Zu Besuch bei Freunden: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman im Weißen Haus bei US-Präsident Trump. | Bildquelle: dpa

USA und Saudi-Arabien Trump will zurück in die Vergangenheit

Stand: 21.04.2018 05:30 Uhr

Präsident Trump sucht den Schulterschluss mit Saudi-Arabien. Auch sonst bricht er mit der Politik seines Vorgängers. Er will zurück in die Zeit, als die USA im Nahen Osten Führungsmacht waren.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

In Washington heißt es, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman verstehe es am besten, die Eitelkeit von US-Präsident Donald Trump zu bedienen. Anfang März empfing Trump den Thronfolger im Weißen Haus - mit neuen saudischen Milliardenaufträgen für Fregatten, Panzer, Munition und Transportflugzeuge.

Ganz ohne Zurückhaltung lobt Trump die absolute Monarchie. Seine erste Auslandsreise als Präsident ging nach Saudi-Arabien. Trump sucht die Verbindung zu alten Verbündeten - wie eben dem saudischen Königshaus. Damit bricht er mit der Politik seines Vorgängers Barack Obama und beendet die Annäherung an den Iran.

Emir Tamim bin Hamad al-Thani - hier mit US-Präsident Trump | Bildquelle: AP
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Im Mai 2017 traf Emir Tamim bin Hamad Al-Thani US-Präsident Trump. Danach verschlechterte sich das Verhältnis der Länder - trotz einer US-Militärbasis in dem Emirat.

Trump unterstützte die Regierung in Riad zunächst auch im Konflikt mit dem Emirat Katar. Mehrere Golfstaaten werfen Katar vor, Terror zu unterstützen. Dabei vergaß der US-Präsident zunächst, dass die USA im Emirat eine wichtige Luftwaffenbasis mit mehr als 10.000 Soldaten unterhalten. Das entsprechende Kommando der Marine und die Führung der fünften Flotte sind im benachbarten Bahrain stationiert.

Das Ende des Status quo

Jahrzehntelang bauten die Vereinigten Staaten ihre Präsenz im Nahen Osten und am Persischen Golf aus. Mit Ende des Kalten Krieges übernahmen die USA die unumstrittene diplomatische und sicherheitspolitische Führungsrolle.

Statue von Saddam Hussein
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Durch den Sturz Saddam Husseins entstand ein Machtvakuum in der Region.

Die Invasion des Irak 2003 änderte dies: Der Einmarsch stellte den regionalen Status quo infrage. Mit dem Sturz Saddam Husseins und den folgenden Jahren der Gewalt mit Zehntausenden Toten entfiel der Irak als Gegengewicht zum Iran und dessen Machtstreben.

Der sogenannte Arabische Frühling stürzte zudem wichtige US-Verbündete wie den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Staaten wie Syrien, Jemen oder Libyen versinken in Chaos und Krieg.

Obamas Vakuum

In Washington begann US-Präsident Barack Obama eines seiner wichtigsten Wahlversprechen umzusetzen: Den Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan und aus dem Irak. Der Krieg habe die US-Steuerzahler viel Geld gekostet, warnte Obama. Trotzdem seien die USA weniger sicher und kaum mehr fähig, Ereignisse im Ausland mitzubestimmen.

US-Soldat in Afghanistan
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Der US-Militäreinsatz in Afghanistan kostete viele Menschenleben - und Geld.

Obama zieht nicht nur Truppen ab. Er kann aus politischen Gründen auch keine neuen Soldaten mehr entsenden - ihm fehlt nach dem Irakkrieg seines Vorgängers der Handlungsspielraum. Keine Soldaten, die zum Beispiel helfen, die Lage in Libyen nach dem Sturz des Diktators Gaddafi zu stabilisieren. Keine Truppen, die eine Flugverbotszone in Syrien garantieren.

Die Folge ist ein Vakuum. Das nutzen zunächst terroristische Organisationen wie der "Islamische Staat" zum Ausbau ihrer Macht im Irak und in Syrien. Im Herbst 2015 greift schließlich Russland an der Seite des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in den Bürgerkrieg in Syrien ein. Es ist Moskaus Rückkehr in die Region nach fast 30 Jahren. 

Annäherung an den Iran

Obama konzentrierte sich nach vergeblichen Anläufen, den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis zu lösen, auf ein Atomabkommen mit dem Iran. Beide Länder hatten seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Videobotschaft Barack Obamas an den Iran | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Zum persischen Neujahrsfest am 19. März 2009 bot Obama dem Iran in einer Videobotschaft nochmals nachdrücklich an, die eisigen Beziehungen zwischen den Führungen in Teheran und Washington auf eine neue Grundlage zu stellen.

Mit den Atomgesprächen kehrt Teheran auf die internationale Bühne zurück. Washingtons engster Verbündeter in der Region, die israelische Regierung, warnt vor einem Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Premierminister Benjamin Netanyahu erwägt mindestens einmal einen Angriff auf Irans Atomanlagen.

Obama versteht auch die Bedenken der Saudis gegenüber Irans Machtstreben nicht. Er wirft Saudi-Arabien stattdessen vor, selbst Konflikte in der Region auszunutzen und die Interessen der USA zu untergraben.

Das Rad zurückdrehen

US-Präsident Trump möchte das Rad zurückdrehen. Es scheint, er wolle im Nahen Osten und am Persischen Golf zum regionalen Status quo - also der Zeit vor dem Irak-Krieg - zurückkehren. Deshalb sucht er die Nähe zu Saudi-Arabien und stellt das Atomabkommen mit Teheran infrage.  

Der Iran habe die Region nicht gut behandelt, argumentiert Trump. Ob die USA wieder Wirtschaftssanktionen gegen Teheran verhängen, will er Mitte Mai entscheiden.

Trump will Stärke demonstrieren

Trumps Antrieb ist dabei das Gefühl, dass die Anführer anderer Staaten über die USA lachen. Er will wieder Stärke demonstrieren. Er prahlt, dass es dem US-Militär gelungen sei, den IS zu vertreiben. Und er droht dem syrischen Präsidenten Assad mit weiteren Angriffen.

Aber gerade im diplomatischen Prozess zur Lösung des Syrien-Konflikts brauchen die USA nicht Saudi-Arabien, sondern Russland, die Türkei und wohl auch den Iran. Denn ihre uneingeschränkte Führungsrolle haben die Vereinigten Staaten in der Region auf lange Sicht verloren.

Über das Thema Machtkampf Nahost berichtet der "Weltspiegel" in einem Schwerpunkt am Sonntag um 19.20 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung Monitor am 19. April 2018 um 21:45 Uhr.

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