Der Nachtclub Reina in Istanbul nach dem Anschlag | AP

Nach Anschlag in Istanbul Neue Details zum Todesschützen

Stand: 04.01.2017 12:35 Uhr

Bei der Suche nach dem flüchtigen Todesschützen von Istanbul haben die Ermittler Fortschritte erzielt. Unterdessen hat sich der türkische Präsident Erdogan in einer Live-Ansprache erstmals nach dem Anschlag auf den Club "Reina" an die Nation gerichtet.

Die Identität des flüchtigen Attentäters von Istanbul ist offiziellen Angaben zufolge geklärt. Das bestätigte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem Fernsehinterview, ohne nähere Angaben zu machen. Der Sender CNN Türk hatte berichtet, der Täter komme aus Kirgistan. In Sicherheitskreisen hatte es geheißen, er verfüge über Kampferfahrung und sei möglicherweise in Syrien ausgebildet worden.

CNN Türk meldet zudem, dass in Izmir Wohnungen von Usbeken und Kirgisen durchsucht wurden. Dabei habe die Polizei 30 Pässe gefunden und 20 Verdächtige festgenommen - darunter mindestens fünf mutmaßliche Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat".

Verbindung zum "IS"?

Die festgesetzten Personen stünden im Verdacht, in das Neujahrs-Attentat auf den Istanbuler Nachtclub "Reina" verwickelt zu sein, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Am Vortag hatten die Behörden Fahndungsbilder des mutmaßlichen Attentäters veröffentlicht. Die Ermittler schließen Berichten zufolge nicht aus, dass der Mann mit der mutmaßlichen IS-Zelle zusammenhängt, die im vergangenen Juni den dreifachen Selbstmordanschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen mit 47 Toten verübt haben soll.

Fahndungsfoto des Hauptverdächtigen des Attentats von Istanbul | dpa

Die Polizei hat dieses Fahndungsfoto veröffentlicht. Bild: dpa

Erdogan mahnt Zusammenhalt an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ermahnte seine Mitbürger derweil zu Stärke und Zusammenhalt. Der Angriff auf den Nachtclub in der Silversternacht mit mindestens 39 Toten ziele darauf ab, die Türken gegeneinander aufzuwiegeln, aber das Land werde dem nicht nachgeben, sagte Erdogan in Ankara. Es war seine erste Live-Ansprache an die Nation seit dem Anschlag.

Erdogan versicherte, die Lebensweise von niemandem in der Türkei sei irgendeiner Bedrohung ausgesetzt.

Türkei verlängert Ausnahmezustand

Am Dienstagabend hatte die Türkei den geltenden Ausnahmezustand bis zum 19. April verlängert. Das Parlament in Ankara stimmte dem Antrag der Regierung auf Verlängerung zu. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus begründete den Antrag während der emotional geführten Debatte unter anderem mit anhaltenden terroristischen Angriffen.

Erdogan hatte den Ausnahmezustand kurz nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 ausgerufen. Nach der ersten Verlängerung vom Oktober würde er in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar eigentlich auslaufen.

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul.

Über dieses Thema berichtete u.a. tagesschau24 am 04. Januar 2017 um 10:00 und 15:30 Uhr.