Rakatenbeschuss von Damaskus aus gesehen. | Bildquelle: REUTERS

Nach Raketenbeschuss auf Golan Israel greift iranische Ziele in Syrien an

Stand: 10.05.2018 07:32 Uhr

Seit Tagen warnten israelische Geheimdienste davor - jetzt haben iranische Truppen in Syrien offenbar Stellungen auf dem Golan mit Raketen beschossen. Israel reagierte mit Angriffen auf Ziele in Syrien.

Die israelischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben in der vergangenen Nacht Dutzende iranische Ziele in Syrien attackiert. Militärsprecher Jonathan Conricus sagte am Morgen, es handele sich um Vergeltungsaktionen für vorangegangene Raketenangriffe iranischer Al-Quds-Brigaden in Syrien auf israelische Stellungen auf den Golanhöhen. Syrische Luftabwehrsysteme hätten mit dem Einsatz von Dutzenden Flugabwehrraketen reagiert, doch sei kein israelisches Flugzeug zu Schaden gekommen. "Wir haben die Syrer gewarnt, sich nicht einzumischen, aber sie haben es trotzdem getan", so Conricus.

Den Raketenbeschuss durch die Al-Quds-Einheiten bezeichnete Conricus als deren "gravierendsten Versuch" einer Attacke auf Israel. Zuvor hatte das israelische Militär von 20 Geschossen gesprochen, die auf die Golanhöhen abgefeuert worden seien. Vier der Raketen seien abgefangen worden, hieß es.

Selten Erklärungen zu militärischen Einsätzen

Der Angriff auf die Golanhöhen sei von Ghassem Sulejmani, einem Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, angeordnet worden, sagte Conricus. Er spiegele die "Dreistigkeit" der Quds-Brigaden. "Sie haben heute Nacht schon einen hohen Preis gezahlt." Sie würden wieder dafür bezahlen, sollten sie Israel wieder angreifen. Die israelischen Luftangriffe gehörten zu den "größten, die Israels Armee gegen iranische Ziele unternommen hat".

Israel gibt sehr selten Erklärungen zu militärischen Einsätzen ab.

Syrische Staatsmedien meldeten, die Angriffe seien eine Antwort auf israelische Attacken gewesen. Sie erfolgten einen Tag nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran und dem Besuch von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser hatte angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran zu einer Lösung des Konflikts aufgerufen.

Luftabwehr über Damaskus | Bildquelle: dpa
galerie

Luftabwehr über Damaskus. Syrien macht Israel für die Luftangriffe verantwortlich, das sich traditionell nicht zu Einsätzen äußert.

Radarstationen, Luftabwehrstellungen und Waffenlager getroffen

In den Berichten der syrischen Staatsmedien hieß es, dass zahlreiche Raketen Ziele in der südwestsyrischen Provinz Quneitra getroffen haben. Die syrische Staatsagentur Sana berichtete, die Raketen seien von den Golanhöhen abgefeuert worden und unter anderem in der Stadt Al-Baath eingeschlagen. Sana zitierte einen syrischen Offizier mit den Worten, israelische Raketen hätten Radarstationen, Luftabwehrstellungen und ein Waffenlager getroffen. Die meisten Geschosse seien aber abgefangen worden. Nach israelischen Angaben wurden Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen.

Nach Darstellung syrischer Militärs wurden im Morgengrauen zudem nicht näher genannte Ziele bei Kiswa südlich von Damaskus mit Raketen angegriffen. Israel bestätigte, das Militär habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Dies habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden, sagte Conricus.

Schon in der Nacht zu Mittwoch war ein mutmaßlicher israelischer Raketenangriff auf Ziele in Syrien gemeldet worden. Dabei kamen nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens 15 Menschen ums Leben. Der Angriff habe einem Waffenlager der iranischen Revolutionsgarden gegolten.

Israelische Soldaten platzieren Luftschutzbunker auf dem Golan | Bildquelle: dpa
galerie

Wegen der Warnungen installierten israelische Soldaten in den vergangenen Tagen Luftschutzanlagen.

Israelischer Soldat vor Panzern an der Grenze zu Syrien | Bildquelle: ATEF SAFADI/EPA-EFE/REX/Shutters
galerie

Die Armee zog an der Grenze zu Syrien Einheiten zusammen.

Israel war vorbereitet

Israel rechnete seit Tagen mit einem baldigen Angriff Irans auf seine Nordgrenze und hat deshalb die Sicherheitsvorkehrungen in Teilen Nordisraels und besonders auf den Golan-Höhen verschärft. Die Armee wies nach der Beobachtung "ungewöhnlicher Aktivitäten" iranischer Truppen in Syrien am Dienstag auch den Zivilschutz an, Schutzbunker für die Zivilbevölkerung zu öffnen. Zudem wurden Luftabwehrbatterien in Nordisrael stationiert und einige Reservisteneinheiten mobilisiert.

Israelische Geheimdienste warnten vor einem iranischen Vergeltungsangriff auf Israel für einen Luftangriff, bei dem am 9. April in Syrien sieben iranische Militärangehörige getötet worden waren. Syrien und der Iran machen Israel dafür verantwortlich.

Israel hatte angekündigt, den Aufbau einer dauerhaften iranischen Militärpräsenz nahe seiner Grenze um jeden Preis zu verhindern. Der Iran wiederum drohte Israel wiederholt mit Vernichtung und unterstützt die israelfeindliche Hisbollah, die vom Libanon aus operiert. Die Regierung in Teheran ist neben Russland und der Hisbollah zudem wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad. Iran entsandte Zehntausende Soldaten nach Syrien, um Assad im Bürgerkrieg zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2018 um 02:11 Uhr.

Darstellung: