Ein Mann mit einem Sack voller Plastikflaschen über der Schulter läuft in Sanaa im Jemen an zerstörten Häusern vorbei. | YAHYA ARHAB/EPA-EFE/Shutterstock

Geberkonferenz für den Jemen UN und Saudi-Arabien bitten um Geld

Stand: 02.06.2020 04:03 Uhr

Die Lage im Jemen ist dramatisch: Millionen Menschen kämpfen im Bürgerkrieg ums Überleben. Die Corona-Pandemie verschärft ihre Situation nochmals. Erstmals richtet die Kriegspartei Saudi-Arabien eine Geberkonferenz mit aus.

Von Anne Allmeling,

ARD-Studio Kairo

Bunte Gewänder, alte Bücher, kiloweise Bonbons: Das Angebot auf dem Markt vor dem Stadttor von Sanaa ist riesig. Menschen drängen sich durch schmale Gassen, stehen dicht an dicht vor den Händlern, feilschen um den Preis. Abstand halten ist hier nicht möglich. Kabous Saeed Al-Houkaly gehört zu den wenigen, die einen Mundschutz tragen.

Anne Allmeling ARD-Studio Kairo

Trotzdem wäre er lieber zuhause, sagt der junge Mann der Nachrichtenagentur AFP: "Natürlich haben wir Angst. Aber ich bin gezwungen, nach draußen zu gehen, um Sachen für meine Kinder zu kaufen. Wir hoffen, dass die Welt unsere Straßen hier sieht und versteht, dass wir Jemeniten auch Angst vor diesem tödlichen Virus haben."

Zehn Millionen droht der Hungertod

Anfang April wurde das Coronavirus zum ersten Mal im Jemen nachgewiesen. Seitdem wächst die Sorge davor, dass die Zahl der Infizierten rasant steigen könnte. Dort kämpfen bereits Millionen von Menschen ums Überleben. Seit gut fünf Jahren herrscht Krieg zwischen den Huthis, einem Clan aus dem Norden des Jemen, und dem Nachbarland Saudi-Arabien, das die vertriebene international anerkannte Regierung unterstützt.

Mehr als 100.000 Menschen wurden in den vergangenen Jahren getötet, zehn Millionen Menschen sind mittlerweile vom Hungertod bedroht. Schon ohne Coronavirus ist das eine katastrophale Situation, erklärt Aaron Brent, Landesdirektor der Hilfsorganisation CARE in Sanaa, dem ARD-Studio Kairo: "Es ist für uns oft schwer wegen der andauernden Kämpfe und Luftangriffe, bestimmte Gebiete zu erreichen und dort ungefährdet Wasser und Lebensmittel zu verteilen."

Auch habe die Organisation oft Probleme, Gebiete zu erreichen, weil sie Genehmigungen brauche, um diese Gebiete aufzusuchen. "Manchmal werden sie uns verwehrt, aus unterschiedlichen Gründen", sagt Brent. Das seien schon vor Covid-19 die größten Herausforderungen gewesen und sie dauerten an.

30.000 Menschen bereits gestorben

Hinzu kommt die mangelhafte Gesundheitsversorgung: Viele Menschen sind krank oder verwundet, können sich aber keine Medikamente leisten. Auch das Geld für den Transport in eine Klinik können nur wenige Menschen aufbringen, vor allem in den abgelegenen, bergigen Gegenden. Das Gesundheitssystem ist völlig überlastet, viele Einrichtungen sind durch den Krieg beschädigt oder zerstört.

Zu Beginn des Jahres wurden schwer kranke Menschen vom Flughafen in Sanaa zur Behandlung nach Jordanien und Ägypten ausgeflogen. "Wir schätzen, dass während des Krieges bis zu 30.000 Menschen gestorben sind, weil sie nicht im Ausland behandelt werden konnten", sagt Brent. Das gehe jetzt unter Covid-19 so weiter, weil der Flughafen wieder geschlossen sei. "Die Lösung für all das ist: den Konflikt zu beenden." Neben dem Geld sei das das Wichtigste, was Hilfsorganisationen brauchten, um den Bedürfnissen im Jemen gerecht zu werden.

Saudis sind wichtige Geldgeber

Knapp zweieinhalb Milliarden Dollar wollen die Vereinten Nationen heute während einer virtuellen Geberkonferenz sammeln, um wichtige Hilfseinsätze von Juni bis Dezember zu finanzieren. Zum ersten Mal ist Saudi-Arabien Co-Ausrichter. Das Königreich war in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Geldgeber für UN-Hilfsoperationen im Jemen. In diesem Jahr werde Saudi-Arabien eine halbe Milliarde Dollar für die UN-Programme bereitstellen, erklärte der saudische Botschafter im Jemen. Wie viel Geld das Königreich für den Krieg im Jemen ausgibt, sagte er nicht.

Dieser Beitrag lief am 02. Juni 2020 um 05:17 Uhr im Deutschlandfunk.