Sozialer Medien Profile zu beschränken.

Fitness-App-Bewegungskarte: Gefährliches Joggen fürs US-Militär?
Marc Hoffmann, ARD Washington
30.01.2018 08:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Januar 2018 um 14:00 Uhr.

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