Blick auf einen leeren Schulhof in Italien | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/Shutterstoc

Coronavirus in Italien Wohin mit den Bambini?

Stand: 06.03.2020 13:30 Uhr

Wer betreut die Bambini in Italien, wenn Schulen und Kindergärten wegen des Coronavirus geschlossen sind und die Eltern arbeiten? Die Regierung sucht Lösungen, auf privater Ebene gibt es Initiativen.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Wer momentan in einen römischen Bus steigt, merkt gleich: Es ist leerer als sonst. Die Schulkinder und ihre Eltern fehlen. Die Pausenhöfe sind verwaist – dafür spazieren gegen Mittag statt Touristen Gruppen von Jugendlichen durch die Stadt. Es sind Schüler die frei haben. Raus dürfen sie ja noch, Rom steht nicht unter Quarantäne.

Bis zum 15. März sollen Schulen, Kindergärten und Universitäten wegen des Coronavirus erst einmal bleiben. Verlängerung nicht ausgeschlossen. Eine Maßnahme, die viele Eltern verstehen können: "Ich glaube, man hätte Schulen, Büros, alle Orte, wo viele Menschen zusammenkommen, schon früher schließen müssen für zehn, 15 Tage. Das ist sicher eine gute Präventionsmaßnahme, aber sehr schwierig für uns Eltern. Denn wir arbeiten alle, deshalb wird das ein Problem."

Babysittergutscheine oder Sonderurlaub?

Die Regierung überlegt, Babysittergutscheine auszugeben oder bezahlten Sonderurlaub für Eltern einzuführen. Umgesetzt ist das aber noch nicht. Und deswegen schicken viele verzweifelte Eltern ihre Kinder zu Oma und Opa, obwohl das Coronavirus gerade für ältere Menschen gefährlich werden kann.

In anderen Fällen sind die Eltern gezwungen, Urlaub zu nehmen, der ihnen dann im Sommer fehlen wird. Italienische Kinder haben dann rund drei Monate Ferien. Diesen Eltern will Marianna Santoro helfen, wenigstens einigen von ihnen: Sie leitet eigentlich eine private Kinderbetreuung im römischen Stadtteil Monteverde Nuovo, die musste jetzt wegen des Coronavirus schließen.

Kinderbetreuung gratis

Santoro ist also zuhause und hat Zeit. Daher hat sie den Eltern angeboten, ihre Kinder bei ihr vorbeizubringen, sie passt auf - selbstverständlich gratis: "Ich weiß, dass die, die arbeiten, ein ernsthaftes Problem haben. Ich nehme Schulkinder auf, weil ich ein großes Haus habe."

Etwa zehn Kinder sind derzeit bei ihr, die Eltern holen und bringen sie, wie es mit der Arbeit gerade geht. Und Santoros Tochter Chiara freut sich über den Besuch, ihre Grundschule ist ja auch geschlossen: "Wenn ich daheim bin, langweile ich mich. In der Schule habe ich wenigstens was gemacht, da habe ich Freunde getroffen. Weil jetzt die anderen Kinder aus der Betreuung von Mama da sind, spiele ich mit ihnen."

Angst vor Ansteckung hat Santoro nicht. Sie findet die Schulschließungen sowieso übertrieben: "Ich glaube nicht, dass das viel Sinn hat. Vor allem, weil es zehn Tage sind. Das ändert nichts. Das ist auch nicht die Quarantänezeit, die die Krankenhäuser empfehlen."

Anders sieht das Mariangela Caprara. Sie hat lange in Deutschland gelebt und ist jetzt Lehrerin in Florenz, unterrichtet Latein und Griechisch an einem Gymnasium: "Für mich hat es einen Sinn, weil der Kontakt zwischen Schülern und Lehrern wirklich eng ist. Die Schulen in Italien sind manchmal in alten Gebäuden und die Klassenzimmer eng. Da ist es wirklich schwierig, den Kontakt zu vermeiden."

Schlechte Netzverbindungen

Sie sieht aber ein anderes Problem: Die Lehrer bei ihr in der Toskana sind dazu aufgerufen, mit ihren Schülern in Kontakt zu bleiben, online Schulmaterial bereitzustellen, damit die Jugendlichen weiter lernen können. Für Caprara ist das kein großes Problem. In Latein arbeitet sie ohnehin mit einer Lernplattform.

Nur können ihre Schüler jetzt nicht Computer und Wlan in der Schule nutzen: "Schüler kommen aus verschiedenen Orten. Das heißt, wer im Umland oder in den Bergen wohnt, hat nicht immer einen funktionierenden Internetanschluss. Und man kann nicht sicher sein, dass sie ein Tablet haben oder ein Smartphone mit einer guten Verbindung."

Sie schlägt etwas anders vor: Die Schüler sollen einfach zuhause bleiben, lesen, sich ausruhen, Kraft tanken. Eine Pause vom üblichen Rhythmus wäre gar nicht so schlecht, findet sie. Auch, weil in den vergangenen Wochen sowieso so viele Schüler krank waren. Es ist schließlich Erkältungszeit.

Coronavirus in Italien - Auswirkungen der Schulschließungen
Lisa Weiß, ARD Rom
06.03.2020 11:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 06. März 2020 um 12:23 Uhr.

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