Irans Präsident Hassan Ruhani | Bildquelle: dpa

Demonstrationen Proteste im Iran weiten sich aus

Stand: 30.12.2017 06:21 Uhr

In erster Linie geht es um hohe Preise und die Arbeitslosigkeit. Doch Videos der Proteste in iranischen Städten zeigen auch Menschen, die Parolen gegen Präsident Rouhani und gegen den Klerus riefen. Nun erreichten die Demonstrationen Teheran.

Im Iran haben sich den zweiten Tag hintereinander Hunderte Menschen zu Protesten versammelt. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete von Demonstrationen in mindestens sechs Städten, darunter auch in der Hauptstadt Teheran. Die Proteste richteten sich laut iranischen Medien gegen hohe Preise und die Arbeitslosigkeit im Land. Auf Videos in den sozialen Netzwerken waren aber auch Demonstranten zu sehen, die politische Slogans gegen den regierenden Klerus und auch gegen Präsident Hassan Rouhani skandierten.

52 Festnahmen im Maschad

Von der Provinzhauptstadt Maschad aus, wo am Vortag nach offiziellen Angaben 52 Demonstranten festgenommen worden waren, breitete sich die Protestwelle nun auch nach Teheran und in die Stadt Kermanschah aus. Dort skandierten etwa 300 Demonstranten Parolen gegen die Regierung, wie die Nachrichtenagentur Fars berichtete. Die Polizei habe die Menge auseinander getrieben, nachdem unter anderem Sprechchöre wie "Lasst die politischen Gefangenen frei" und "Freiheit oder Tod" zu hören gewesen und öffentliches Eigentum zerstört worden sei.

In Teheran versammelten sich nach Angaben des Vize-Gouverneurs der Provinz Teheran, Mohsen Hamedani, "weniger als 50 Menschen" auf den öffentlichen Plätzen. Er sagte, die Demonstranten seien "von Propaganda beeinflusst" und wüssten nicht, dass die meisten Protestaufrufe "aus dem Ausland" stammten. "Für solche Proteste gibt es keine Erlaubnis", sagte Hamedani.

Laut Augenzeugen in Rascht, einer Stadt am Kaspischen Meer, nahmen auch dort Hunderte von Menschen an den Protesten teil. In Hamedan im Westiran riefen Demonstranten demnach "Tod den Diktatoren". Wegen einer begrenzten Berichterstattung iranischer Medien über die Proteste ließen sich die Augenzeugenberichte nicht unabhängig überprüfen.

Wer organisiert die Proteste?

Vizepräsident Ishagh Dschahangiri sieht die Gegner der Reformpolitik von Präsident Rouhani hinter den Protesten. Die Wirtschaftsprobleme im Land seien für sie nur ein Vorwand für eine Hetzkampagne gegen Rouhanis Regierung, sagte Dschahangiri nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. Dies erkläre auch die "Nieder-mit-Ruhani"-Rufe einiger Demonstranten. 

Die US-Regierung kritisierte die Festnahme von Demonstranten im Iran. "Die USA verurteilen die Verhaftung von friedlichen Demonstranten scharf", erklärte das Außenministerium in Washington. "Wir fordern alle Staaten dazu auf, das iranische Volk und seine Forderungen nach Grundrechten und ein Ende der Korruption zu unterstützen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2017 um 14:00 Uhr.

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