Ein Foto der inhaftierten iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh.

Iranische Anwältin Sotoudeh Menschenrechtlerin beendet Hungerstreik

Stand: 26.09.2020 17:59 Uhr

Fast 50 Tage lang hat die inhaftierte iranische Menschenrechtsanwältin Sotoudeh aus Protest gegen die Haftbedingungen keine Nahrung zu sich genommen. Weil sich ihr Zustand kritisch verschlechterte, brach sie nun ihren Hungerstreik ab.

Die inhaftierte iranische Menschenrechtlerin und Anwältin Nasrin Sotoudeh hat nach fast 50 Tagen ihren Hungerstreik beendet. "Wegen ihres kritischen Zustands hat Nasrin gestern ihren Hungerstreik abgebrochen", twitterte Sotoudehs Ehemann Reza Khandan.

Die Anwältin hatte mit dem Hungerstreik gegen den mangelnden Schutz für politische Häftlinge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus protestiert. Wegen der Ansteckungsgefahr hatte die iranische Führung fast 90.000 Gefangene vorläufig freigelassen. Politische Häftlinge waren von der Maßnahme aber ausgeschlossen.

Zu 33 Jahren Haft verurteilt

Vergangene Woche war die 57-jährige Sotoudeh in ein Teheraner Krankenhaus eingeliefert worden, weil sie nach Angaben ihres Ehemannes sehr viel Gewicht verloren habe und "ernsthaft geschwächt" sei. Am Mittwoch sei sie dann "ohne jeglichen medizinischen Eingriff" wieder zurück ins Gefängnis gebracht worden. "Wegen ihrer Herzprobleme hatte ich erwartet, dass man sie zumindest in die Gefängnisklinik verlegen würde", sagte Khandan.

Reza Khandan der Ehemann der inhaftierten iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh
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Schockiert vom Gesundheitszustand seiner Frau: Reza Khandan

Sotoudeh war vergangenes Jahr wegen angeblicher Beleidigung des Revolutionsführers und Spionage zu 33 Jahren Haft und 148 Stockschlägen verurteilt worden. Die Anwältin hat unter anderem Frauen vertreten, die gegen die Kopftuchpflicht im Iran protestierten. Sie war auch für Journalisten, Oppositionelle und Dissidenten wie Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi tätig. 2012 wurde Sotoudeh mit dem Sacharow-Preis des Europaparlaments ausgezeichnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2020 um 16:00 Uhr.

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