Autos fahren an einem mit Lichtern geschmückten Weihnachtsbaum auf der Piazza Venezia in Rom vorbei. | picture alliance/dpa/AP
Reportage

Corona in Italien "Ein seltsames Weihnachten"

Stand: 21.12.2020 10:49 Uhr

Keine Mitternachtsmetten, kein Essen in großer Gemeinschaft: Corona prägt die Weihnachtszeit in Italien. Die Angst vor einer weiteren Welle ist groß, aber die Hoffnung auf bessere Zeiten auch.

 Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Auf dem Trionfale-Markt im römischen Stadtviertel Prati bekommt man alles für ein gutes Essen: Gemüse, Gewürze, Fisch, Fleisch. Hinter einer Fleischtheke steht Domingo. Viele Vorbestellungen sind schon bei ihm eingegangen. Am Weihnachtstag essen die Italienerinnen und Italiener gern Fleisch.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Auch ein paar Schritte weiter ist einiges los. Maria kennt die Vorlieben ihrer Kunden für den Heiligen Abend: "Am gefragtesten ist gebackener Seebarsch, Calamari und gekochter Oktopus." An Heiligabend wird nur Fisch serviert.

Auf den ersten Blick wirkt auf dem Markt vieles wie sonst - aber das täuscht. "Weihnachten wird ruhig sein in diesem Jahr", sagt ein Mann. Alles sehr nüchtern. Ohne viel Prunk. "Es gibt sehr viele Menschen, die Schwierigkeiten haben", meint eine Frau.

Eine andere sagt: "Wenn es nach meiner Stimmung ginge, würde ich in Anbetracht dessen, was passiert, absolut nichts machen. Es gibt so viele Kranke und so viele Tote. Und so viele Familien, die leiden."

Die Angst vor einer neuen Welle ist groß

Die Corona-Pandemie hatte Italien besonders früh und besonders heftig erwischt. Die Menschen sind seit Monaten an strenge Vorschriften gewohnt. Die Neuinfektionen sind zwar etwas zurückgegangen, aber die Angst vor einer dritten Welle ist überall zu spüren. Das wirkt sich natürlich auch auf Weihnachten aus, das die Italienerinnen gerne in großer Gemeinschaft feiern. Doch gerade das ist nicht möglich.

"Es ist ein seltsames Weihnachten", sagt ein Mann. "Man ist zuhause eingeschlossen und wartet darauf, dass sich etwas ändert, dass die Krise vorbeigeht."

Kommunikation über das Internet

Da, wo Märkte oder Veranstaltungen nicht mehr möglich sind, behilft man sich über das Internet. Traditionell wird in Italien zum 8. Dezember der Weihnachtsbaum aufgestellt, in den Familien, aber auch als Event in den großen Städten, wenn er dann erleuchtet wird. Menschenmengen kommen dafür üblicherweise zusammen und feiern begeistert. Dieses Jahr gibt es dafür Streaming im Netz. Die beliebte Beleuchtung funktioniert aber auch in Corona-Zeiten. Überall blinkt und glitzert es.

An der Cinque-Terre-Küste in Ligurien ist auf den Felskuppen eine der weltweit größten Weihnachtskrippen wieder aufgebaut worden. Tausende kleine Glühbirnen zeichnen dort die Umrisse von Maria, Josef, dem Jesukind und vielen weiteren Krippenfiguren nach.

Neue Figuren in der Krippe

Nun kam eine Neuheit hinzu, erzählt Fabrizio Andreotti von der Krippenvereinigung in Manarola: "Es sind zwei Figuren, die das Pflegepersonal darstellen. Die Krippe wird dieses Jahr ihnen und all denen gewidmet, die in diesem so schwierigen Jahr dazu beigetragen haben, dass wir möglichst gut davonkommen."

Auch Krippenbauer Marco Ferrigno in Neapel hat sich auf Corona eingestellt. Eine Kundin bestellte Figuren mit Maske. Normalerweise würden sich die Menschen durch sein Geschäft schieben, die Krippe liegt den Italienerinnen und Italienern besonders am Herzen. Es ist schwer in diesen Tagen. Glücklicherweise bekomme er viele Bestellungen online.

"Wir erobern Länder, die sich früher für uns nicht interessierten. Auch wenn es deutlich komplizierter ist, weil die Leute lieber kommen, die Figuren berühren, sich im Chaos tummeln und diese Besonderheit erleben wollen", sagt Ferrigno.

Krippenausstellung unter freiem Himmel

Am Petersplatz in Rom zeichnen Tonfiguren aus den Abruzzen die Heilige Geburt nach, vor 50 Jahren stand sie schon einmal hier. Wie jedes Jahr ist die 100-Krippen-Ausstellung zu sehen, dieses Mal aber wegen der Ansteckungsgefahr unter freiem Himmel.

Weihnachtskonzerte werden nicht immer abgesagt, wenn auch kein Publikum dabei sein darf. Das traditionelle Konzert im Senat, der italienischen Parlamentskammer, wird im Sender Rai übertragen, Senatspräsidentin Elisabetta Casellati erneuert ein Versprechen: "Das Versprechen, dass wir es gemeinsam schaffen werden. Und die Verpflichtung, niemanden zurückzulassen."

Ungewohnte Feiertage ohne Großfamilie

Gerade für Kinder werden es ungewohnte Feiertage werden. Normalerweise kommt die ganze Großfamilie zusammen. Doch der Weihnachtsmann, so hatte Regierungschef Conte über Facebook schon im November einem Fünfjährigen versichert, dürfe reisen und habe dafür sogar eine Sondergenehmigung. So kann der Weihnachtsmann am Heiligabend oder am Weihnachtstag kommen und die Geschenke bringen.

Irgendwie wird es gehen

Am 6. Januar dreht dann "Befana" ihre Runden, sie hat inzwischen vor allem Süßes im Gepäck. Bis zu diesem Tag leben die Menschen in Italien unter verschärften Corona-Regeln, gerade die Möglichkeit, sich gegenseitig zu besuchen, ist stark eingeschränkt. Doch irgendwie wird es gehen, das meint jedenfalls diese Frau: "Jetzt warten wir erst mal auf Weihnachten, das ist dann schon ein Schritt voran. Frohe Weihnachten. Allen! Und von Herzen!

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Dezember 2020 um 10:00 Uhr.