Männer, die die Huthi-Miliz unterstützen, mit Gewehren

Jahrelanger Krieg Jemen - Konflikt ohne Ende?

Stand: 16.08.2016 03:50 Uhr

Wieder wurde ein Krankenhaus im Jemen bei einem Luftangriff getroffen. Wieder gab es Tote. Wer kämpft im jemenitischen Bürgerkrieg eigentlich gegen wen und warum? Und welche Rolle spielt Saudi-Arabien?

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Es ist eine erneute Kriegserklärung: Abdrabbo Mansour Hadi, der gewählte Präsident des Jemen, hat seinen Vertreter in die Nähe der Hauptstadt Sanaa entsandt.

Sein Vize Ali Mohsin al-Ahmar posierte dort vor arabischen Kameras - in Uniform und mit Kalaschnikow. Dazu erklärte Ahmar, er persönlich werde jetzt den Kampf gegen die Huthis und deren Verbündete führen, die die Hauptstadt des Jemen halten. "Ich danke Euch und mahne alle zu mehr Geduld, mehr Standhaftigkeit, mehr Willen und mehr Kraft. Eure Standhaftigkeit und Euer Wille geben den Bürgern überall hierzulande den Kampfgeist, den sie brauchen, um eine Erhebung gegen die Huthi-Putschisten im ganzen Land zu führen."

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Ein Machtkampf

Im Herbst 2014 hatten die Huthis, ein Clan, der im Nord-Jemen sein Stammland hat und sich von der Führung des Landes ausgegrenzt fühlte, einen Eroberungsmarsch angetreten. Ihnen schlossen sich Anhänger von Ali Abdallah Saleh an, Ex-Präsident des Jemen, der 2011 durch Massenproteste nach 34 Jahren zum Rücktritt gezwungen worden war.

Zuerst nahm diese Allianz die Hauptstadt Sanaa ein, schon bald darauf auch die Hafenstadt Aden im Süden des Landes. Dann sprangen Saudi-Arabien und eine Reihe weiterer Staaten Präsident Hadi bei. Sie starteten die Operation "Wiederherstellung der Hoffnung": Luftangriffe gegen die Huthis, um den von der internationalen Gemeinschaft anerkannten Hadi wieder in den Präsidentenpalast zu bringen.

Das Hauptargument dieser arabischen Koalition: Die Huthis seien Putschisten - schiitische Putschisten - unterstützt vom ebenfalls schiitisch beherrschten Iran. Und der ist der Hauptgegenspieler der Saudis im Nahen Osten.

Binnenflüchtlinge in Jemen
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80 Prozent der Menschen im Jemen sind wegen des Krieges auf Hilfe angewiesen, auch diese Mutter und das Kind, die in einem jemenitischen Flüchtlingslager leben.

Zweieinhalb Millionen Menschen auf der Flucht

Im Laufe der Monate wurden die Huthis in einigen Gebieten zurückgedrängt. Aber die Hauptstadt Sanaa kontrollieren sie nach wie vor. Derweil leidet die Bevölkerung: Zweieinhalb Millionen Menschen sind auf der Flucht, nach Angaben von Hilfsorganisationen sind fast 80 Prozent der Jemeniten auf humanitäre Unterstützung angewiesen.

Ergebnislose Friedensverhandlungen

Deshalb setzten die Vereinten Nationen auf Friedensgespräche. Ab April wurde in Kuwait drei Monate lang verhandelt. Zäh. So zäh, dass die Huthis Ende Juli verkündeten, der Jemen werde fortan von einem Rat beherrscht, in dem Hadis Leute nicht vorgesehen waren. Vor etwas mehr als einer Woche wurden die Gespräche dann ausgesetzt. Für zunächst einen Monat - wie es heißt. Die arabische Koalition unter der Führung von Saudi-Arabien nahm die Luftangriffe gegen die Huthis wieder auf. "Wir setzen die Operation 'Wiederherstellung der Hoffnung' im Jemen fort. Im Rahmen dieser Operation unterstützen wir militärisch die Kampfhandlungen der jemenitischen nationalen Armee innerhalb des Staatsgebiets", sagte der Sprecher der Koalition, Ahmed Asseri.

Hilfsflüge sind wieder erlaubt

Die Konsequenz: Der Flughafen von Sanaa wurde im Zuge der Luftangriffe geschlossen. Immerhin teilte gerade die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition mit, der internationale Flughafen von Sanaa könne ab sofort wieder für humanitäre Flüge genutzt werden. Die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen können Sanaa wieder anfliegen. Aber die Militärkoalition erklärte auch: Um die Sicherheit der Flughafenmitarbeiter garantieren zu können, müsse sie vorab über die Hilfslieferungen informiert werden, jeder Flug müsse einzeln genehmigt werden.

Dieser Beitrag lief am 16. August 2016 um 06:46 Uhr im Deutschlandradio.

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