US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP

Geplanter US-Angriff auf den Iran "Abbruch zehn Minuten vor Start"

Stand: 21.06.2019 19:49 Uhr

Laut Trump wurde der geplante Angriff auf den Iran wegen der erwarteten Opferzahl gestoppt. Die Waffen seien "geladen und gespannt" gewesen, als der US-Präsident kurz vor Beginn der Aktion eine entscheidende Frage stellte.

US-Präsident Donald Trump hat den geplanten Vergeltungsangriff gegen den Iran nach eigenen Angaben zehn Minuten vor dem Start abgebrochen. Als Grund gab er auf Twitter die erwartete Opferzahl an.

In der Nacht zu Freitag seien die US-Waffen "geladen und gespannt" gewesen für einen Vergeltungsangriff gegen drei Ziele im Iran, so Trump. Dann habe er gefragt, mit wie vielen Toten gerechnet werde. "150 Menschen, Sir", habe ihm ein General geantwortet. Da habe er den Angriff zehn Minuten vor dem Start gestoppt, weil dies nicht im Verhältnis gestanden hätte zum Abschuss einer unbemannten Drohne. Trump erklärte weiter, er habe "keine Eile", den Iran anzugreifen, da die Sanktionen gegen das Land greifen würden.

Der US-Präsident bestätigte damit einen Bericht der "New York Times" über einen geplanten Militärschlag. Die Zeitung hatte unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtet, Trump habe für Donnerstagabend Angriffe auf "eine Handvoll iranischer Ziele" wie Radaranlagen oder Raketensysteme genehmigt. Demnach waren bereits Flugzeuge in der Luft und Schiffe in Position, als die Anweisung aus Washington kam, die Aktion abzubrechen. Der Vergeltungsschlag wäre eine Reaktion auf den Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch den Iran gewesen.

Vorwarnung via Oman?

Zuvor soll Trump den Iran vor einem unmittelbar bevorstehenden Militärangriff gewarnt haben. Der Iran habe in der Nacht zu Freitag via Oman eine Vorwarnung über einen bevorstehenden US-Angriff erhalten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf einen iranischen Regierungsvertreter. Trump habe mitgeteilt, er wolle keinen Krieg, sondern Gespräche. Für eine Antwort habe er eine kurze Frist gesetzt. Die iranische Führung habe ebenfalls via Oman unmittelbar geantwortet und erklärt, eine Entscheidung obliege dem geistlichen und staatlichen Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei.

Ein zweiter iranischer Regierungsvertreter sagte Reuters, dem Vertreter Omans sei mitgeteilt worden, dass jeder Angriff auf den Iran regionale und internationale Konsequenzen nach sich ziehen würde. Für solche Konsequenzen hätten die USA die Verantwortung zu tragen, erklärte das iranische Außenministerium gegenüber dem Schweizer Botschafter in Teheran. Da die USA und der Iran keine diplomatischen Beziehungen zueinander unterhalten, vertritt der Schweizer Botschafter in Teheran die Interessen der USA.

Der iranische Sicherheitsrat wies die Berichte über eine Vorwarnung der USA zurück. Ebenso wurde dementiert, dass es eine Botschaft Trumps gebe, wonach er keinen Krieg, sondern Gespräche mit der Führung in Teheran wolle. "Amerika hat keine Botschaft an den Iran über den Oman gesandt", sagt ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats laut dem iranischen Staatsfernsehen.

Revolutionsgarden präsentieren Wrackteile

Das iranische Staatsfernsehen zeigte unterdessen Wrackteile, die von der abgeschossenen US-Aufklärungsdrohne stammen sollen. Ein General der Revolutionsgarden sagte dazu, die Wrackteile seien im Meer innerhalb der iranischen Hoheitsgewässer geborgen worden. Andere Teile des Wracks seien gesunken. Das unbemannte Fluggerät hat eine größere Spannweite als eine Boeing 737 und kostet mehr als 100 Millionen Dollar.

Der Iran betont, die Drohne sei abgeschossen worden, weil sie an der Straße von Hormus den iranischen Luftraum verletzt habe. Nach US-Angaben schossen die iranischen Revolutionsgarden das unbemannte Fluggerät dagegen im internationalen Luftraum ab. Beide Seiten veröffentlichten angebliche Koordinaten des Abschussortes.

Der Vorfall hatte die ohnehin angespannte Lage in der Golfregion weiter verschärft. Erst vergangene Woche waren zwei Tanker im Golf von Oman attackiert worden. Die USA machen den Iran dafür verantwortlich, doch weist die Führung in Teheran die Vorwürfe zurück.

Merkel spricht von "angespannter Situation"

Angesichts dessen wächst international die Sorge vor einem Krieg. Zahlreiche Fluggesellschaften überfliegen den iranischen Luftraum nicht mehr, inklusive der Straße von Hormus und dem Golf von Oman. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Rande des EU-Gipfels von einer "sehr angespannten Situation", die auf diplomatische und politische Weise gelöst werden müsse. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres mahnte die Konfliktparteien zu Besonnenheit. Russland warf den USA vor, den Konflikt mit dem Iran anzuheizen.

Stolpert Trump in einen Krieg?

Im Kapitol versuchten derweil führende Politiker, eine Eskalation zu verhindern. Der oberste Demokrat im Senat, Chuck Schumer, sagte, der Präsident müsse dem amerikanischen Volk erklären, warum er das Land zu einem neuen, endlosen Konflikt im Nahen Osten steuere. "Der Präsident mag nicht vorhaben, einen Krieg zu beginnen. Wir haben die Sorge, dass er in einen Krieg stolpert. Der beste Weg, das zu verhindern, ist eine robuste, offene Debatte zu führen und den Kongress mitreden zu lassen."

Ein Krieg gegen den Iran bräuchte die Zustimmung des Kongresses - dieser Überzeugung sind auch viele von Trumps Republikanern. Bei ihnen gibt es Stimmen, die ein härteres Vorgehen gegen Iran den verlangen. Außenminister Mike Pompeo und der nationale Sicherheitsberater John Bolton sprachen sich für scharfe Reaktionen aus. Adam Schiff, der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses sagte hingegen, "der Präsident hat definitiv zugehört", als Kongressführer ihn bei dem Treffen drängten, vorsichtig zu sein und die ohnehin angespannte Situation nicht zum Eskalieren zu bringen.

Mit der jüngsten Eskalation soll sich nach Angaben aus Diplomatenkreisen nun auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigten. Auf Antrag der USA soll das Gremium am Montag über die Lage in der Region befassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juni 2019 um 17:00 Uhr.

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