Brennendes iranisches Konsulat in Nadschaf | Bildquelle: AFP

Eskalation bei Protesten Iranisches Konsulat im Irak in Brand

Stand: 28.11.2019 12:03 Uhr

Die Massenproteste im Irak richten sich auch gegen den Einfluss der iranischen Nachbarn. Nun sind sie erneut eskaliert. In der Stadt Nadschaf zündeten Demonstranten eine diplomatische Vertretung des Iran an.

Demonstranten haben im im südirakischen Nadschaf das iranische Konsulat angezündet. Augenzeugen berichteten, Sicherheitskräfte hätten neben Tränengas auch scharfe Munition gegen die Protestierenden eingesetzt. Ein Demonstrant sei getötet und 35 weitere verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Hohe Flammen und dicke Rauchwolken stiegen über dem Eingang des Gebäudes auf, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Hunderte Demonstranten riefen "Sieg für den Irak" und "Raus mit dem Iran".  Sie rissen die iranische Flagge vom Konsulat und hissten eine irakische, wie ein Polizeibeamter sagte. Iranische Angestellte hätten unverletzt durch eine Hintertür entkommen können, hieß es. Die Behörden hätten eine Ausgangssperre verhängt.

Irak und Iran verurteilen Brandanschlag

Die irakische Regierung verurteilte den Angriff. "Diplomatische Vertretungen, die im Irak tätig sind, werden hoch geachtet und geschätzt", berichtet die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf das Außenministeriums. Der Vorfall spiegele nicht die Perspektive des Irak wider. Später hieß es von einem Ministeriumssprecher, das Feuer sei nicht von Teilnehmern des Protests gelegt worden.

Auch der Iran verurteilte den Brandanschlag. Die Regierung in Bagdad müsse darauf "verantwortlich, stark und effektiv" reagieren, forderte ein Sprecher des Außenministeriums.

Brennende Reifen vor dem iranischen Konsulat in Nadschaf | Bildquelle: AFP
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Brennende Reifen vor dem iranischen Konsulat in Nadschaf.

Der Brand des Konsulats in der für Schiiten heiligen Stadt Nadschaf könnte die Massenproteste im Irak weiter anheizen. Anfang des Monats hatten Demonstranten bereits in der zweiten heiligen Stadt des Landes, Kerbela, versucht, das iranische Konsulat in Brand zu setzen. Sicherheitskräfte verhinderten die Stürmung und schossen scharf, vier Menschen starben.

Mehrere Demonstranten in Al-Nasirija getötet

Im Irak kommt es seit Wochen immer wieder zu Protesten gegen die politische Führung. In der südirakischen Stadt Al-Nasirija hatten am Morgen Demonstranten zwei Brücken blockiert. Als Sicherheitskräfte versuchten den Protest aufzulösen, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nachrichtenagenturen berichteten von Todesopfern, allerdings schwankten die Angaben. Demnach kamen mindestens 13 Menschen ums Leben und mehr als 55 wurden verletzt. Die Agentur AP berichtete von 16 Toten und mindestens 90 Verletzten.

Damit stieg die Zahl der Todesopfer der vergangenen zwei Monate laut der Nachrichtenagentur AFP auf mehr als 360. Etwa 15.000 Menschen seien in diesem Zeitraum verletzt worden. Die Demonstrationen richten sich insbesondere gegen die grassierende Korruption und die schlechte Wirtschaftslage. Die Demonstranten fordern einen Rücktritt der Regierung sowie ein neues politisches System.

Irak - Proteste gegen Korruption und Misswirtschaft dauern an
tagesschau 12:00 Uhr, 28.11.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Regierung setzt Krisenstab ein

Die irakische Regierung richtete nach Angaben der Militärführung des Landes einen Krisenstab ein, dem mehrere Kommandeure angehören sollen. Dieser solle "die Sicherheit und Ordnung" im Südirak wiederherstellen. Die einberufenen Militärs sollen den Gouverneuren der betroffenen Provinzen zur Seite stehen und Sicherheitskräfte und Soldaten kontrollieren.

Iranisches Konsulat in Nadschaf gestürmt und in Brand gesteckt
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
28.11.2019 07:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2019 um 22:00 Uhr.

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