Wrackteile des im Iran abgestürzten Flugzeugs | Bildquelle: AP

Flugzeugabsturz im Iran Kiew will Abschuss nicht ausschließen

Stand: 09.01.2020 13:20 Uhr

Was führte zum Absturz der ukrainischen Boeing 737 nahe Teheran? Laut dem Iran brannte es an Bord und die Piloten wollten zurückfliegen. Kiew hält hingegen einen Raketenangriff für möglich.

Die Hintergründe des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran bleiben unklar. Während der Iran erklärte, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe, erachtet die Ukraine auch einen Raketenangriff oder Terrorismus für möglich. Bei dem Unglück waren gestern 176 Menschen ums Leben gekommen.

Olexij Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat sagte, die Beamten hätten mehrere Arbeitshypothesen für den Crash, darunter einen Raketenangriff. "Ein Angriff mit einer Rakete, möglicherweise einem Tor-Raketensystem, ist unter den wichtigsten (Theorien), da im Internet Informationen zu Teilen einer Rakete aufgetaucht sind, die in der Nähe der Absturzstelle gefunden wurden", sagte er.

Ukrainische Ermittler wollen nach Raketenteilen suchen

Ukrainische Ermittler, die im Iran eingetroffen seien, warteten noch auf eine Genehmigung iranischer Behörden, die Absturzstelle zu untersuchen und nach Raketenteilen zu suchen, sagte er. Tor ist ein in Russland gefertigtes Raketensystem. Moskau lieferte dem Iran 2007 insgesamt 29 Geräte vom Typ Tor-M1. Sie waren Bestandteil eines 2005 unterzeichneten Vertrags.

Der Iran reagierte bislang noch nicht auf die Aussagen aus der Ukraine. Wenige Stunden zuvor hatte die iranische Luftverkehrsbehörde einen vorläufigen Bericht veröffentlicht. Demnach brannte die Maschine unmittelbar vor dem Unglück. Die Besatzung habe versucht, das Flugzeug zurück zum Flughafen zu steuern, als es abstürzte. Es habe keine Funkverbindung mit dem Piloten gegeben, die auf eine ungewöhnliche Situation hingedeutet hätte.

Raketensystem Tor-M1 | Bildquelle: imago stock&people
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Die Ukraine hält es für möglich, dass das Flugzeug mit dem Raketensystem vom Typ Tor-M1 abgeschossen wurde. Russland lieferte es 2007 in den Iran.

Augenzeugen haben angeblich Feuer gesehen

Die Behörde verwies auf Aussagen von Augenzeugen am Boden, die ein Feuer gesehen hätten. Außerdem hätte die Besatzung eines anderen Flugzeugs, das in der Nähe der Unglücksmaschine unterwegs gewesen sei, berichtet, dass die Boeing 737 vor dem Absturz von Feuer umhüllt gewesen sei.

"Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen und dies führte zum Absturz", erklärte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna. Spekulationen über einen "verdächtigen" Absturz und Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder eine Terroroperation seien alle falsch, sagte der Minister. Wie er zu diesen Erkenntnissen kam, sagte Eslami nicht. Der Flugschreiber und der Voice Recorder, der Gespräche im Cockpit aufzeichnet, seien im Besitz der Ermittler. Die Geräte seien aber beschädigt.

Die Suche nach der Ursache des Absturzes der Passagiermaschine nahe Teheran
tagesthemen 22:30 Uhr, 08.01.2020, Natalie Amiri, BR

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Keine Erkenntnisse über deutsche Opfer

Das Außenministerium in Kiew hatte zunächst auch von drei Deutschen gesprochen, die an Bord gewesen sein sollen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Mittwochabend jedoch mit, dass es bislang keine Erkenntnisse über Todesopfer aus Deutschland erhalten habe.

Im Fokus der Ermittler stehen nun die letzten Minuten der Maschine. Die iranischen Behörden hatten kurz nach dem Vorfall von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich bei ihrer Einschätzung berufen. Irans Präsident Hassan Rouhani forderte später eine lückenlose Aufklärung, wie der Nachrichtensender Chabar berichtete.

Warnung vor Spekulationen

"Die Erfahrung lehrt, dass vorschnelle Einschätzungen oft daneben liegen", sagte der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Wir sollten die ersten offiziellen Untersuchungsergebnisse abwarten, die laut internationalen Vereinbarungen in 30 Tagen vorliegen müssen." Der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth hatte im Gespräch mit tagesschau.de auf Ungereimtheiten hingewiesen.

Selenskyj warnte vor Spekulationen. Ungeprüfte Informationen sollten nicht weitergegeben werden, sagte er. Nach Angaben der iranischen Staatsanwaltschaft wurden die beiden Blackboxen mit den Flugdaten bereits geborgen. Von ihnen erhoffen sich die Experten Aufschluss zur Ursache. Laut Airline wurde die noch nicht mal vier Jahre alte Boeing erst am vergangenen Montag überprüft.

Zusammenhang mit Raketenangriffen unklar

Weltweit umfliegen mittlerweile mehrere Fluggesellschaften den iranischen Luftraum. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte Airlines aus ihrer Heimat bereits vor dem Absturz untersagt, überhaupt noch über den Irak, den Iran, den Persischen Golf und den Golf von Oman zu fliegen.

Der Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch US-Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Die FAA begründete das Flugverbot für zivile Flugzeuge aus den USA mit der erhöhten militärischen Aktivität und wachsenden politischen Spannungen.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Absturz der ukrainischen Maschine und der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA besteht, ist noch völlig unklar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Januar 2020 um 14:00 Uhr.

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