Israels Sportministerin Regev und Mohamed Bin Tha'loob Al Derai, Chef eines Sportverbandes | Bildquelle: AP

Israel und arabische Staaten "Ein Schritt in Richtung Frieden"

Stand: 08.11.2018 21:45 Uhr

Immer häufiger reisen israelische Minister in arabische Staaten. Premier Netanyahu spricht von Frieden in der Region. Beide Seiten haben einen gemeinsamen Feind, Israel bietet begehrte Technik.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Ende Oktober in Abu Dhabi. Auf einem Judo-Turnier ertönte die Hatikva, die Nationalhymne des Staates Israel. Noch vor einem Jahr hatten sich die Veranstalter im arabischen Emirat geweigert, die israelische Flagge zu hissen und die Hymne zu spielen. Nun wurde der israelische Judoka Sagi Muki geehrt, weil er eine Goldmedaille gewonnen hatte.

Neben dem Judoka stand die israelische Sportministerin Miri Regev und weinte. Regev besuchte in Abu Dhabi auch die Großmoschee. "Es ist das erste Mal, dass ein Minister des Staates Israel sich hier auf einem offiziellen Besuch befindet. Von dieser Moschee geht eine Botschaft der Brüderlichkeit und des Friedens aus. Ich möchte meinen Gastgebern für diese wunderbare Gelegenheit danken", sagte Regev.

Freundlicher Empfang

Israel unterhält nur mit zwei arabischen Staaten diplomatische Beziehungen - Ägypten und Jordanien. Da ist der Besuch von Miri Regev in Abu Dhabi etwas Besonderes. Sie ist nicht allein: Vergangene Woche war der israelische Kommunikationsminister in Dubai. Erst kürzlich traf sich Israels Premier Benjamin Netanyahu mit dem Sultan von Oman in dessen Palast.

"Es geht hier nicht mehr um Theorie", hatte Netanyahu vor seinem Abflug in den Oman gesagt. "Ziemlich viele unserer Nachbarländer reichen uns die Hände und wollen die Beziehungen normalisieren. Das ist ein Schritt in Richtung von Frieden, ermöglicht durch israelische Innovationen."

Netanyahu beim Sultan von Oman | Bildquelle: dpa
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Netanyahu beim Sultan von Oman

Ein gemeinsamer Feind

Seit Jahren ist es ein offenes Geheimnis, dass mehrere arabische Länder enge Kontakte zu Israel pflegen - abseits der offiziellen Diplomatie. Dass sie nun aber so viele israelische Minister herzlich und vor laufenden Fernsehkameras empfangen, ist eine neue Entwicklung. 

Ein Grund: Es gibt einen gemeinsamen Feind, den Iran. Nicht alle, aber viele arabische Länder sehen im Iran einen Erzfeind und eine Bedrohung für die ganze Region. In Israel sieht man das genauso.

Ein weiterer Grund für die neue Nähe: High-Tech-Produkte aus Israel sind auch in den arabischen Ländern begehrt. So sollen die Geheimdienste mehrerer Länder auf israelische Spionagesoftware vertrauen.

Der omanische Außenminister brach vor kurzem mit einer Äußerung ein einstiges Tabu: "Vielleicht ist es an der Zeit, dass Israel wie jedes andere Land ist, dass wir es wie alle anderen Länder behandeln."

Palästinenser außen vor

Der Oman unterhält enge Kontakte auch zu den Palästinensern und könnte möglicherweise Verhandlungen mit Israel ermöglichen, die es seit Jahren nicht mehr gibt. Die Palästinenser sehen die neue Nähe zwischen Israel und den arabischen Staaten allerdings äußerst kritisch. Ihre Forderung lautet: Solange Israel die Besatzung des Westjordanlandes nicht beendet und es keinen palästinensischen Staat gibt, dürfen gar keine Kontakte gepflegt werden.

Es ist ein Wunsch, dem viele arabische Staaten nicht mehr nachkommen. Seit einigen Monaten erlaubt Saudi-Arabien ausländischen Airlines, auf Flügen nach Tel Aviv den saudischen Luftraum zu nutzen. Auch das war jahrzehntelang undenkbar.

Der israelische Verkehrsminister Israel Katz arbeitet derweil an einem möglichen Megaprojekt: "Wir nennen unsere Initiative 'Strecken für den regionalen Frieden'. Wir wollen mit einer Zuglinie die Golfstaaten und Jordanien mit Israel und dem Mittelmeer verbinden."

Der israelische Verkehrsminister sagte das in dieser Woche im israelischen Radio, während er sich im Oman befand. Es war ein weiterer Besuch eines israelischen Ministers, der noch vor Jahren unmöglich gewesen wäre.

Ein großer Flirt - Israels Verhältnis zur arabischen Welt
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
08.11.2018 21:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2018 um 08:39 Uhr.

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