Ein im Jahr 2013 gefangener Zwergwal wird in einem Netz auf ein japanisches Schiff geladen. | Bildquelle: dpa

Austritt aus Kommission Japan will wieder auf Walfang gehen

Stand: 26.12.2018 07:59 Uhr

Mehr als 30 Jahre lang hatte Japan den Walfang eingestellt. Doch nun will das Land aus der Internationalen Walfangkommission aussteigen und die Jagd 2019 wieder aufnehmen.

Von Martin Fritz, ARD-Studio Tokio

Nach 67 Jahren verlässt Japan die Konvention für die Regulierung des Walfangs. Damit reagiert die japanische Regierung darauf, dass die Kommission im September die Aufhebung des inzwischen seit 32 Jahren geltenden Fangmoratoriums abgelehnt hatte.

Japan hatte den Antrag gestellt, das Moratorium zu lösen: 27 Mitgliedsländer der Internationalen Walfangkommission (IWC) stimmten dafür, aber 41 dagegen. Daraufhin kritisierte der japanische Verhandlungsführer Hideki Moronuki, die Kommission erfülle ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr, nämlich die nachhaltige Nutzung der Walressourcen zu regeln:

"Bei der letzten Kommissionssitzung haben wir festgestellt, dass der Neustart des Walfangs weder aus wissenschaftlichen noch irgendwelchen anderen Gründen abgelehnt wurde, sondern einfach nur, weil diese Nationen dagegen sind."

"Wale im Überfluss"

Mehr als 30 Jahre lang habe sich Japan in der Walfangkommission engagiert und sich um annehmbare Lösungen für alle Mitgliedsstaaten bemüht, teilte die japanische Regierung mit. Inzwischen seien einige Walarten im Überfluss vorhanden. Dennoch habe die Kommission nicht einmal erwogen, das Fangverbot anzupassen. Außerdem nutze Japan Wale seit Jahrhunderten in vielfältiger Weise. Japans Regierung will aber dennoch einen Beobachterstatus in der IWC behalten.

Der Austrittsbeschluss wurde von der Umweltschutzorganisation Greenpeace als "hinterhältig" kritisiert. Eine Sprecherin von Greenpeace Japan, Akiko Tsuchiya, sagte:

"Das ist ein schwerer Fehler, der nicht im Einklang mit dem Rest der Welt steht. Diese Abfuhr des Multilateralismus ist nicht hinzunehmen. Zugleich darf man nicht vergessen, dass Japans Fangflotte in den letzten Jahren die Befunde des Internationalen Gerichtshofes ignoriert hat."

Forschung als Schlupfloch genutzt

Damit spielt Greenpeace auf den umstrittenen Fang von jährlich 333 Zwergwalen im Südpazifik an, den Japan als wissenschaftliche Forschung deklariert hat. Dies war ein legales Schlupfloch im Moratorium, das Japan seit 1987 nutzt hatte. Nun wird dieses Programm beendet.

Gejagt werden soll ab Juli kommenden Jahres in den japanischen Hoheitsgewässern und im Nordpazifik. Dort fing Japan bisher, offiziell ebenfalls aus Forschungsgründen, 130 Seiwale und 170 Zwergwale. In diesen Gebieten will Japan nun alle Walarten jagen, deren Bestände nicht gefährdet sind.

Das Kalkül dahinter: Werden mehr Wale gefangen, steigt das Angebot an Walfleisch in Japan und damit der Konsum. Bisher kam nur das Walfleisch aus der wissenschaftlichen Jagd in den Handel. Doch trotz zusätzlicher Importe stagnierte der Verbrauch bei 5000 Tonnen jährlich. Die meisten Japaner essen kein Walfleisch. Bliebe der Konsum so niedrig und fänden sich keine anderen Abnehmer, dürfte sich die teure Hochseejagd auf Wale kaum rechnen. Dann bliebe Japan nur die traditionelle Jagd direkt vor den Küsten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Dezember 2018 um 04:43 Uhr.

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