IS-Miliz

Europol-Einsatz Schwerer Schlag gegen IS-Propaganda

Stand: 27.04.2018 16:25 Uhr

Ermittler haben der Propaganda-Maschine der Terrormiliz IS einen schweren Schlag zugefügt. Verschiedene Online-Kanäle seien massiv gestört und teilweise komplett sabotiert worden, teilte Europol mit.

Polizeibehörden in Nordamerika und der EU haben nach eigenen Angaben in einer gemeinsamen Aktion die Propaganda-Kanäle der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) weitgehend lahmgelegt. Damit sei es gelungen, den "Propaganda-Möglichkeiten" des IS "einen schweren Schlag zu versetzen", sagte Europol-Chef Rob Wainwright in Den Haag. Hauptziel des Einsatzes war die IS-Agentur Amak, die häufig Erklärungen der Terrororganisation verbreitet.

Wainwright nannte die zweitägige Aktion in einer Mitteilung "bahnbrechend" für die Einschränkung der IS-Propaganda im Internet, auch wenn es die Ermittler nicht schafften, die gesamte Propaganda des IS zu unterbinden. Dennoch werde die Radikalisierung junger Menschen in Europa dem IS so erschwert, sagte Wainwright.

Neben Amak waren weitere Medienkanäle Ziel der Ermittler. Beispiele sind Radio al-Bayan sowie die Nachrichtenseiten "Halumu" und "Nashir". "Nashir" war jedoch auch nach der Aktion noch in der Lage, Stellungnahmen des IS und Berichte von Amak auf dem russischen Messenger-Dienst Telegram zu teilen.

Daten zur Identifizierung von Hintermännern

Nationale Polizeieinheiten beschlagnahmten am Mittwoch und Donnerstag Server in den Niederlanden, Kanada und den USA sowie Datenmaterial in Bulgarien, Frankreich und Rumänien. Eine britische Anti-Terror-Einheit identifizierte Büros zur Registrierung für Internet-Domains, die vom IS missbraucht worden waren.

Der Einsatz wurde von Europols Hauptsitz in Den Haag aus koordiniert und von der EU-Justizbehörde Eurojust unterstützt. Die Ermittler erwarten, dass die bei der Aktion sichergestellten Daten zur Identifizierung von Hintermännern sowie anderer radikalisierter Personen führen werden.

Ein Anhänger der Terrorgruppe "Islamischer Staat" in Syrien.
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Ein Anhänger der Terrorgruppe "Islamischer Staat" im Jahr 2014 in Syrien. Bilder wie dieses verbreitet der IS im Internet.

Kampagne bereits 2015 gestartet

Die Aktion war Bestandteil einer im Jahr 2015 gestarteten Kampagne. Bereits damals hatte Europol vor Amak gewarnt und auf die "technische Widerstandsfähigkeit" der extremistischen Online-Infrastruktur verwiesen.

Bereits im Juli 2017 hatten spanische Ermittler mehrere IS-Server lahmgelegt und dabei radikalisierte Personen in mehr als 100 Ländern identifizieren können.

Der IS nutzte Amak im Jahr 2016 unter anderem dafür, sich zu den tödlichen Anschlägen im Nahen Osten, in Paris, Brüssel, Barcelona und Berlin zu bekennen. Auch das Attentat in einem Supermarkt im südfranzösischen Trèbes im März, bei dem vier Menschen getötet wurden, hatte der IS via Amak für sich reklamiert.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. April 2018 um 12:24 Uhr.

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