Rauch und Feuer steigen über Rafah im südlichen Gazastreifen auf. | Bildquelle: AFP

Gazastreifen Israel reagiert auf Raketenbeschuss

Stand: 24.02.2020 16:38 Uhr

Die israelische Armee hat Ziele in Syrien und im Gazastreifen angegriffen. Zuvor hatten Extremisten des Islamischen Dschihad Raketen auf Israel abgefeuert. Aktivisten zufolge sind offenbar mindestens sechs Menschen getötet worden.

Die Spannungen zwischen Israel und militanten Palästinensern haben sich erneut verschärft. Die israelischen Streitkräfte flogen nach eigenen Angaben in der Nacht Attacken auf Ziele im Gazastreifen sowie in Syrien und reagierten damit auf Raketenbeschuss auf Südisrael. Die Luftangriffe hätten "Dutzenden Terrorzielen" der Gruppe Islamischer Dschihad und einer Stellung bei Damaskus gegolten, die den Extremisten gehöre, teilte das Militär mit.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, "die meisten feindlichen Raketen" seien abgeschossen worden, bevor sie ihre Ziele erreicht hätten. Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte richteten sich die Angriffe gegen Ziele nahe des internationalen Flughafens von Damaskus. Nicht nur Stellungen des Islamischen Dschihad, sondern auch der iranischen Revolutionsgarden seien attackiert worden.

Aktivisten zufolge wurden durch die israelischen Angriffe zwei Mitglieder des Islamischen Dschihad und vier pro-iranische Kämpfer getötet. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite oft kaum zu überprüfen.

Israelische Abwehrraketen im Einsatz gegen Raketen aus dem Gazastreifen. | Bildquelle: REUTERS
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Nach Angaben des israelischen Militärs wurden mehr als ein Dutzend Raketen vom Abwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel) abgefangen.

Raketenangriff auf israelische Orte

Armee-Angaben zufolge waren zuvor aus dem Gazastreifen mehr als 20 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert worden. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit heulten in der Stadt Aschkelon und in anderen Orten im Süden Israels Alarmsirenen. Einwohner brachten sich in Schutzräumen in Sicherheit.

Mehr als ein Dutzend der Geschosse sei von der israelischen Luftabwehr abgefangen worden. Aus Sorge vor weiteren Angriffen bleiben israelische Schulen im Süden nahe dem Grenzzaun vorerst geschlossen, Großversammlungen wurden verboten.

Tod eines Palästinensers als Auslöser

Zu dem Raketenbeschuss bekannte sich die Gruppe Saraja al-Kuds, der militärische Arm des Islamischen Dschihad. Die Organisation bezeichnete diesen als Vergeltungsaktion für die Tötung eines ihrer Kämpfer an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel. Israelische Soldaten hatten den 27-Jährigen erschossen, weil er nach Armeeangaben eine Bombe legen wollte. Danach habe ein Bulldozer der israelischen Streitkräfte die Leiche des Palästinensers geborgen, sagte eine Armeesprecherin.

Palästinensische Gesundheitsbehörden und Augenzeugen gaben an, zwei weitere Palästinenser seien durch israelische Schüsse auf eine Gruppe von Menschen verletzt worden, die sich dem Gebiet genähert hätten, um die Leiche zu bergen. Die Bilder der am Bulldozer baumelnden Leiche sorgten in Gaza für Aufruhr. Muslime sahen die Behandlung als respektlos gegenüber einem Toten an. Hamas-Sprecher Fausi Barhum warf dem israelischen Militär vor, die Leiche geschändet zu haben. Es müsse daher "die Konsequenzen dieses hässlichen Verbrechens tragen".

Der israelische Verteidigungsminister Naftali Bennett sprach hingegen von einer "neuen Politik", nach der Israel Leichen von Extremisten nicht zurückgebe. Damit solle Druck auf die im Gazastreifen herrschende Hamas ausgeübt werden, damit diese die Leichen von zwei 2014 im Gaza-Krieg getöteten israelischen Soldaten zurückgibt.

Bemühungen um Feuerpause bisher ohne Erfolg

Der Islamische Dschihad und Israel hatten sich im vergangenen November heftige Auseinandersetzungen geliefert, nachdem das israelische Militär einen der Kommandeure der Extremisten getötet hatte. Seitdem versuchen Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas mithilfe von ägyptischen Vermittlern eine informelle Feuerpause zu verhandeln. Vergangene Woche kündigte Israel an, im Rahmen der Vereinbarung Hunderte weitere Arbeitserlaubnisse für Palästinenser im Gazastreifen auszustellen. Der Islamische Dschihad setzt seine Attacken allerdings fort.

Vor allem seit der Vorstellung des US-amerikanischen Nahost-Plans im vergangenen Monat ist die Lage in der Region zunehmend angespannt. Anfang Februar kam es zu mehreren Anschlägen in Jerusalem. Bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten im besetzten Westjordanland wurden zudem mindestens vier Palästinenser getötet. Zuletzt war am Samstag in Jerusalems Altstadt bereits ein Palästinenser erschossen worden, als er Polizisten mit einem Messer angreifen wollte.

Kämpfe zwischen Israel und militanten Palästinensern halten an
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
24.02.2020 17:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Februar 2020 um 09:00 Uhr und 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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