Brasliens neu gewählter Präsident Jair Bolsonaro | Bildquelle: AP

Regierung in Brasilien Bolsonaro holt Star-Richter ins Kabinett

Stand: 30.10.2018 05:16 Uhr

Im ersten Interview seit seinem Wahlsieg kündigt Brasiliens kommender Präsident Bolsonaro an, den prominentesten Korruptionsermittler des Landes zum Justizminister zu machen. Der Richter hatte auch Ex-Präsident Lula verurteilt.

Der neu gewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro will den prominentesten Korruptionsermittler des Landes zu seinem Justizminister machen. Er werde Richter Sergio Moro den Posten in seinem Kabinett anbieten, sagte der Rechtextremist im ersten Fernsehinterview seit seinem Wahlsieg.

Moro hat als Untersuchungsrichter die Ermittlungen zu "Lava Jato" (Autowäscherei) - dem größten Korruptionsskandal Lateinamerikas - maßgeblich vorangetrieben. Im vergangenen Jahr verurteilte er Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in erster Instanz wegen Bestechlichkeit zu einer Freiheitsstrafe.

Wut vieler Brasilianer

Am Sonntag war Bolsonaro zum Präsidenten gewählt worden. Die Wut vieler Brasilianer über die weit verbreitete Korruption hatte maßgeblich zum Erfolg des Ex-Militärs beigetragen. In der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas sind Politiker über alle Parteigrenzen hinweg in Schmiergeldaffären verwickelt. Jahrelang war es in Brasilien üblich, dass Unternehmen Millionenbeträge an Politiker und Funktionäre zahlen mussten, um an lukrative öffentliche Aufträge zu kommen.

Sein erstes Interview gab Bolsonaro dem Fernsehsender Record TV, der der evangelikale Universalkirche des Reichs Gottes gehört. Die erzkonservativen Freikirchen hatten Bolsonaro im Wahlkampf massiv unterstützt. Mit seiner Ablehnung von Homoehe und Abtreibung sowie seiner Werbung für traditionelle Familienwerte liegt der künftige Präsident ganz auf der Linie der Evangelikalen.

Für ein liberales Waffenrecht

In dem Interview verteidigte Bolsonaro auch seine Pläne, das Waffenrecht zu liberalisieren. "Wenn in diesem Fernsehstudio drei oder vier bewaffnete Personen wären, würde kein Verrückter hereinkommen, um böse Dinge zu tun", sagte er. "Mehr noch als das eigene Leben schützen Waffen die Freiheit des Volkes."

Als der Interviewer ihn fragte, ob mehr Waffen nicht auch zu mehr Gewalt führen würden, blaffte Bolsonaro ihn an: "Dann können wir auch Autofahren verbieten."

63.000 Tote in einem Jahr

Brasilien leidet unter einer Welle der Gewalt: Im vergangenen Jahr wurden über 63.000 Menschen getötet. Zum Vergleich: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr etwa 730 Tötungsdelikte.

Gerade in den Favelas sind viele Waffen im Umlauf. Halbstarke mit Schnellfeuergewehren bewachen dort die Reviere der Drogenbanden. "Wenn jemand Böses tun will, kann er sich leicht eine Waffe auf dem Schwarzmarkt besorgen", sagte Bolsonaro. "Wir sollten uns von dem politisch Korrekten verabschieden."

Bolsonaro hatte zuletzt immer wieder mit rassistischen Kommentaren, extremistischen Parolen und seiner Bewunderung für die Militärdiktatur provoziert. Kritiker halten ihn für eine Gefahr für die noch junge Demokratie in Brasilien. Seit seinem Wahlsieg gibt er sich zurückhaltend. "Die Opposition ist immer willkommen und die freie Meinungsäußerung ist heilig", sagte er nun in dem Interview.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2018 um 06:00 Uhr.

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