Menschen im südlichen Gazastreifen retten Habseligkeiten aus den Trümmern eines Hauses | Bildquelle: REUTERS

Nach Gewalteskalation Angeblich Waffenruhe in Nahost

Stand: 14.11.2019 08:52 Uhr

Nach zwei Tagen voller Gewalt haben sich Israel und die militante Palästinensergruppe Islamischer Dschihad angeblich auf eine Waffenruhe geeinigt. Israel wollte die Einigung allerdings nicht bestätigen.

Die militante palästinensische Gruppe Islamischer Dschihad hat sich nach eigenen Angaben mit Israel auf eine Feuerpause verständigt. Der von Ägypten vermittelte Deal sei am Morgen um 5:30 Uhr Ortszeit in Kraft getreten und solle die seit zwei Tagen anhaltenden Kämpfe beenden, teilte ihr Sprecher Mussab al-Braim mit.

"Ruhe wird mit Ruhe beantwortet", sagte Israels Außenminister Israel Katz im Armee-Hörfunk, drohte dem Islamischen Dschihad gleichzeitig aber mit Vergeltung, sollten die Extremisten erneut vom Gazastreifen aus Raketen auf israelisches Territorium abfeuern. Israel werde nicht zögern, diejenigen anzugreifen, die versuchten, es zu verletzen - ob vom Gazastreifen oder von einem anderen Ort aus.

Extremisten-Mitglied offenbar getötet

Die nun ausgehandelte Feuerpause beruhe auf einer Liste mit Forderungen, die seine Gruppe am Mittwochabend vorgelegt habe, sagte al-Braim vom Islamischen Dschihad. Unter anderem solle die seit zwölf Jahren bestehende Blockade des Gazastreifens gelockert werden. Außerdem habe Israel der Forderung zugestimmt, die gezielte Tötung von Kämpfern und die Erschießung von Demonstranten an der Grenze zum Gazastreifen einzustellen. Dem widersprach Außenminister Katz. Israel habe seine Haltung hier nicht geändert, es werde weiterhin gezielte Tötungen geben.

Augenzeugen und örtliche Medien berichteten von einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen in der vergangenen Nacht, bei dem ein weiteres Mitglied der Extremistengruppe mit seiner Familie getötet worden sein soll. Es handele sich um den Dschihad-Militärkommandeur Rasmi Abu Malhous sowie zwei Frauen und fünf Minderjährige, berichteten palästinensische Medien.

UN fordern "maximale Zurückhaltung"

Von israelischer Seite fehlt eine offizielle Bestätigung der Waffenruhe, ein Sprecher von Premier Benjamin Netanyahu wollte sich dazu nicht äußern. Auch gab es am Morgen unterschiedliche Berichte über den Stand der Kampfhandlungen. Laut Nachrichtenagentur Reuters blieb es nach der Verkündung weitgehend ruhig. Andere Medien berichteten dagegen, dass es weiteren Raketenbeschuss auf Israel gegeben habe. Laut Armee heulten die Sirenen im Grenzgebiet.

Der UN-Nahostgesandte Nikolai Mladenov rief auf Twitter alle Beteiligten zu "maximaler Zurückhaltung" auf. "Ägypten und die UN haben hart daran gearbeitet, um zu verhindern, dass die gefährlichste Eskalation in und um Gaza zu einem Krieg führt. Die kommenden Stunden und Tage werden entscheidend sein."

Auslöser war gezielte Tötung des Militärchefs

Seit zwei Tage kommt es zu einer massiven Auseinandersetzung zwischen Israel und den militanten Palästinensern. Mehr als 360 Raketen wurden nach Israel abgefeuert. In Israel wie auch im Gazastreifen wurden jeweils Dutzende Menschen verletzt, im Gazastreifen wurden mindestens 42 Palästinenser getötet.

Auslöser der Eskalation war die gezielte Tötung des Militärchefs des Islamischen Dschihads, Baha Abu Al Ata, durch die israelische Luftwaffe. Auch seine Frau kam bei dem Angriff in der Nacht zu Dienstag ums Leben. Israel griff anschließend Dutzende Ziele des Islamischen Dschihad im Gazastreifen an.

Angeblich Waffenruhe zwischen Israel und militanten Palästinensern
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
14.11.2019 06:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 14. November 2019 Deutschlandfunk um 06:45 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen" und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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